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Kastanie steht Bauarbeiten jetzt im Weg

Von: ojo
Letzte Aktualisierung:
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Den Weg entlang und an der Kastanie nach rechts schwenkend, verläuft die Gasleitung, die dem mächtigen Baum nahe an die Wurzel rückt. Foto: Jonel

Jülich. Sie ist eine der mächtigsten Kastanien weit und breit. Einer der ältesten Bäume Jülichs, also kurz nach Ende des Zweiten Weltkriegs gepflanzt. Und sie ist gesund, was von vielen der Kastanien in und rundum Jülich nicht behauptet werden kann. Gerade deshalb schien Sorge berechtigt, denn der mächtige Baum im hinteren Bereich eines Privatgrundstücks an der Dr. Weyer-Straße steht unmittelbar einer bevorstehenden Baustelle im Weg.

Dort können sich Spaten und Wurzel extrem nahe kommen.

Die Problematik ist diffizil. Unmittelbar neben der Kastanie verläuft eine Ferngasleitung, um die es bei der geplanten Baumaßnahme geht. Diese Leitung aus dem 30er-Jahren des vergangenen Jahrhunderts, die von Alsdorf nach Stetternich, durch den Braunkohlentagebau unterbrochen ab Elsdorf weiter nach Köln führt, wird jetzt über eine Strecke von 85 Metern aufgenommen, die alten Rohre herausgetrennt, neue Segmente eingesetzt und verschweißt. Notwendig ist dieser Akt, um die Ferngasleitung vor Lecks oder gar Bruch zu bewahren.

Boden bewegt sich

Sie verläuft durch einen Bereich tektonischer Verwerfungen. Bei Bodenbewegungen könnte die Leitung reißen. Vorbeugende Ertüchtigungen von Leitungen aufgrund von Bergbau-bedingten Bodenbewegungen werden immer wieder vorgenommen. Bergbautreibender und Thyssengas stehen in regelmäßigem Kontakt.

Was diesen Akt zum Problem macht, ist letztlich die Zeit: Als die Leitung vor 80 Jahren verlegt wurde, gab es das heutige Umfeld nicht. Keine Häuser und keine Bäume. Heute verläuft sie unter der kleinen Sackgasse, die im hinteren Bereich des Hotels „Kaiserhof“ beginnt, schwenkt dann auf das Privatgrundstück ab, knapp an der Kastanie vorbei und unter einem Strauch- und Gehölzbeet weiter Richtung Dr. Weyer-Straße.

Die saloppen Äußerungen des ersten Bautrupps – „Wir graben einen Schacht, zwei Meter breit, zwei Meter tief – und den Baum sägen wir ab.“ – weckten Befürchtungen um den Erhalt der mächtigen Kastanie.

Im Wurzelbereich

So brachial werden die Arbeiten definitiv nicht ausgeführt, versichern die Experten von Thyssengas, und verweisen auf ein Gutachten, das zwischenzeitlich erstellt worden ist. Demnach liege der Arbeitsbereich rund 3,50 Meter vom Baum entfernt. Das ist allerdings immer noch ausgesprochen nah. denn der Wurzelbereich eines solchen Baumes entspricht der Ausdehnung der „Baumkrone plus fünf Meter“, erklärte Wilfried Krieger, Baumexperte der Stadt Jülich und stellvertretender Leiter des Bauhofes. Graben und Wurzeln werden sich demnach sehr wahrscheinlich begegnen. Das Gutachten greift diesen Fall auf. Die Wurzeln sollen von Erdreich befreit werden, was unter anderem durch Einschlämmen erreicht werde.

Nicht mit Großgerät

Die Arbeiten sollen zudem nicht mit Großgerät ausgeführt werden. Dafür gibt es weitgehend auch keinen Platz im Verlauf der Leitung.

Die Kastanie ist nicht nur eine imposante Erscheinung und biologisch kostbar. Sie hat zudem einen hohen materiellen Wert. Nach der Gehölzwerttabelle nach Werner Koch ist die prächtige Kastanie rund 100 000 Euro wert.

Der ideelle Wert ist damit nicht erfasst. Selbst wenn die Kastanie nicht der älteste Baum Jülichs ist – auf dem Schlossplatz stehen etliche Bäume, die ähnlich imposant sind, sagt Krieger –, ist sie einer der beeindruckendsten Bäume in der Stadt. In dieser Woche beginnen die vorbereitenden Arbeiten wie Rodung und Baustellenvorbereitung. In der nächsten Wochen sollen bei Stetternich die Regleranlagen aufgesetzt werden, um den Leitungsbereich gasfrei zu machen.

In der selben Woche sollen die Tiefbauarbeiten beginnen.

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