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Jahrbuch „Zeichen der Zeit II“: Kathedrale mit Waschküchenputz

Von: ptj
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Der Indener Geschichtsverein hat sein Jahrbuch „Zeichen der Zeit“, Band II, herausgebracht: Bei der Vorstellung spielte das Lucherberger Corps Marsch 5 auf. Foto: Jagodzinska

Inden. Eine kurzweilige Buchvorstellung mit abschließender Marschmusik live ereignete sich unlängst im Indener Rathaus. Dort stellte der Geschichtsverein der Gemeinde Inden sein Jahrbuch mit dem Titel „Zeichen der Zeit“, Band II vor. Das knapp 500 Seiten starke Werk auf Hochglanzpapier mit Schwarz-Weiß- und Farbfotos versehen, ist sein Geld wert.

Es ist eine Mischung aus unterschiedlichen Themen: Vereine, die außerhalb der Ortsgrenzen kaum bekannt sind, zählen genauso dazu wie Erkenntnisse von der Tagebauabbaukante. Alte Ratsprotokolle, im Original handschriftlich in Sütterlin verfasst, und solche der Bürgermeister von Inden und Kirchberg, das einst zu Inden gehörte, und einiges an Kirchengeschichte ergänzen die Inhaltsangabe.

Abgedruckt ist ferner der letzte Beitrag des im März verstorbenen ehemaligen Vize-Vorsitzenden Erich Kretzschmar über „Spuren der Geschichte an der Abbaukante zwischen Altdorf, Inden und Pier“.

Appetit auf den Kauf des Buches machten „ein paar kleine Leckerbissen in Kurzform“, wie Vereinsvorsitzender Jörg Lakeberg es ausdrückte. Besonders amüsant war „Der Teilungsstreit zwischen Inden und Altdorf 1806“ in altertümlicher Sprache - überarbeitet von Albert Cremer.

Hier ein Auszug: „Die Jendarmen rollten unter den Leuten und fingen an zu schlagen mit Ausgezogenem Säbel gantz furchtbar. Die Indener gerethen desto mehr in Woth und eiffer, um sich zu wehren, wurde furchtbar mit Steinen geworfen. Die Glocken läuteten Sturm. Nun griffen auch die Frauen mit ein...“

Die Hintergrundinformation ist, dass 1804 die Pfarre St. Remigius Geuenich aufgehoben und das Kirchenvermögen eingezogen wurde. Inden und Pattern wurden selbständig. Altdorf blieb gegen seinen Willen Filiale unter Inden. Die schlagfeste Auseinandersetzung endete zunächst für alle im „Arresthaus“, der langjährige Streit wurde durch den Landrat des Kreises Jülich 1817 entschieden: Die Güter der Geuenicher Kirche wurden unter Inden und Altdorf nach der katholischen Seelenzahl geteilt.

Matthias Hahn las aus der „Notkirche innerhalb der Ruinen“, die 1948 von Domkapitular Dr. Schümmer „benediziert“ wurde. Als dieser „die Notkirche betrat, verließ sie gerade rechtzeitig ein Putzer durch eine andere Tür. Der Fußboden der Notkirche bestand aus gestampfter Erde, ihr Wandputz wurde vom Architekten als ‚Waschküchenputz‘ bezeichnet. „Uns aber war sie eine Kathedrale.“

Willi Hermanns verlas eine in Sütterlin verfasste „Schulische Verordnung und Anweisung“, die der Jülicher Kreisschuldirektor Mundt 1893 in Namen der „Königlichen Regierung“ niederschrieb. Demnach trat das heutige „Hitzefrei“ dann in Kraft, wenn „das hundertteilige Thermometer um 10 Uhr vormittags im Schatten 25 Grad zeigt“.

Gudrun Hofmann verlas schließlich den Beitrag von Jürgen Kalter und Dieter Weinberger über die Lucherberger Blaskapelle Marsch 5, deren Entstehung „eher einem Zufall zu verdanken ist“. Ihre „etwas anderen Musikklänge“ spielt(e) das Corps stets in Khaki-Hemden und Tropenhelmen: Vom Marsch über den Walzer und Volkslieder bis hin zum Dixieland frei nach dem Motto „Lieder, die die Welt nicht braucht“.

„Marsch 5 braucht nicht eingeladen zu werden, sie kommen auch so“ – und sie kamen: Mit Trommeln und Becken, Querflöten und Glockenspiel zogen sieben Spielleute, etwas in die Jahre gekommen, in den Ratssaal ein. Die Gäste klatschten begeistert mit.

Zu ihren freien Spielbeiträgen – Noten können auch heute nicht alle Spieler lesen – zählten das besonders laute „When the saints go marching in“ und das Auszugslied „Sankt Martin“. Nach Bekunden von Lakeberg zieht das Corps zu jeder Jahreszeit mit diesem Lied aus. Dem spaßigen Abschluss der Buchvorstellung schloss sich ein Sektempfang an.

Das Buch „Zeichen der Zeit“, Band II, ist ab sofort zu einem Preis von 24 Euro in den Indener Blumenhäusern Thissen und Loevenich, dem Friseursalon Willi Xhonneux und direkt beim Indener Geschichtsverein (info@geschichtsverein-inden.de oder 02465/3663) erhältlich.

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