Jülich - Jülich: Atomkraftgegner gedenken Fukushima

Jülich: Atomkraftgegner gedenken Fukushima

Von: hfs.
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In betroffenem Schweigen lauschten die Demonstranten dem Bericht von Tomoyuki Takada (am Mikrofon), der unter anderem den bewegenden Brief einer 16-Jährigen aus der Region Fukushima verlas. Foto: hfs

Jülich. „Stoppt den Wahnsinn!“ Kombiniert mit dem Anti-Atomlogo wurden solche Spruchbänder am Samstagnachmittag von annähernd 400 bis 500 Protestlern – die Zahlen schwanken je nach Zählart durch Polizei und Organisatoren – durch Jülichs Innenstadt getragen.

Anlässlich einer landesweit angekündigten Demo erinnerten die Veranstalter an die Reaktorkatastrophe im japanischen Fukushima, die sich morgen zum dritten Mal jährt.

Warum eine Demonstration in Jülich? Diese Frage beantwortete bei den Abschlusskundgebung auf dem Jülicher Schlossplatz der ehemalige Wissenschaftler des Jülicher Forschungszentrums, Dr. Rainer Moormann, einer der größten Kritiker von Kugelhaufenreaktoren. „Weil wir hier vor der Haustür mit hoch radioaktivem Atommüll konfrontiert werden“, sagte er vor den Aktivisten der Anti-Atom-Landeskonferenz NRW, Bürgerinitiativen, dem Bündnis StopWestcastor sowie dem Netzwerk Attac, das unter dem Motto „Atomprofit – Nein danke“ zuvor zur Fahrraddemo rund um das Jülicher Forschungszentrum geladen hatte. Dort lagern in einem Zwischenlager jene 152 Castorbehälter mit rund 300.000 Brennelementekugeln aus dem Versuchsreaktor AVR. Sie sollen auf Wunsch des Forschungszentrums ins Herkunftland USA irgendwann zurück transportiert werden. Ein, wie Moormann deutlich machte, unverantwortlicher Transport mit vielen Risiken.

„Dieser Dreck“, wie der Wissenschaftler den Atommüll bezeichnet, „ist nicht in den USA, sondern hier bei uns im Forschungszentrum gemacht worden“, rechnete er vor, dass allenfalls bis zu 300 Kilogramm ehemals waffenfähiges Uran aus Amerika bezogen wurde. „Der Müll ist mindestens um den Faktor 1000 größer“, sagte Moormann, der vorschlug, nun endlich eine Kommission aus Bürgern, Politikern und Experten einzuberufen, damit die Zwischenlagerfrage bis zur endgültigen Klärung angegangen wird. „Auch wenn die Jülicher es nicht gerne hören: Ich plädiere für den Verbleib der Castoren unter den Bedingungen, die eingefordert werden.“

Fahrrad-Korso

Die Jülicher Bevölkerung blieb – wie auch schon bei anderen Demonstrationen zuvor – außen vor. Wenn, dann schaute man von Weitem dem Demonstrationszug zu, der sich vom Walramplatz aus zur Abschlusskundgebung zum Schlossplatz bewegte, begleitet von einigen Polizeikräften, die sich aber zumeist im Hintergrund hielten. Bereits am Mittag hatten zwei motorisierte Polizeibeamte die Fahrraddemo mit knapp 80 Teilnehmern um das FZ-Gelände begleitet.

Das Netzwerk Attac Inde- Rur als Organisator machte dabei deutlich, dass Atomenergie unbeherrschbar sei. „Wir kämpfen gemeinsam mit der Anti-Atom-Bewegung gegen die unverantwortliche Atompolitik, an der nur die Energiekonzerne Milliarden verdienen, ihre Interessen rücksichtslos durchsetzen“, betonte die Aktivistin Marita Boslar aus Jülich und fügte an, dass es „gute Gründe gibt, auch hier aktiv zu werden“, obwohl Deutschland nicht unmittelbar von der japanischen Katastrophe, die „Hunderttausende Menschen Leid gebracht hat“, betroffen sei.

„Den betroffenen Menschen in Fukushima gilt unsere Solidarität und Mitgefühl“, stellte zum Beispiel Tomoyuki Takada aus Japan heraus. Als Hauptredner auf dem Walramplatz mahnte er den weltweiten Kommerz an, ließ einen Brief aus der Krisenregion um Fukushima verlesen, den ein 16-jährigen Mädchen verfasst hatte. „Was passiert, wenn eine Region plötzlich durch große Strahlenbelastung unbewohnbar wird, rund 50 000 Menschen für immer ihre Heimat verlassen müssen?“ Zeilen, die nachdenklich stimmten. „Ich habe noch nie eine solch ruhige Demonstration erlebt“, meinte ein älterer Mann, der sich seit vielen Jahren der AKW-Bewegung angeschlossen hat. So klang denn nur hier und da eine Trillerpfeife, die rund 50 Polizeibeamte aus dem Kreis Düren und Aachen erlebten einen ruhigen Tag, wenngleich mit mit Hunger- und Durstgefühl. Denn der von der Behörde beauftragte Caterer aus Bergheim hatte den Auftrag vergessen.

Doch nicht nur Anti-Atomgegner meldeten sich zu Wort. „Eure Kohle killt das Klima“, ein riesiges Plakat nahm sich den Energieriesen RWE Power „zur Brust“, ein Konzern, der, wie Vattenfall, auch verbal attackiert wurde. „Weg mit solchen Konzernen, die brauchen wir hier nicht“, meinte Walter Schumacher vom Aktionsbündnis gegen Atomenergie Aachen, der sich bei seinem Redebeitrag mit der europäischen Atompolitik beschäftigte.

Alle Redner hatte eines sie alle gemeinsam: „Wir müssen die Energiewende retten. Sonne und Wind statt Fracking, Kohle und Atom“, so ihre Kernaussagen in Jülich, wo auch schon zur nächsten Demonstration für den 22. März aufgerufen wurden.

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