Jülicherin hilft in Kolumbien: Ein Jahr lang „nicht deutsch leben”

Von: ptj
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Vom Schwanenteich nach Kolumbi
Vom Schwanenteich nach Kolumbien: Die Jülicherin Hannah Richardy (Mitte) - daneben Mentorin Franziska Gutowski und Schirmherr Heinrich Stommel - packt im Sommer die Koffer.

Jülich. Hannah Richardy will Brücken schlagen, und zwar „zwischen den Menschen der kolumbianischen und der deutschen Gesellschaft”. Sicher hätte die 19-jährige Abiturientin im Gymnasium Haus Overbach leicht ihren „sozialen Dienst für Frieden und Versöhnung” in Bolivien verrichten können.

Dort hat ihre Familie schon reichlich Erfahrungen gesammelt: Ihr Vater, Pastoralreferent Michael Richardy, ist Vorsitzender des sozialen Vereins „Bolivien-Brücke”. Aber Hannah will Unabhängigkeit, „eigene Erfahrungen sammeln”.

Sprachunterricht und Seminare

Weil sie sich zu Südamerika hingezogen fühlt, bot sich für Hannah, die ein Freiwilliges Soziales Jahr beim Diözesanrat absolviert, das Partnerland des Bistums Aachen an. Konkret geht es nach Ibagué, Hauptstadt des Depatamentos Tolima, etwa 200 Kilometer westlich der Landeshauptstadt Bogotá. Nach Sprachunterricht und weiteren Seminaren wird sie die Hilfsorganisation „Concern Universal” in ihrer Fürsorge um benachteiligte Kinder, Jugendliche und Erwachsene unterstützen: Hannah wird Bildungsarbeit leisten, schulische Aufgaben und Hausbesuche übernehmen und Kinder mit Handicap begleiten. Finanziell gefördert wird der Freiwilligendienst vom Programm „weltwärts” des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung und vom Kindermissionswerk Aachen. Zudem unterstützt ein Fonds des Diözesanrats die beiden Organisationen. Im August werden die Koffer gepackt: Unbedingt hinein gehört Musik, Süßigkeiten für die Kinder und ein Fotoalbum als ein Stück Heimat, aber auch zur Veranschaulichung der deutschen Kultur. Ihre Geige will die Freiwillige daheim lassen, nicht aber ihre Theaterspielfreude und -erfahrung, die in einem kolumbianischen Theaterprojekt münden könnte: Verarmten Kindern „durch Rollenspiele eine andere Perspektive zu geben”, hält die 19-Jährige für eine gute Idee. Allerdings will die Schülerin ihr Auslandsjahr „bewusst nutzen, mal nicht deutsch zu leben”. Ob für ihren Laptop ein Platz im Koffer ist, hat sie deshalb noch nicht entschieden.

Die Schirmherrschaft von Jülichs Bürgermeister Heinrich Stommel ist ideeller Natur. Er will „guten Beispielen das Forum der Öffentlichkeit geben” und wünscht sich „zu hören, dass es Ihnen gut geht in dieser Zeit”. Hannahs Mentorin Franziska Gutowski verbrachte selbst ein Jahr in Kolumbien und ist seit ihrer Rückkehr 2008 ehrenamtliche Mitarbeiterin im Diözesanrat, zuständig für die Begleitung der Freiwilligen. Wie profilierte sich Hannah im Bewerbungsverfahren unter den aktuell 30 Interessenten? Gutowski fand die Entscheidung „relativ schwierig”.

Unter den acht zum Vorstellungsgespräch eingeladenen Bewerbern beurteilte das Team Hannah als „offen und flexibel und eine der stärksten Kandidaten”. „Nur wenig Beachtung” habe man dem Engagement von Vater Richardy in der Bolivien-Brücke geschenkt, wie die Mentorin glaubhaft versicherte. Nach der Rückkehr will Hannah die gewonnenen „Eindrücke in ihr Leben einbauen”. Sie überlegt, „in Richtung soziale Arbeit zu studieren”.

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