Jülich - Jülicher Klangtüftler ist dick im Geschäft

Jülicher Klangtüftler ist dick im Geschäft

Von: Arne Schenk
Letzte Aktualisierung:
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Der Herr der Regler, Tasten und Saiten: Marcel Wittfeld aus Jülich in seinem Studio in Los Angeles - „et hätt schlimmer kumme könne”. Foto: Schenk

Jülich. „Als alter Jülicher bin ich ja schon eher ein Jong vom Land und ein Naturfreund. Daher fühle ich mich in Los Angeles besonders wohl”, erzählt Marcel Wittfeld in seiner unnachahmlich lockeren Art. Jülich gleich Los Angeles?

In dieser simplen Rechnung sieht er keinen Widerspruch, da spielen auch die vier Millionen Einwohner im Herzen der amerikanischen Großstadt - 14 Millionen leben gar in der „Metropolregion” aus etwa 80 Gemeinden - keine große Rolle, schließlich fühle man sich hier nicht wie einer typischen Großstadt.

„Alles ist hügelig und weit gestreckt, es grünt und blüht überall, und man ist zwischen dem Meer und den Bergen schon sehr malerisch situiert. Ich wohne in dem Stadtteil Eagle Rock, der etwa so viele Einwohner hat wie Jülich und Umgebung. Da kennt auch fast jeder jeden.”

Vor 15 Jahren zog der damalige 22-jährige Gitarrist in das „gelobte Land”, um seinen Traum als Musiker zu verwirklichen, wo er zuerst eine Zeit lang im Musicians Institute in Hollywood studierte und später für eine kleine Produktionsfirma Musik für Werbespots produzierte: „Das war weniger aufregend und viel Arbeit für wenig Geld.”

Anfangs Amerika-Romantik

Etwas musikmüde geworden, schlug er beim Angebot, die Tourleitung für das „Marlboro Adventure” zu übernehmen, spontan zu, schließlich lockten Freiheit und Abenteuer. Monatelang führte er deutschsprachige Reisegruppen durch den Südwesten der USA: „Wir sind mit Pferden durch das Monument Valley geritten, mit dem Hubschrauber in den Grand Canyon geflogen, haben Wildwasser-Rafting und vieles mehr erlebt, von dem man so als Amerika-Romantiker träumt.”

Allerdings bietet diese Art des Träumens keine Basis für eine Zukunft, und so zog es den sonnenverbrannten und vollkommen geschafften Cowboy wieder nach LA, allerdings mit personellem Wechsel: Seine damalige Freundin war zwischenzeitlich nach Deutschland zurückgekehrt, dafür zog ein brasilianischer Freund, Rafael Moreira, ein.

Dieser wiederum sorgte als Gitarrist in den Bands von Christina Aguilera und Pink auch für neue musikalische Impulse im Haus Wittfeld. Marcel selbst erhielt zwar aufgrund seiner noch in Deutschland entstandenen CD mit instrumentaler Gitarrenmusik zwischen Klassik und Heavy Metal 1999 das Angebot eines Plattenvertrags, „aber irgendwie fehlte mir zu diesem Zeitpunkt die Inspiration, noch mehr Instrumentalmusik aufzunehmen”.

Stattdessen widmete er sich einem anderen großen Talent, dem Tüfteln von Sounds, und baute ein professionelles Tonstudio auf. Dieses nahm immer größere und teurere Ausmaße an, so dass es fast acht Jahre bis zur Fertigstellung dauerte.

„In der Zwischenzeit habe ich als Produzent, Toningenieur und Studiomusiker gearbeitet und auch wieder in Pasadena eine kleine private Musikschule eröffnet, ähnlich dem Six&Four Gitarrenstudio, das ich mit Freunden nach dem Abitur in Jülich gestartet hatte.”

Dabei hat er sich „auch ein echtes Wunderkind gezüchtet”, nämlich Tim Callobre, dem mit sieben Jahren anfing, bei ihm Gitarre zu lernen. Mit 16 hat Tim nun so ziemlich jeden Gitarren- und Klavier-Wettbewerb gewonnen, der zu gewinnen ist.

Seine Kompositionen sind kürzlich vom Los Angeles Philharmonic Orchestra aufgeführt worden, und er hat in der Carnegie Hall und für Obama im Weißen Haus gespielt.

Als der noch Präsidentschaftswahlkandidat war, hat Marcel Wittfeld mit einer Band auch selbst für ihn auf einer Party in Beverly Hills Musik gemacht. „Eine Bekannte hatte mich damals gefragt, ob sie für mich ein Foto machen soll, wenn Herr Obama mir die Hand schüttelt. Ich hatte ihr dummerweise geantwortet, dass das nicht nötig wäre, weil meiner Meinung nach Hillary Clinton die Nominierung der Demokraten gewinnen würde. Das Foto hätte ich heute, ehrlich gesagt, schon gerne.”

Mit seinem Tonstudio „Eagle Rock Studios” ist er dafür gut im Geschäft. Hier laufen Produktionen unter anderem in den Sparten Heavy Metal mit Musikern von Limp Bizkit, Popmusik wie die letzte Soloplatte von Debbie Gibson, und momentan nimmt Andy Johns eine neues Album mit Mitgliedern der Band Blondie auf. Daneben startet er gerade die Produktionsfirma „L.A. Recording Experience” mit seinen Freunden David Spreng und Claudio Cueni, die es internationalen Bands und Musikern ermöglicht, in Los Angeles kostengünstig ihre Musik mit erstklassigen Produzenten aufzunehmen. Zudem hat sich Marcel in den vergangenen zehn Jahren auch anderen Dingen gewidmet wie der Renovierung von zwei Häusern oder der Eröffnung des Indoor-Spielanlage „Peekabo Playland”, das bereits vom Los Angeles Magazine zum schönste Kinderspielplatz gewählt wurde.

Viel Sonne selbstverständlich

Mittlerweile betreibt Frau Nancy die Spielanlage. Die Familie samt der Töchter Alaia und Leonie genießt das Leben in Los Angeles. „Meine Frau ist ja in Hollywood geboren und nimmt die viele Sonne als recht selbstverständlich hin. Aber als ich mal im Januar bei sommerlichen Temperaturen mit der Familie auf der Dachterrasse gefrühstückt habe und ein Schwarm Papageien vorbei flog, während sich die Palmen in einer sanften Brise wiegten, da habe ich mir zugegebenermaßen schon ganz still und unbescheiden ein wenig auf die eigene Schulter geklopft. Und der Rheinländer in mir hat sich gesagt: Et hät schlimmer kumme könne...´”

Am Sonntag Gitarren-Workshop in der Herzogstadt

Seine alte Heimat Jülich besucht Wittfeld gelegentlich. Aktuell gibt er am Sonntag um 15 Uhr einen kleinen Workshop im Six&Four Gitarrenstudio, Kölnstraße 3.

„Ich werde ein wenig spielen, vielleicht Anekdötchen erzählen und die ein oder andere Erfahrung teilen, die ich hier in den USA gemacht habe.” Die Teilnahme ist kostenlos, um Mail-Anmeldung unter 6and4@marcelw.com wird gebeten.

Der Erlös wird an die Jülicher Organisation „Kleine Hände” gestiftet. Infos: Hajo Hintzen, Six&Four-Studio, 02461/ 56516 wenden.
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