Jugendgästehaus: Stillstand auf der Baustelle am Brückenkopf-Park

Von: Volker Uerlings
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Bildungshaus hinter Gittern: B
Bildungshaus hinter Gittern: Bislang steht vom dreiteiligen Jugendgästehaus-Komplex nur das erste Drittel. Investor Jufa nimmt derzeit Verzögerungen in Kauf, um nicht zu teuer zu bauen. Foto: Uerlings

Jülich. Stillstand am Jugendgästehaus-Komplex. Das sieht derzeit jeder, der vom Brückenkopf-Park in Richtung Rur unterwegs ist. Der Rohbau des Bildungshauses ist fertig, der Rest - also das Gästehaus selbst und der Energie-Pavillon - noch nicht. Es war nur eine Frage der Zeit, bis die ersten Gerüchte in Jülich kursierten.

Ob dem Investor wohl das Geld ausgegangen ist? Gernot Reitmaier hört diese Frage beim Besuch unserer Redaktion - und lächelt. „Ganz sicher nicht”, sagt er. Er hat an diesem Tag auch noch Vorstellungsgespräche. Bis zu 18 Menschen sollen im Jülicher Jugendgästehaus der Jufa Deutschland GmbH arbeiten. Warum aber diese Pause?

„Die Verhandlungen mit der Bauunternehmung sind nicht abgeschlossen. Die Angebote entsprechen noch nicht unseren Vorstellungen”, sagt der Mann aus Österreich, der sich zeitlich nicht unter Druck setzen lassen will. Und weiter: „Das Projekt soll 40 Jahre und länger erfolgreich betrieben werden, da solls auf zwei bis drei Monate nicht ankommen.”

Mit anderen Worten: Bevor nun nach Ansicht des Bauherren zu teuer gebaut wird, lässt man sich lieber Zeit - „a bisserl dauerts scho noch”. Die bisherige Planung sah den Starttermin im Frühjahr 2013 vor. Er ist zu halten, wenn bis Mitte Juni 2012 mit dem Bauunternehmen eine Einigung erzielt werden kann. Reitmaier nimmt von der Verspätung das Bildungshaus aus, in dem die Park-GmbH planmäßig ihre neuen Arbeitsplätze beziehen sollen.

Bis 27.000 Übernachtungen

Das Jugendgästehaus war und ist in Jülich umstritten, weil die öffentliche Hand in erheblichem Umfang mitfinanziert und weil sich manche nicht vorstellen können, was denn wohl die Touristen in Scharen vor die Tore der Herzogstadt locken soll. „Wir gehen mittelfristig von 25.000 bis 27.000 Übernachtungen im Jahr aus - und das schaffen wir auch”, sagt der Österreicher Gernot Reitmaier selbstbewusst.

Die Jufa habe sich eineinhalb Jahre mit dem Standort beschäftigt, das Angebot geprüft. Der (Co-)Investor bringt immerhin die Erfahrung von über 40 Standorten mit, die sich vornehmlich in der Alpenrepublik befinden, aber eben auch nicht alle von Alpen-Gipfeln umsäumt und idyllischen Seen umgeben sind. Die Jufa-Häuser in Eisenerz und Veitsch seien Beispiele für Regionen, die zuvor nicht touristisch erschlossen waren, aber laut Reitmaier jetzt brummen.

Der Standort Jülich habe seine Reize und hatte einen Schwachpunkt: das Schlechtwetterangebot. Und genau dieser werde durch den Erlebnis-Pavillon mit Indoor-Spielmöglichkeit ausgeglichen. Ansonsten sei die Stadt mit Brückenkopf-Park, Zitadelle und Freibad (im Sommer) keinesfalls unattraktiv. Die Jufa-Verantwortlichen sehen aber auch die größere Umgebung: „Das Dreiländereck ist das Pfund, mit dem wir wuchern.” Auch Städtetouren nach Aachen, Köln oder Düsseldorf seien von Jülich aus in akzeptabler Zeit selbst bei einem Wochenendaufenthalt machbar. Sogar das Phantasialand in Brühl zählt für Reitmaier dazu.

Im neuen Werbeflyer ist der große Erlebnispark auch gleich an zweiter Stelle zu finden. Die Jülicher „Jufa Energiewelt Indeland” wird da als „Energieerlebnis im Dreiländereck Holland-Belgien-Deutschland” angepriesen und selbstverständlich auch in den Nachbarländern beworben. Daneben verspricht sich der Jufa-Geschäftsführer einiges vom Tagungsgeschäft. Das wird zentral vermarktet. Schon heute zähle das Unternehmen den Deutschen Fußball Bund (Egidius-Braun-Stiftung), das Deutsche Rote Kreuz und andere Organisationen zu seinen festen Partnern, die gern auch bereit seien, einen neuen Jufa-Standort kennenzulernen.

Die Kalkulation des Gästehausbetreibers sieht so aus: Etwa 35 Prozent der 25.000 Übernachtungen sollen auf Schulklassen entfallen, rund 30 Prozent auf (Sport-)Vereine und gemeinnützige Organisationen, und 25 bis 30 Prozent auf Familien. Fünf bis zehn Prozent der Gäste sollen über Tagungen in Jülich Station machen.

Kapazitätsanfrage

Reitmaier verriet im Redaktionsgespräch, dass schon die Touristenstelle einer größeren Nachbarstadt angefragt habe, ob man in Spitzenzeiten auch Kapazitäten in Jülich belegen könnte. „Je länger ich mich mit diesem Standort auseinander setze, desto überzeugter bin ich.” Was aber, wenn die Erwartungen nicht erfüllt werden? Reitmaier: „Das ist bei 40 Standorten noch nie der Fall gewesen. Wenn es so sein sollte, stecken wir die Köpfe zusammen und überlegen, wie wir es schaffen werden.”

Das Preisniveau für das Haus in Jülich steht grob. Schulklassen sollen für Übernachtung/Frühstück und inklusive Eintritt in den Brückenkopf-Park pro Kopf 24/25 Euro zahlen (je nach 3- oder 4-Bett-Zimmer); Familien bezahlen je nach Zimmer 36/42 Euro je Nacht (Erwachsene). Kinder bis zum 4. Lebensjahr sind frei; bis zum 8. Lebensjahr zahlen sie die Hälfte, ab dem 9. Lebensjahr 80 Prozent.

Das Gästehaus wird ein ganzjähriges Gastronomie-Angebot unterbreiten - mit kleiner Küche und Mittagsbuffets in Spitzenzeiten. Reitmaier: „Wir machen kein À-la-carte-Restaurant, denn wir sehen uns als Ergänzung und nicht als Konkurrenz zum Vorhandenen.”

Der Mann hat keinen Zweifel. Die Skepsis in Jülich wird bleiben, bis der Bau steht und seine Tauglichkeit unter Beweis gestellt hat.
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