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Informationen im Rathaus zum Einstieg in den Freifunk

Von: ptj
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„Wir haben eine schlechte Situation in Deutschland“: Felix Bosseler vom „Freifunk Aachen“ wirbt für freies WLAN in der Städteregion Aachen und informierte im Jülicher Rathaus. Foto: Jagodzinska

Jülich. „Der Bedarf ist da“. Deshalb hatte die städtische „Stabsstelle Stadtmarketing“ auf Betreiben der Werbegemeinschaft zu einer Infoveranstaltung über den Freifunk ins Rathaus eingeladen. „Wir möchten uns um die Verbreitung kümmern und übernehmen die Störerhaftung für Sie“, sagte IT-Projektmanager Felix Bosseler vom „Freifunk Aachen“.

Er informierte in seinem Kurzvortrag über Technik und Kosten. Anschließend beantwortete er noch Fragen.

Die Aachener Freifunk-Community, die mit lokalen Händlern zusammenarbeitet, ist dem Freifunk Rheinland angeschlossen. Das ist ein gemeinnütziger Verein, der sich 2011 mit Freifunkern aus sieben Städten gründete. Seit September ist er Mitglied im „Réseaux IP Européens“ (RIPE = europäische IP Netze) und somit offiziell Provider. Seine Server-Infrastruktur betreibt der Verein an den Standorten Berlin, Düsseldorf und Frankfurt.

Vom eigenen Netzwerk getrennt

Wie funktioniert Freifunk? Freifunker verwenden bestimmte getestete WLAN- Router und WLAN-Hardware, die mit einem neuen Betriebssystem (Firmware) versehen werden. Der Freifunk-Router ist durch eine integrierte Firewall vom eigenen Netzwerk getrennt. Die einzig mögliche Verbindung ist der Aufbau eines so genannten VPN-Tunnels (virtuelles privates Netzwerk) zu den Freifunk-Servern.

Durch diesen Tunnel läuft die gesamte Kommunikation, auch die Zuweisung einer Netzwerk-Adresse (IP) durch einen der Freifunk Server. Bricht die Tunnelverbindung zusammen, etwa weil die Freifunk-Server nicht erreichbar sind, kommt am Freifunk-Router keinerlei Verbindung zustande. Im Fehlerfall kann also auch keine Kommunikation über den eigenen, privaten Router erfolgen. Im eigenen Netz sind keine Veränderungen bemerkbar.

Freifunk bietet sich besonders für die Innenstadt an, etwa für städtische Einrichtungen, Gastronomie, Handel und Gewerbe, wenn Touristen und Kunden risikolos WLAN zur Verfügung stehen soll. Ein Kernelement von Freifunk ist das „Meshing“ (Ineinandergreifen), wenn sich zwei oder mehr Router in einer WLAN-tauglichen Entfernung voneinander befinden. Die Router senden dann die WLAN-Kennung (SSID) „Freifunk“ aus. Verbinden sich Freifunk-Router mit Internetverbindung untereinander, wird durch eine Lastverteilung das Freifunk-Netz gleichmäßig genutzt und stabilisiert, auch über Etagen und Gebäudegrenzen.

Benötigt werden ein Internetanschluss mit einer freien Netzwerkbuchse an einem Internet-Router und eine Steckdose zur ununterbrochenen Stromversorgung. Zusätzliche Räume oder beispielsweise eine Außengastronomie werden durch einen oder mehrere zusätzliche Freifunkrouter abgedeckt, die je nach geplanter Nutzerzahl rund 15 bis 60 Euro kosten.

Im anschließenden Gespräch ergaben sich folgende wichtige Fakten: „Wir sind nicht kommerziell orientiert. Wir filtern nicht, wir speichern nicht und wir zensieren nicht“, betonte Bosseler. „Wir machen das seit 2002 und es gab bisher kein Problem“. Sollte sich die Gesetzeslage ändern, „beschäftigen wir uns damit, wenn es soweit ist“. „Freifunk Aachen“ finanziert seine problemlose digitale Willkommenskultur ohne zeitliche Begrenzung über Mitgliedsbeiträge und Spenden. Die Vision der Community ist das „Netz in Bürgerhand“.

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