Linnich - Junger Linnicher Schachverein rüstet sich zum Spielbetrieb

Junger Linnicher Schachverein rüstet sich zum Spielbetrieb

Von: Otto Jonel
Letzte Aktualisierung:
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Das königliche Spiel hat im digitalen Zeitalter seinen Reiz nicht verloren. Es lebt immer noch vom Wettstreit zweier Kontrahenten im Kopf und auf dem Spielbrett. Foto: Jonel
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Dirk Göttgens (vorne l.) und Jürgen Gburek (vorne r.) sind die Gründer des Schachvereins SV Digo Help.

Linnich. Gegensätzlicher könnte es nicht sein. Rolf Gießelbach und Frank Gräffner sitzen sich nahezu reglos gegenüber. Identische Körperhaltung. Den Blick nachdenklich auf das 64-Felder-Brett geheftet. Gelegentlich wird mit sparsamer Bewegung eine Figur auf dem Brett versetzt.

Nebenan geht es Schlag auf Schlag. Wortwörtlich. Jürgen Gburek rückt seinen Bauern um ein Feld vor und schlägt auf die Uhr mit der Doppelanzeige. Dirk Göttgens reagiert sofort, positioniert seinerseits einen Bauern und aktiviert mit einem Schlag das Zeitkonto seines Kontrahenten. So unterschiedlich das Quartett auch agiert, alle vier frönen dem königlichen Sport. Sie spielen Schach.

Die Zeiten, in denen Schach auch medienwirksam eine öffentlich beachtete Sportart war, deren Weltmeister Garri Kasparov, Bobby Fischer oder Boris Spasski so bekannt waren wie Fußballstars oder Basketball-Giganten, sind lange vorbei. Das königliche Spiel hat an Beachtung eingebüßt. Und doch: Es gibt sie noch, die klassischen Duelle „Stratege gegen Stratege“. Sie werden nur etwas im Verborgenen ausgetragen.

Mitte März gegründet

In Linnich ist das im neuen Seniorenzentrum „Am Mühlenteich“. Das ist fast so jung wie der Schachverein selbst. Erst Mitte März hatten sich neben den beiden Initiatoren Dirk Göttgens (heute Kassierer) und Jürgen Gburek (er ist der Vorsitzende) weitere fünf Schachfreunde gefunden, die den Verein „SV Digo Help Geilenkirchen 2013“ gründeten. Geilenkirchen, weil das der Sitz von Göttgens‘ Firma ist. „Von Anfang an war aber klar, dass die sportliche Heimat der Schachfreunde Linnich sein sollt“, erzählen die Gründerväter.

Allerdings wohnt nur Gburek in dem Städtchen an der Rur. Alle übrigen Schachfreunde reisen an – zum Teil von weither. „Aber reisen sind wir gewohnt“, sagt Göttgens. Er spielt seit 25 Jahre Schach, in Alsdorf, Baesweiler und sogar Kalterherberg. Alsdorf ist auch die Station, wo Jürgen Gburek gemeinsam mit Göttgens Turm gegen Läufer oder Dame gegen Springer zog. Er hat sich bereits seit 32 Jahren dem Schachspiel verschrieben, und das nicht ohne Erfolg. In der vergangenen Saison haben Gburek und Göttgens in der Mannschaft Alsdorf III den Meistertitel geholt und den Aufstieg in die 1. Kreisklasse perfekt gemacht. Nun ja, fast. Denn obwohl die Aufstiegsmannschaft nun Kader des SV Digo Help ist, verfällt die Aufstieg logischerweise. Der neue Schachverein startet in der 2. Kreisklasse des Aachener Schachverbands. Mit fünf Spielern, die über Schacherfahrung verfügen, zählt der Neu-Linnicher Schachverein sicherlich nicht zu den ausgemachten Punktelieferanten.

Elf Termine auf dem Plan

Den Saisonplan haben die Linnicher bereits studiert. Die weiteste Fahrt der angesetzten elf Termine geht nach Konzen. „Kein Problem“, sagen die beiden Vereinsgründer. „Wir sind lange Fahrten gewohnt.“ Das gilt mit Sicherheit in besonderem Maße für einen Mitspieler, der aus Polen kommt, Er verbindet seine Deutschlandeinsätze mit dem Schachspiel beim SV Digo.

Auch eine Frau im Team

Das achtköpfige Schachteam – die Männerdomäne bricht als bislang einzige Frau Gisela Schmitz auf, die im Übrigen zu den Gründungsmitgliedern zählt – geht nicht ohne Ehrgeiz in sein erstes Vereinsjahr. Jürgen Gburek: „Wir wollen noch in diesem Jahr ein größeres Turnier veranstalten.“ Gedacht ist an Einzelturnier ebenso wie an Schnellschach. Und ein weiteres Ziel hat der Verein klar vor Augen. „Wir wollen unbedingt eine Jugendabteilung aufbauen.“

Über die Konkurrenz sind sie sich im Klaren. Die steht vielfach daheim in Kinder- und Jugendzimmern und beschränkt sich auf einen Bildschirm als Gegenüber. Die Aktiven von SV Digo setzen auf die eigenen Reiz, den der Denksport mit Wettkampfcharakter hat: „Schach ist nicht nur Ziehen von Figuren, Schach ist auch Psychologie“, sagt Gburek, und mit einem Gegner aus Fleisch und Blut kann Computer- oder Internetschach nicht konkurrieren.

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