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Kammerphilharmonie Köln: Kein großartiges Erlebnis

Von: Hilde Viehöfer-Emde
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Dmitri Gornowsky glänzte bei Moses Variationen von Paganini für Cello. Foto: Wolfgang Emde

Jülich. Nur wenige Zuhörer fanden sich in der Schlosskapelle ein, um dem Programm der Kammerphilharmonie Köln zu lauschen. Dies lag sicherlich auch an der Ankündigung der Veranstaltung. Der Titel „Klassik überall” war nichtssagend und ließ auch nicht zu viel erwarten. Einfach zur Weihnachtszeit irgendwelche Standardwerke zu präsentieren, ist nicht genug.

Außerdem ist zu bemängeln, dass das angekündigte Programm aus nicht ersichtlichen Gründen abgeändert wurde. Das enttäuscht und nimmt der Veranstaltung die nötige Ernsthaftigkeit.

Die Mitglieder und die Solisten des Ensembles waren unzweifelhaft in ihrem Fach Profis. Was fehlte, war die Ernsthaftigkeit, die Art der Präsentation, die die Instrumentalisten sonst sicher beherrschen.

Routiniert und gekonnt spulten sie ihr Programm ab, das durch den Ausfall der Elegie von Peter Tschaikowsky für Orchester und den Ersatz durch den Gesang nicht gerade ausgewogen war. Es wirkte gestückelt und improvisiert. Die Musiker spulten routiniert Stücke ihres Repertoires ab, brachten die nötige publikumswirksame Show und boten Musik wie von einem Tonträger, den sie empfahlen und verkauften.

Das war aber zu wenig für die hochgesteckten Erwartungen im Publikum. Wer allerdings einfach einmal im Jahr klassische Musik hören wollte, der war gut bedient.

Die vier Jahreszeiten von Antonio Vivaldi sind ein immer wieder zu präsentierender Hit, bei dem der Solist Michael Kibardin virtuos und klangschön musizierte und dabei Charme à la Andr Rieu verbreitete. Er zelebrierte mit dem Kammerorchester die festliche Klangpracht, edel einfache Sprache und vollendet formale Ausgeglichenheit des Werkes von Vivaldi. Programmmusik à la carte in Perfektion serviert. Statt der Elegie von Peter Tschaikowsky für Streichorchester erklang eine Arie aus der Oper Xerxes von G. F. Händel. Solistin war Sabine Könner. Sie präsentierte den unspektakulären Largosatz klangschön, aber auch sehr unpersönlich und routiniert.

Erfreulich sachlich und werkgetreu musizierten Malgorzata Zbroja (Oboe), Michael Kibardin (Violine) und das Ensemble das Konzert für Violine und Oboe in d-moll von Johann Sebastian Bach.

Meisterlich präsentiert wurden „Moses Variationen” von Nicolo Paganini in einer Bearbeitung für Cello. Der Solist Dmitri Gornowsky brachte diese Kabinettstückchen mit der Hingabe und der Bravour, die man sich für das ganze Konzert gewünscht hätte.

Als Zugabe präsentierte die Sängerin Sabine Könner „Ave Verum Corpus” von W. A. Mozart nett, harmonisch, aber nicht umwerfend.

Die Freunde der klassischen Musik mussten an diesem Abend leider ein klassisches Klischee erleben. Das für die Tournee passend zusammengesetzte, tourende Ensemble konnte nicht die lebendige, spannende Atmosphäre eines einzigartigen Konzertabends vermitteln. Klassische Musik war gegeben, ein großartiges Konzerterlebnis jedoch blieb aus.
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