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Jülicher Forscher leistet Aufbauarbeit in Malawi

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Die Kochfrau in Madisi freut s
Die Kochfrau in Madisi freut sich über die deutlich besseren Arbeitsbedingungen in der Küche.

Jülich. Weltweit ist die Menschheit mit steigendem Energieverbrauch konfrontiert. Während in den Industrieländern der Energiebedarf größtenteils mit fossilen Energieträgern gedeckt wird, ist die Versorgung der Bevölkerung in Entwicklungsländern, besonders im ländlichen Raum, auf den Einsatz von traditioneller Biomasse angewiesen.

Die Grundbedürfnisse, wie Kochen und Heizen, werden im Wesentlichen mit dem Energieträger Holz befriedigt. Aufgrund des starken Bevölkerungswachstums in den Entwicklungsländern und der bereits weit fortgeschrittenen Waldrodung ergeben sich gravierende Probleme. Das gilt sowohl für die Frage nach dem Energiebedarf der Menschen als auch für die Umwelt, die von zunehmender Desertifikation beeinflusst wird. Das Land wird zunehmend zur Wüste.

800 Schüler

Vor zwei Jahren nahmen Nonnen der Franziskanerinnen von Salzkotten Kontakt mit Prof. Klemens Schwarzer von Verein Solar Global auf, um sich über die Möglichkeiten des solaren Kochens zu informieren. Der Verein war 1992 aus dem Solar-Institut Jülich der Fachhochschule Aachen hervorgegangen.

Einsatzort der Kocher sollte eine Schule für Aidswaisen mit 800 Schülern in Madisi (Malawi) sein, die von dem Orden betrieben und finanziert wird. Malawi gehört zu den ärmsten Ländern der Welt, etwa die Hälfte der Bevölkerung kann nicht lesen und schreiben. In den Dörfern sterben 40 bis 60 Prozent der Bevölkerung an Aids. Bis zu 500.000 Kinder sind Aids-Waisen. Sie haben in den Dorfgemeinschaften einen schweren Stand. Sie werden in den wenigsten Fällen zur Schule geschickt und arbeiten meist auf den Feldern.

Um diesen Kindern eine Ausbildungsmöglichkeit zu bieten haben die Nonnen die Schule St. Francis gegründet. Die Schule bietet eine Grundausbildung bis zur achten Klasse. Nicht-Waisen werden bewusst mit aufgenommen, damit die Waisenkinder nicht isoliert aufwachsen. Neben der Schule ist auch ein Kindergarten eröffnet worden.

Als im Jahr 2002 eine große Hungersnot in Malawi herrschte und die Schüler, besonders die Waisenkinder, hungrig zur Schule kamen, führte die Schule eine Schulspeisung ein. Seitdem bekommen alle Kinder täglich eine warme Mahlzeit, dazu morgens „Likuni-Phala”, das ist eine Mischung von Sojabohnen, Maismehl und Milchpulver. Die Versorgung der 800 Kinder mit Essen wird bisher nur mit Hilfe einfacher Holzkochstellen sicher gestellt.

Da Holz auch in Malawi zunehmend zur Mangelware wird, mußte über neue, kostengünstigere und umweltverträglichere Koch-Methoden nachgedacht werden. Im Oktober 2009 besuchte Klemens Schwarzer in Begleitung von Schwester Arnoldis und Schwester Hildegardis die Schule in Malawi, um sich Gedanken für ein Energiekonzept zu machen.

Schwarzer wertete das Koch-Aufkommen an der Schule aus und begann seine Planungen. Ursprünglich war ein großer Solarkocher geplant. Es zeigte sich jedoch, dass schon morgens um sechs Uhr mit dem Kochvorgang begonnen wird. Die Sonne ist dann noch gar nicht aufgegangen und liefert so keine Energie. Das Befeuern mit Holz musste also beibehalten werden. Die bisherigen Kochstellen sind sogenannte Drei-Stein-Feuer. Diese sind energetisch sehr uneffektiv. Der Wirkungsgrad liegt bei zehn bis 15 Prozent.

Noch gravierender ist die Gefahr für die Gesundheit, die das offene Kochfeuer mit sich bringt. Die Rauchentwicklung des oft noch nassen Holzes führt zu Augen- und Lungenerkrankungen bei den Kochfrauen. Es gibt Untersuchungen, dass die hier hervorgerufene Lungenbelastung einem Zigarettenkonsum von 100 bis 1590 Zigaretten pro Tag entspricht. Alle Frauen waren lungenkrank beziehungsweise hatten schwere Augenleiden.

So stellte Professor Schwarzer ein neues Konzept auf. Es besteht aus einer Kombination von verbesserten Herden und Solarenergie. Der emeritierte Energietechniker der FH-Niederlassung Jülich baute sechs große Holzherde, die mit einem Kamin ausgerüstet sind.

Hoher Wirkungsgrad

Der Kamin geht über ein Schutzdach ins Freie, damit kein Rauch zum Kochbereich eindringt und auch in der Regenzeit im Trockenen gekocht werden kann.

Die neuen Herde haben einen Wirkungsgrad von etwa 60 Prozent. Die zweite wichtige Säule ist die solare Warmwassererzeugung. Von der Firma Donauer Solartechnik hat Schwarzer fünf solare Warmwasseranlagen bekommen. Mit Hilfe dieser Anlagen steht immer heißes Wasser zur Verfügung. Das heiße Wasser wird zum Kochen benutzt, so dass der Kochvorgang weiter verkürzt wird und damit die gesamte Energieeinsparung bei etwa 80 Prozent liegt.

Von den solaren Warmwasseranlagen geht die Warmwasserleitung direkt zu den Kochtöpfen. Die Gefahr von Verbrühung und Verbrennungen besteht für die Kochfrauen nicht mehr. Dieses angepasste Energiesystem konnte im Mai von Mitarbeitern des Ordens und freiwilligen Helfern an der Schule in Madisi installiert werden.

Die Kochfrauen wurden in die Anlage eingewiesen. Sie sind für die Einfachheit, die hohe Effektivität der neuen Küche und besonders für die rauchfreien Kochstellen sehr dankbar. Dieses einfache, effektive und kostengünstige Energiekonzept ist sicher auf viele Standorte in Entwicklungsländer übertragbar.
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