Jülicher Samtpfoten auf Brautschau unerwünscht

Von: Volker Uerlings
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Zu viele Katzenbabys soll es in Jülich nicht mehr geben. Freigänger-Katzen müssen kastriert und gekennzeichnet sein. Foto: Uerlings

Jülich. Wenn ein familiär behüteter und biologisch unversehrter Kater in Jülich und seinen Stadtteilen auf Brautschau wandelt, ist das seit gut drei Wochen nicht mehr nur Natur. Das Tier und seine Halter begehen eine Ordnungswidrigkeit.

Nach der Veröffentlichung eines Stadtratsbeschlusses Mitte Dezember herrscht in der Herzogstadt eine Kastrations- und Kennzeichnungspflicht für Katzen, um der ungehemmten Vermehrung der Samtpfoten entgegenzuwirken.

Hierbei handelt es sich um ein Gebot, das in einer „Ordnungsbehördlichen Verordnung” festgelegt ist. „Die typischen Hauskatzen sind nicht betroffen”, erklärt der kommissarische Ordnungsamtsleiter Hans Pinell auf Anfrage. Nur wer seine Katze frei laufen lässt, ist nun von Gesetzes wegen verpflichtet, das Tier kastrieren und mit einem Chip oder einer Tätowierung kennzeichnen zu lassen (siehe Infobox).

Ganz wichtig: Anders als bei Hunden haben Katzenhalter keine Mitteilungspflicht. Sie müssen also die Stadtverwaltung nicht über den ordnungsbehördlich erwünschten Zustand ihrer Vierbeiner informieren. „Wir werden nur aktiv, wenn uns Beschwerden vorliegen”, erklärt Pinell weiter. Stelle sich dann heraus, dass Katzen nicht kastriert und gekennzeichnet sind, „werden wir auch Bußgelder verhängen”. Und wenn die Eigentümer nicht zu ermitteln sind, werden Kennzeichnung und Kastration zur Not auch „von Amts wegen durchgeführt”. Dann unterbindet der starke Arm des Gesetzes künftige Freigänge in Freiersabsicht.

In der politischen Debatte konnten Mitte Dezember nicht alle Ratsvertreter die Notwendigkeit dieser Regelung im Jülicher Ortsrecht verstehen. Freidemokrat Winfried Cremerius sah ironisch sogar demnächst eine „Flohsteuer” auf Tierhalter zukommen. Am Ende entschied sich eine deutliche Mehrheit für diesen Bürgerantrag, der sich nicht nur auf die unkontrollierte Vermehrung von Katzen, sondern auch die häufigen Hinterlassenschaften der Freigänger in Gärten argumentativ stützte.

Regelwerk gibt Impuls

Unterstützung fand der Vorschlag vor allem beim Verein Samt (Soziale Arbeit für Mensch und Tier), dessen Vorsitzende Irene Launer-Hill ist. Ihr Verein betrachtet eine gesetzliche Kastrationspflicht von Katzen als „aktiven Tierschutz”. Diese Auffassung machten sich im Rat auch Harald Garding (SPD) und Jan Schayen (CDU) zu eigen. Schayen sprach von einem „guten Regelwerk”, das einen Impuls gebe. Der Stadtrat ließ die Änderung des Ortsrechtes bei sieben Nein-Stimmen und drei Enthaltungen mit großer Mehrheit passieren.

In genau dieser Sitzung des Stadtrates trieb eine Maus ihr „Unwesen”. Sie wurde vom Grünen-Fraktionschef Jürgen Laufs gefangen und an die frische Luft gesetzt. Sein Ratskollege Joseph Schroeder griff das auf: „Wir sind nur dann gegen diese Satzung, wenn die angeborene Fähigkeit von Katzen, Mäuse zu fangen, beeinträchtigt wird.” Wird sie aber wohl nicht.
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