Jülicher kaufen kräftig, aber oft woanders

Von: Volker Uerlings
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Montag Vormittag in der Jülicher Fußgängerzone auf der Kölnstraße: Hochbetrieb sieht anders - trotz Sommerkirmes und Familienermäßigung. Foto: Uerlings

Jülich. Die konjunkturelle Entwicklung im Lande ist überraschend günstig. Sie könnte einen Schub durch die Konsumenten dennoch gut vertragen. Das sagen die Wirtschafts-„Weisen”. Die Bevölkerung im Jülicher Land wäre dazu durchaus in der Lage, wie eine Erhebung der Industrie- und Handelskammer verrät.

Drei der Städte und Gemeinden mit der höchsten Pro-Kopf-Kaufkraft im Kreis befinden sich im Norden: Titz, Jülich und Inden. Das ist die eine Seite der Medaille. Die Kehrseite: Das Mittelzentrum Jülich verliert immer mehr Umsätze an die großen Städte in der Region.

Nur zwei Kommunen im Kreis Düren verzeichnen einen Überschuss, haben mehr Einzelhandelsumsatz als Gesamtkaufkraft. Das ist wenig überraschend zum einen Düren, während die Gemeinde Niederzier wohl hier nicht jeder auf der Rechnung hat.

Während die eigene Gesamt-Kaufkraft bei 73,2 Millionen Euro in 2009 lag, erreichte der Einzelhandelsumsatz über 80 Millionen Euro. Die Stadt Jülich zum Vergleich: Statistisch haben alle 33.565 Einwohner der Herzogstadt eine Kaufkraft von 182 Millionen Euro. Dagegen beträgt der Einzelhandelsumsatz 134,4 Millionen Euro.

48 Millionen fließen ab

Knapp 48 Millionen Euro des Geldes, das für Konsum in der zweitgrößten Stadt des Kreises zur Verfügung steht, fließt ab. Anders ausgedrückt: Die Jülicher kaufen kräftig, aber oft (auch) woanders.

„Die Entwicklung hat sich verstärkt”, sagt Wolfgang Hommel, Buchhändler und Vorsitzender der Werbegemeinschaft Jülich. Der Kaufmann nennt Ursachen: „Eine aktive Wirtschaftsförderung fehlt in Jülich. Da sind uns andere Kommunen voraus.”

Allerdings sieht er im nahenden Ende der Gesellschaft für Wirtschaftsförderung des Kreises (GWS) auch eine Chance, denn von der habe Jülich nicht sehr viel gehabt. „In Rat und Verwaltung könnte man jetzt überlegen, ob man die Wirtschaftsförderung nicht auch im neuen Stadtmarketing ansiedelt.” Der Stadtrat hat eine verstärkte Eigenwerbung grundsätzlich bereits beschlossen. Wie sie umgesetzt werden soll, ist noch nicht klar.

Hommel sieht indes strukturelle Probleme: „Wir haben Lücken in der Grundversorgung. Versuchen Sie doch mal, einen Putzeimer in der Kernstadt zu kaufen. Ein Vollsortimenter wie früher das Kaufhaus am Hexenturm fehlt.”

Darüber hinaus ist die Stadt auch in den letzten Jahren nicht mehr gewachsen, im Gegenteil, die Einwohnerzahlen sind leicht rückläufig. Das wiederum hält bestimmte und beliebte Ketten davon ab, sich in der Herzogstadt anzusiedeln. Insofern fehlen die vor allem von der jüngeren Generation gefragte „Marken” (zum Beispiel „H&M”). Aber selbst, wenn sie hierher wollten: Wohin mit ihnen?

Der Vorsitzende der Werbegemeinschaft: „Angenommen, ein neues Unternehmen wollte nach Jülich und bräuchte um die 1000 Quadratmeter. Wo wollte es hin?” Flächen in dieser Größe gibt es im Bereich der Altstadt nicht oder nicht „an einem Stück”.

Andererseits böten sich in naher Zukunft Chancen, denn wohl nirgends im Kreis werden innerstädtisch so viele Flächen und Immobilien frei wie in Jülich: das Realschulgrundstück nach dem Umzug, der Hallenbad-Grundstück, wenn das Schwimmzentrum kommt, die alte Fachhochschule, der Standort der Polizei.

Der Niederzierer Bürgermeister Hermann Heuser denkt schon weiter: Einen Media Markt könnte er sich in seiner Gemeinde gut vorstellen. Handicap ist aber, dass „wir nur Einzelhandel zur örtlichen Versorgung zulassen dürfen”.

Ob Niederzier auch in Zukunft mehr Umsatz als Kaufkraft haben wird, ist fraglich. Das kommunale Gewerbegebiet Rurbenden (Huchem-Stammeln) bekommt Konkurrenz: Wenige Steinwürfe entfernt auf Gebiet der Stadt Düren entsteht der neue Baumarkt Bauhaus in gewaltiger Größe. Und am Südeingang Dürens („Automeile”) eröffnet Anfang 2011 Obi einen neuen Markt (10.000 Quadratmeter).
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