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Jülicher Forscher erkunden bei Zeppelinfahrten den Klimawandel

Von: Elisabeth Shapiro, dapd
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Im Einsatz für die Klimaforschung: Dieser Zeppelin wurde im Hangar in Friedrichshafen am Bodensee für ein EU-Forschungsprojekt zum Klimawandel umgebaut. Bei dem Projekt Pegasos untersuchen Forscher unter anderem die Atmosphärenschichten. Dabei geht es auch um den Einfluss der Luftqualität auf den Klimawandel. Foto: dpa

Jülich/Friedrichshafen. In der großen Werft der Deutschen Zeppelin Reederei in Friedrichshafen legen die Arbeiter letzte Hand an. Die sensiblen Messgeräte werden in das Luftschiff eingebaut und alles wird noch einmal überprüft. Der 75 Meter lange Zeppelin steht im Mittelpunkt des EU-Klimaforschungsprojektes „Pegasos”.

Ab dem 14. Mai soll der neue Zeppelin NT (Neue Technologie) für insgesamt 20 Wochen quer durch Europa fahren und verschiedene Messdaten in der Atmosphäre zum Klimawandel sammeln. An dem Projekt sind 26 Partner aus 15 europäischen Staaten beteiligt. Federführend ist dabei das Forschungszentrum Jülich.

Die Wissenschaftler wollen bei den Messfahrten, die mit sieben Millionen Euro durch die EU unterstützt werden, den Einfluss der Atmosphärenchemie auf den Klimawandel untersuchen.

Bundesforschungsministerin Annette Schavan (CDU) sagte am Freitag in Friedrichshafen beim offiziellen Start für die Zeppelin-Fahrten, das Klima sei das „große Thema zwischen Politik und Wissenschaft”. Mit dem „Pegasos”-Projekt sollten wichtige Lösungen zum Klimawandel gefunden und anhand der Erkenntnisse die notwendigen Konsequenzen gezogen werden: „Nicht nur im Sinne der Wissenschaft, sondern vor allem im Sinne der Bürger.”

Der Direktor des Instituts für Energie- und Klimaforschung am Jülicher Forschungszentrum, Professor Andreas Wahne, führte an: „Es hat noch keine Messungen in ein bis zwei Kilometern Höhe gegeben, doch mit dem Zeppelin haben wir das richtige Flugobjekt für die Erkundung zwischen Erde und Troposphäre gefunden.” Diese Höhe sei besonders interessant, da gerade in den untersten Luftschichten der Anteil an Schwebeteilchen am größten ist.

Die Route des Zeppelin NT erstreckt sich im Westen bis nach Rotterdam, im Süden sollen Messflüge in der Poebene Italiens und über der Adria stattfinden. Im Norden sind Fahrten bis in den Norden Finnlands geplant. Damit sollen unterschiedliche geologische und territoriale Bedingungen abgedeckt werden. Je nach Fragestellung und Region können Kohlenwasserstoff, Stickoxide, Ozon und weitere Indikatoren für chemische Reaktionen in der Luft gemessen werden.

Anhand der Messdaten wollen die Wissenschaftler Strategien und konkrete Maßnahmen zur Reduzierung von Emissionen und zur Verbesserung der Luftqualität ableiten. Bereits zum dritten Mal nutzen Forscher aus Jülich den Zeppelin NT als Forschungsplattform - diesmal aber erstmals europaweit. In den beiden vorangegangenen Missionen 2007 und 2008 untersuchten die Klimaforscher vorwiegend die Bodenseeregion und testeten die jetzige technische Ausstattung des Zeppelins.

Das Luftschiff transportiert beim „Pegasos”-Projekt über eine Tonne an Messgeräten. Im Gegensatz zu Flugzeugen kann es langsam schweben, in der Luft anhalten, vertikal auf- und absteigen und bis zu 24 Stunden ununterbrochen fliegen.

In den vergangenen zehn Monaten wurde der ursprünglich in Japan für Rundflüge eingesetzte Zeppelin so umgebaut, dass er für das Forschungsprojekt tauglich ist. Nach Ende der Messfahrten soll er wieder als Passagierluftschiff in der Bodenseeregion eingesetzt werden.

Der Zeppelin NT ist das weltweit größte halbstarre Luftschiff. Der Erstflug des 75 Meter langen und 19,5 Meter breiten Fahrzeugs erfolgte am 18. September 1997. Der Zeppelin NT hat ein Voumen von über 8400 Kubikmetern und wiegt beim Start gut acht Tonnen. Das 125 km/h schnelle Luftschiff kann bis zu 900 Kilometer weit fliegen und bis zu 24 Stunden in der Luft bleiben. Die maximale Flughöhe beträgt 2,6 Kilometer. Ein Zeppelin NT kostet 14,5 Millionen Euro.
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