Linnich - Kein Konsens in der Linnicher Schulfrage

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Kein Konsens in der Linnicher Schulfrage

Von: Nicola Gottfroh
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Nicht jeder konnte sich mit der Idee der Errichtung einer Gemeinschaftsschule in Linnich anfreunden. Die Meinungen zwischen den Vertretern der lokalen Politik, insbesondere Ruth Seidl und Cato Hilfert (Bildmitte), und der örtlichen Schullandschaft gingen auseinander. Foto: Gottfroh

Linnich. Eine Diskussion wollte die Grüne Stadtratsfraktion in Linnich ins Rollen bringen. Und das war ihr an diesem Abend in der Gaststätte „Bei Karla und Röschen” auch gelungen. Auch wenn neben Vertretern aus der lokalen politischen Landschaft nur wenige Lehrer und Schulpflegschaftsvertreter, und noch weniger Eltern und Bürger zur Informationsveranstaltung zum Thema „Gemeinschaftsschule” gekommen waren.

Die Anwesenden nahmen das Thema „Schule” dafür umso ernster. Klar war allen: Die demographische Entwicklung zwingt die Kommunen zum Handeln. Denn die Schülerzahlen werden in den kommenden Jahren immer stärker zurückgehen -Êauch am Schulstandort Linnich. Viele lokale Politiker bezweifeln, dass die Linnicher Haupt- und Realschule unter diesen Umständen noch eine gesicherte Zukunft haben werden.

Und sogar viele Lehrer sehen einer düsteren Zukunft entgegen: „Auch wenn die meisten Kollegen alles am liebsten so lassen würden, wie es jetzt ist: Wir wissen, dass das auf lange Sicht nicht möglich ist. Eine Zusammenlegung wird kommen”, betonte die Linnicher Hauptschullehrerin Cornelia Engländer.

Wie genau die Zukunft der Linnicher Schulen jedoch aussehen könnte, dazu gingen die Meinungen in der Diskussionsveranstaltung auseinander -Êdie Einrichtung einer Gemeinschaftsschule wurde von der Mehrheit der Lehrer jedoch kritisch gesehen.

Anders die Grüne Stadtratsfraktion: Sie präferiert diese Schulform. Die Gemeinschaftsschule könne „den Schulstandort Linnich langfristig sichern und sogar aufwerten”, so Fraktionsvorsitzender Cato Hilfert.

Wie eine Gemeinschaftsschule in der Rurstadt aussehen könnte, dazu referierte Ruth Seidl, Mdl und hochschulpolitische Sprecherin der Grünen Landtagsfraktion.

Das Grundprinzip der neuen Schulform sei die flexible Kooperation verschiedener Schularten bis hin zur vollständigen Zusammenführung zu einer Schulart mit dem Ziel einer längeren gemeinsamen Schulzeit. Damit solle eine höhere Durchlässigkeit im Bildungssystem erreicht werden. „In der Gemeinschaftsschule werden alle Schüler in den Klassen fünf und sechs gemeinsam unterrichtet.

Danach können die Schulen entscheiden, ob es integriert weitergeht oder ob nach Bildungsgängen differenziert wird”, erklärte Seidl. „Die bestehenden Schulgebäude der Real- und Hauptschule können natürlich weiter genutzt werden, denn dort sind ja schließlich alle Dächer vorhanden”, informierte sie. Zudem werde die Gemeinschaftsschule eine Ganztagsschule sein, die gymnasiale Standards mit einschließt und an der auch die Möglichkeit zum Ablegen des Abiturs gegeben ist.

Die Begeisterung, die die Lehrer und Elternvertreter der Gemeinschaftsschule entgegenbrachten, hielt sich an diesem Abend in Grenzen. „Die Linnicher Schulen haben doch einen guten Ruf. Warum soll man den aufs Spiel setzen?”, fragte Lars Stern von der Schulpflegschaft der Realschule. Der Meinung schloss sich auch Lehrerin Bettina Oidtmann an: „Man sollte sich gut überlegen, ob man auf diesen Zug aufspringt”, sagte sie.

Die Angst, dass ihre Schüler untergehen könnten, wenn aus Real- und Hauptschule eine Gemeinschaftsschule entstünde, bewegte Hauptschul-Direktorin Renate Schäfer. „Was ist denn mit den lernschwachen Kinder? Wenn wir unsere Schüler nach gymnasialen Standards unterrichten wollten, dann könnten wir bei vielen direkt einen Psychologen daneben setzten”, erklärte sie in Hinblick auf den Leistungsdruck. Anderen Anwesenden stieß das Thema Abitur bitter auf: „Wird man nur Mensch, wenn man auch Abitur hat?”, lautete eine Frage.

Insbesondere aber der Unterschied zur Gesamtschule erschloss sich vielen Zuhörern nicht. Der bestehe hauptsächlich darin, dass im Gemeinschaftsschulkonzept die einzelnen Schulen vor Ort - abgestimmt auf die lokale Situation - sich schrittweise verändern und selbstbestimmt agieren können, so die Theorie.

Am Ende des Abends war Skepsis der Linnicher groß. „Man tut sich schwer mit Veränderungen. Aber: Nicht die Politik entscheidet, sondern die Eltern mit ihren Anmeldungen”, zog Cato Hilfert das Fazit des Abends.
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