Jülicher Schüler bei Gedenken an „Brücke von Arnheim“

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Drei Schülerinnen des Gymnasiums Zitadelle nahmen an einer Konferenz in Arnheim teil. Foto: Schule

Jülich. Rund ein Jahr lang hatten sich rund 20 Oberstufenschülerinnen und -schüler zusammen mit ihrem Lehrer Dirk Neumann mit dem Thema „Jülich 1944-47“ auseinander gesetzt. Unter anderem hatten sie auch sechs Jülicher Zeitzeuginnen und Zeitzeugen interviewt.

In diesem Schuljahr wurden stellvertretend drei Schülerinnen des Abiturjahrgangs 2015 für ihr Engagement belohnt. Sie fuhren mit ihrem Lehrer für sechs Tage nach Arnheim. Dort nahmen sie an einer internationalen Jugendkonferenz mit Gleichaltrigen aus Polen, Großbritannien, Deutschland und Schulen in den Niederlanden teil.

Während der knappen Woche knüpften die Schülerinnen zahlreiche Kontakte mit Jugendlichen und jungen Erwachsenen aus Nachbarstaaten. Darüber hinaus setzten sie sich mit der Operation „Market Garden“ auseinander und besuchten Schlachtfelder genauso wie den alliierten Soldatenfriedhof in Oosterbeek. Während der zweiten Hälfte ihres Aufenthaltes simulierten sie mit großem organisatorischem Aufwand Sitzungen verschiedener UN-Gremien, um dort über aktuelle Themen wie die Lage in der Ukraine oder Nordkorea zu diskutieren.

Die Schüler der Zitadelle vertraten dabei die Interessen Frankreichs im Sicherheitsrat. Dazu Lehrer Dirk Neumann: „Für meine Schüler war es eine einmalige Möglichkeit, durch Teilnahme an solchen Konferenzen ein Gespür für das Agieren auf diplomatischen Parkett zu gewinnen. Es befähigt sie in Zukunft, leichter verschiedene Perspektiven einzunehmen und Standpunkte in der Fremdsprache Englisch zu vertreten.“

Emotionaler Höhepunkt

Einen emotionalen Höhepunkt erlebten die vier Jülicher mit der Teilnahme an den Gedenkveranstaltungen zum 70. Jahrestag der Brücke von Arnheim, an der auch viele der noch lebenden britischen und polnischen Veteranen teilnahmen (86 Jahre und älter). Die Schülerin Kimberly war davon beeindruckt, dass „diese alten Männer anscheinend Jahr für Jahr die Strapazen auf sich nehmen, um nach Arnheim zu kommen. Es muss ihnen sehr wichtig sein.“

Ihre Mitschülerin Victoria war davon überrascht, „mit welchem Ernst auch viele Niederländer daran teilnehmen, wenn Veteranen Kränze niederlegen und Dudelsäcke spielen. Ich hätte mir nicht vorstellen können, dass dies so in den Köpfen der Menschen hier drin steckt.“ Die Dritte im Bunde, Seraphia, fragte sich angesichts dieses Gedenkens: „Was muss passieren, so dass man an solche Ereignisse in dieser Weise erinnert? In Deutschland kann ich mir das überhaupt nicht vorstellen.“

Auf der Ginkeler Heide in der Nähe von Arnheim (dort waren 1944 viele alliierte Fallschirmjäger abgesprungen) nahmen die Jülicher an einer Großveranstaltung teil. So konnten sie zum Beispiel Fallschirmspringer verschiedener Nationen beobachten, die als Zeichen der Versöhnung zusammen absprangen. Historische Fahrzeuge konnten ebenso bestaunt werden. Die Volksfeststimmung mit Souvenirs rief dabei auch kritische Töne hervor. Nochmals Victoria: „Es wirkt eher wie ein großes Volksfest, bei dem auch viel getrunken wird.“

Über die Operation „Market Garden“: Im Herbst 1944 trat der zweite Weltkrieg an der Westfront nach der erfolgreichen Landung der Alliierten in der Normandie in die entscheidende Phase. Briten und Amerikaner planten ein gewagtes Unternehmen, um ein schnelles Kriegsende herbeizuführen: Luftlandedivisionen sollten in den Niederlanden hinter feindlichen deutschen Linien abspringen, um alle wichtigen Brücken über Flüsse wie Maas, Waal und Rhein unter ihre Kontrolle zu bringen.

Nachrückende Bodentruppen sollten schwere Waffen und Verstärkungen heranführen und sich mit den Fallschirmjägern an den Brücken vereinen. Doch die Operation war militärstrategisch nur ein Teilerfolg. Während die Brücken von Nijmegen und Eindhoven in alliierte Hände fielen und gehalten werden konnten, gelang es nicht, die am weitesten entfernt liegenden Brücken über den Rhein bei Arnheim zu erobern oder lang genug zu halten.

Alliierte Kräfte suchten später einen direkten Weg an den Rhein. Auf dem Vormarsch Richtung Köln galt es, die Rur zu überqueren und Stauseen in der Eifel unter Kontrolle zu bekommen. Das Ende ist bekannt – am 16. November wurden die Städte Jülich, Düren, Linnich und Heinsberg von alliierten Bomberverbänden zur Vorbereitung der Rurüberquerung massiv zerstört.

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