Jülicher Ärzte machen Asthma-Patienten Hoffnung

Von: Otto Jonel
Letzte Aktualisierung:
5513393.jpg
Dr. Gerald Wilmsmann (l.) und Dr. Mario Vogts zählen in Deutschland zu den Vorreitern in er der Anwendung von Thermoplastie, von der sich Schwerstasthmatiker Linderung erhoffen dürfen. Foto: Jonel
5513797.jpg
So sieht das Werkzeug aus, das Schwerasthmakranken Linderung verspricht: das Alair[TM]-System.

Jülich. Für Patienten, die unter schwerem Asthma leiden, ist Jülich ein Geheimtipp als eine von zwei Top-Adressen in Deutschland. Neben der Thoraxklinik Heidelberg wird nur in Jülich ein Verfahren praktiziert, das die medikamentöse Asthmabehandlung in einer Weise ergänzt, dass den Patienten ein Lebensgefühl zurückgegeben wird, das sie längst verloren glaubten. Bronchiale Thermoplastie heißt dieses Verfahren.

In Jülich haben sich bisher sieben Patienten dieser Behandlung unterzogen, die von den beiden Oberärzten der Abteilung für Innere Medizin, Gerald Wilmsmann, Facharzt für Innere Medizin, Pneumologe, und Dr. Mario Vogts, Facharzt für Innere Medizin, Pneumologie und Allergologie, vorgenommen wird. In sechs Fällen war das Ergebnis geradezu verblüffend positiv. In einem Fall allerdings traten auch nach der Thermoplastie Asthmaanfälle auf.

Bei der Bronchialen Thermoplastie wird direkt Einfluss genommen auf die Muskulatur in den Atemwegen. Wenn man sich die Bronchien wie Röhren vorstellt, bildet die ringförmig Muskulatur die Röhrenwand. Bei Asthmatikern ist diese Muskulatur dicker – mit der Folge, dass der Durchmesser der Röhre verringert wird. Bei einem akuten Anfall werden die Atemwege zusätzlich verengt, weil nun auch die Schleimhaut anschwillt. Durch die Bronchien strömt weniger Luft. Atemnot, schlimmstenfalls in lebensbedrohlichem Ausmaß, ist eine der Folgen, unter denen Patienten mit schwerem Asthma leiden.

Energiestoß

Der Eingriff selbst ähnelt einer Bronchoskopie, bei der sich der Patient allerdings in Vollnarkose befindet. Über den Arbeitskanal des Bronchoskops wird ein spezieller Katheter in die Atemwege eingeführt, über den Hochfrequenzenergie abgegeben wird. In einer Tiefe von 1,5 Millimetern wird die glatte Muskulatur abgebaut. „Die Thermoplastie nimmt das Zielorgan weg“, beschreibt Dr. Mario Vogts das Ergebnis.

Die gesamte Behandlung erfolgt in drei Etappen im Abstand von jeweils vier Wochen. Obwohl der Eingriff nur jeweils eine Stunde dauert und als minimalinvasiv gilt, werden die Jülicher Patienten sicherheitshalber für drei Tage stationär zur Beobachtung aufgenommen. „Durch die Reizung ist das eine immense Belastung des Bronchialsystems“, erläutert Oberarzt Wilmsmann. Da wolle man kein Risiko eingehen. Nicht zuletzt dient die Beobachtung auch dem Zweck der ausführlichen Dokumentation und akribischen Fallauswertung, die Wilmsmann und Vogts führen. „Die Kontrolle erfolgt über das, was die Patienten sagen. Eine Steigerung der Lebensqualität ist der Erfolg.“

Viel versprechend

Die bisherigen Erfahrungen sind viel versprechend. „Der Trend ist absehbar, dass die Fallschwere reduziert wird“, sagt Dr. Vogts, der sich vor gut einem Jahr mit der Thermoplastie auseinandergesetzt hat, die in den USA im Jahr 2004 erstmals angewendet worden war. „Ich war erst skeptisch“, räumt er ein. Mittlerweile ist er überzeugt von „einer Methode, bei der es nur Gewinner geben kann“, denn die Bronchiale Thermoplastie ist den schweren Asthmafällen vorbehalten, „Patienten, die mit dem Rücken zur Wand stehen“, wie Vogts es formuliert.

Dass ausgerechnet das Jülicher Krankenhaus ein solches Verfahren anbietet und sich bundesweit in vorderster Fronst positioniert, hat Gründe. Dirk Offermann, kaufmännischer Direktor des St. Elisabeth-Krankenhauses Jülich sieht darin die konsequente Fortsetzung des Bestrebens, „das Lungenzentrum Jülich“ zu etablieren. „Das verschafft dem Haus eine neue Reputation.“ Selbstbewusst gibt Gerald Wilmsmann die Prognose aus: „Ich glaube, dass wir in einem Jahr die meisten Patienten deutschlandweit haben werden.“

Wirtschaftlich ist die Thermoplastie nicht – noch nicht. Sie wird nämlich nicht vergütet. Die rund 2500 Euro teuren Einmalkatheter bezahlt das Krankenhaus sozusagen aus eigener Tasche. Den Antrag auf Vergütung beim Institut für das Entgeltsystem im Krankenhaus (InEK) werde man stellen, aber bis dahin „machen wir einfach“, sagt Offermann. Und das hat sich herumgesprochen. „Das scheint die Patienten zu interessieren. Wir haben bereits Anfragen deutschlandweit, ja sogar europaweit.“

Hohe Erwartungen

Die bisherigen Erfahrungen geben den „Machern“ Recht. „Die Komplikationsrate nach der ersten Behandlung ist relativ gering“, stellt Dr. Vogts fest. Sein Kollege Wilmsmann steckt die Erwartungen hoch: „Es wird nicht so sein, dass nach der Behandlung auf eine klassische Cortisontherapie verzichtet werden kann“, aber die Medikamentendosis könne deutlich reduziert werden. Die medikamentöse Therapie, etwa mit dem Mittel Xolair, „das in die Entzündungskaskade eingreift“, hat ihren Preis, der ein Vielfaches der Bronchialen Thermoplastie erreichen kann.

Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert