Jülich - Jülich im frühen 19. Jahrhundert: Lustbarkeiten für die Bürger

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Jülich im frühen 19. Jahrhundert: Lustbarkeiten für die Bürger

Von: ptj
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Buchvorstellungen in der Joseph-Kuhl-Gesellschaft: Präsentiert wurden die Neuveröffentlichungen durch den Vorsitzenden und Herausgeber Professor Günter Bers (l.) und den Jülicher Stadtarchivar Dr. Horst Dinstühler, Autor von Band 66 der Reihe „Forum Jülicher Geschichte“. Foto: Jagodzinska

Jülich. Mit seiner Neuerscheinung „Marktplatz-Attraktionen, Lustbarkeiten und Kommerz in Jülich im frühen 19. Jahrhundert“, Ausgabe 66 in der Reihe „Forum Jülicher Geschichte“, hat der Jülicher Stadtarchivar Dr. Horst Dinstühler „eine neue Schneise in die Vergangenheit geschlagen. Geschichte wird mal jenseits der wirtschaftlichen und politischen Themen abgearbeitet “. So drückte es Herausgeber Prof. Günter Bers aus, dem „Vergleichbares nicht bekannt ist“.

Die Neuerscheinung der Joseph-Kuhl-Gesellschaft, die eine „weite Verbreitung im Jülicher Land verdient“, ist ein Werk von insgesamt 132 Seiten, inklusive Dokumentenanhang. Letzterer stammt aus dem Jülicher Stadtarchiv und dem „Jülicher Correspondenz- und Wochenblatt“. Es beinhaltet Ansichtskarten, Anzeigen, Erlaubnisscheine, Rechnungsbelege der Armenkasse und Theaterzettel.

Das Titelbild ziert die Zeichnung einer Elefantenkuh „von 11 Schuh hoch“. Das somit mehr als 3,30 Meter große Rüsseltier war 1834 mit seinem Besitzer Benoît Tourniaire als Riesenattraktion zwei Tage lang auf der Durchreise durch Jülich. „Das geehrte Publikum“ zahlte 5 Groschen für die Vorführung, Kinder die Hälfte.

Dinstühler gab dem interessierten Publikum in der Christinastube einen ausführlichen Einblick in sein Werk. Was sind Lustbarkeiten? Kommerzielle Veranstaltungen von Künstlern, Artisten und Schaustellern, Musikanten oder Theaterensembles im 19. Jahrhundert, die zugunsten der örtlichen Armenkasse besteuert und einem zahlenden Publikum präsentiert wurden.

Obwohl solcherlei Vergnügungen durch herumziehende Straßenmusikanten „nahezu täglich konsumiert werden konnten“, wurden sie vor allem an den kirchlichen Festtagen wie zu Jahrmärkten oder in der „Fastnachtszeit“ dargeboten. Bis etwa 1830 fanden in Jülich die wichtigsten Ereignisse dieser Art zu den Karnevalstagen von Sonntag bis Dienstag und zur Jülicher Kirmes statt.

Die dreitägige Kirmes wurde stets nach dem Fest Maria Himmelfahrt im August veranstaltet, ab 1829 gleichzeitig mit dem ebenfalls dreitägigen „Kirmes-Krammarkt“, der im Jahresverlauf die mit Abstand meisten fahrenden Musikanten und Künstler anzog.

Veranstaltungsorte von Lustbarkeiten waren neben dem Marktplatz größere Gaststätten in Jülich, vor allem die vor den Stadtmauern gelegenen „Gartenlokale“. Sie boten Speisen aus eigenen Beständen und soviel Platz, dass neben festlichen Bällen oder divergierender Tanzmusik immer beliebter werdende Schießwettbewerbe stattfinden konnten.

Das erste und bis Ende der 1820er Jahre einzige solcher Ausflugslokale war der „Axersche Garten“ in Mühlenteichnähe.

Dinstühler zeichnete ein buntes Bild damaliger „Lustbarkeiten“ mit „Guckkästen“, Seiltänzern und Equilibristen (Gleichgewichtskünstler), „Schnellläufern“, Marionettenspielern, aber auch geschickten „mechanischen Künstlern“.

So kündigte „Mechanikus“ Siegmann 1833 in der Esplanade im Bereich des heutigen Schlossplatzes, den „Aufstieg eines unbemannten großen Luftballons“ an, die Ballonfahrt war geboren. „Lustbarkeitstermine“ in allen Jülicher Ortschaften von Altenburg bis Welldorf fehlen nicht in der interessanten Ausarbeitung.

Ferner stellte Prof. Bers Band 25 in der Reihe „Neue Beiträge zur Jülicher Geschichte“ vor. Das Buch enthält neben Dokumentationen und Rezensionen kleinere Beiträge und drei Aufsätze: Heinz Andermahr schreibt über die Schulen in den Städten des Herzogtums Jülich vom 15. bis 18. Jahrhundert.

Uwe Cormann hat den Westturm an der Propsteipfarrkirche St. Mariä Himmelfahrt als Thema gewählt. Karl-Dieter Dahmens Aufsatz handelt von zwei Austauschaktionen Internierter aus dem Jülicher Umland zwischen Deutschland und Großbritannien im Zweiten Weltkrieg.

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