Jülich - Ist Jülicher Uran-Müll „atombombenfähig”?

Ist Jülicher Uran-Müll „atombombenfähig”?

Von: Volker Uerlings
Letzte Aktualisierung:
Ob die Castoren im Zwischenlag
Ob die Castoren im Zwischenlager Jülich „ganz dicht” sind, überprüfen permanente Messungen. Foto: Uerlings

Jülich. Die Entscheidung ist eigentlich überfällig, lässt aber auf sich warten. Erlaubt das Bundesamt für Strahlenschutz den vom Aufsichtsrat des Forschungszentrums Jülich mit Mehrheit beschlossenen Transport des hochradioaktiven Abfalls in 152 Castor-Behältern ins münsterländische Ahaus sowie die dortige Zwischenlagerung?

Das Zeitfenster wird immer kleiner, denn die Lagerung der in den leuchtend gelben Behältern eingefassten Brennelementkugeln ist nur bis Ende Juni 2013 in Jülich genehmigt.

Ähnliche Anträge wurden in der Vergangenheit in weniger als sechs Monaten beschieden - der Jülicher Antrag aber liegt schon seit Oktober 2010, also mehr als einem Jahr, auf Eis.

Antrag vor der Entscheidung

Die Entscheidung von Amts wegen naht offenbar - und das könnte auch erklären, dass seit Tagen verstärkt die Anti-Atomkraft-Initiativen mit neuen Verlautbarungen an die Öffentlichkeit treten. „Die Castor-Transporte sind umgehend abzusagen”, fordert zum Beispiel Siegfried Faust („Stop Westcastor”/Jülich). Nun tat das Aktionsbündnis sogar kund, dass das im inzwischen stillgelegten AVR-Reaktor verwendete Uran „atombombenfähig” gewesen sei.

Die Anlage sei über einen langen Zeitraum „mit hochangereichertem Uran betrieben” worden. Mit „bis zu 93 Prozent Anreicherung war das Uran atombombenfähig”, heißt es in einer gemeinsamen Erklärung von „Kein Atommüll in Ahaus”, „Stop Westcastor”, „Münsterland gegen Atomanlagen” und „Sofortiger Atomausstieg”.

Das Forschungszentrum Jülich widerspricht: „Im AVR-Reaktor wurden während der 20-jährigen Betriebszeit unterschiedliche Brennelemente getestet, die auch unterschiedliche Anreicherungen hatten. Aufgrund ihres relativ hohen Abbrands sind die AVR-Brennelemente nicht atombombenfähig.”

Dieser „Austausch” geht weiter. Die Gegner der Atommülltransporte behaupten ferner, dass die Ummantelung der Brennelemente aus Graphit brennbar sei. „Sollte es zu einem Transportunfall mit einem langandauernden, schweren Brand kommen, könnten die Castoren undicht werden und die Brennelemente-Kugeln Feuer fangen.” Im schlimmsten Fall würde „das gesamte radioaktive Inventar freigesetzt”.

Auch das sieht das FZJ ganz anders. Nach seiner Auskunft, die auch auch auf der Homepage des Zentrums (www.fz-juelich.de) nachzulesen ist, könne das „Matrixmaterial Pyrokohlenstoff” unter „normalen Bedingungen” nicht brennen.

Als Beleg führt die Jülicher Einrichtung Brandversuche mit Kerosin an. „Selbst nach einer Branddauer von mehr als einer halben Stunde” hatte keine der Grafitkugeln gezündet. Nach dem vollständigen Abbrennen des Kerosins seien die Flammen „selbstständig erloschen”.

Nach dem Prinzip „Rede und Gegenrede” erfolgt auch der „Austausch” zwischen den Initiativen und dem FZJ bei der Beurteilung der „Verpackung”. Die Gegner erklären, dass die Brennelemente nicht „endlagerfähig verpackt” seien und aufgrund ihrer „Brennbarkeit” in unbrennbares Material wie Beton oder Glas eingebettet werden müssten. Dazu gebe es in Ahaus keine Vorrichtungen. Die Anlage um die dortige „Leichtbauhalle” verfüge dafür über „keinerlei Vorrichtungen”. Die Initiativen deuten an, dass bei „defekten Castoren” also ein Rücktransport nach Jülich erforderlich werden könnte.

Ahaus „kann reparieren”

Eine „endlagerfähige Verpackung” könne es nicht geben, entgegnet das Forschungszentrum, weil es eben auch noch kein Endlager gibt und mithin Richtlinien dafür. Das „trifft natürlich auf alle heute in Deutschland existierenden Behälter mit bestrahlten Kernbrennstoffen zu” - nicht zuletzt gelte das auch für die bereits in Ahaus lagernden 305 Castoren mit hochradioaktiven Abfällen des Reaktors in Hamm-Uentrop.

„In Ahaus können und dürfen nahezu alle denkbaren Reparaturen durchgeführt werden. Nur bei einer Undichtigkeit der Primärdeckeldichtung ist ein Austausch der Dichtung in Ahaus nicht möglich”, heißt es in der Stellungnahme des FZJ weiter. Sehr wohl könnte und dürfte aber „als zweite Reparaturmöglichkeit” das Aufschweißen eines speziell dafür zugelassenen Deckels „in Ahaus durchgeführt werden”.
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