Infoabend in der Schlosskapelle wirbt für den Organspendeausweis

Von: ptj
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Werben in einer Informationsveranstaltung für die Organspende: (V.l.) Dr. med. Rudolf Jegen, Jülich, Universitätsprofessor Dr. med. Ulf-Peter Neumann, Aachen, und Dr. med. Sebastian Drube, Nierenzentrum Düren und Jülich. Foto: Jagodzinska
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Der Organspendeausweis ist die Eintrittskarte, damit ein menschliche Spenderherz für den Transport in eine Plastiktüte verpackt werden und Leben retten kann. Foto: imago/blickwinkel

Jülich. „Die Organspende ist in Deutschland gesetzlich sehr sauber geregelt. Einige übereifrige Kollegen haben uns in die Suppe gespuckt. Es gibt überall schwarze Schafe“. Das betonte Dr. med. Rudolf Jegen, Transplantationsbeauftragter im St. Elisabeth-Krankenhaus Jülich, als erster Referent einer Infoveranstaltung zum Thema „Organtransplantation“ in der Schlosskapelle der Zitadelle.

Veranstalter war die AOK Gesundheitskasse, Regionaldirektion Düren-Jülich, in Zusammenarbeit mit dem Nierenzentrum Jülich und Düren. Die Organspende in Deutschland ist „signifikant schlechter als in allen europäischen Ländern, es herrscht ein kritischer Umgang damit. Es geht darum, Ressentiments zu limitieren“, schlug Universitätsprofessor Dr. med. Ulf-Peter Neumann als Experte für Lebertransplantationen von der Uniklinik Aachen in die gleiche Kerbe. Die eher karge Besucherresonanz unterstrich seine Aussage. „12.000 Menschen warten in Deutschland auf ein Organ, 4200 Organe werden transplantiert. In NRW gab es im vergangenen Jahr 194 Organspenden, damit wurden 703 Menschenleben gerettet“, nannte Jegen einführend statistische Zahlen. Etwa die Hälfte der Eingriffe betreffen eine Nierentransplantation, gefolgt von Herz, Leber, Lunge und Dünndarm.

Neben Organen auch Gewebe

Nur speziell zugelassene Kliniken dürfen transplantieren. Neben Organen kann auch Gewebe verpflanzt werden. Vorraussetzungen für die Leichenspende sind der Hirntod, der von zwei unabhängigen Ärzten bestätigt werden muss, und die Einwilligung. Ist diese zu Lebzeiten des Patienten erfolgt, ist die Organentnahme leicht. Schwierig wird es, wenn die Angehörigen zunächst vom Tode eines nahe stehenden Menschen in Kenntnis gesetzt und dann in eine Organspende einwilligen sollen.

Obwohl „der Mensch tot ist und die Organe, mit denen man Leben retten könnte, vergammeln“, wird in dem Fall in Deutschland kein Organ entnommen. „Hirntod ist wie ein abgeschlagener Kopf“, suchte Jegen einen treffenden Vergleich für das rechte Verständnis bei Laien.

„Kann es sein, dass ein Schwerkranker mit Spenderpass weniger sorgsam therapiert wird als ein Patient ohne Pass?“, lautete sogleich die erste kritische Frage aus dem Publikum. „Nein“, sagte Jegen entschieden. Solch einen Skandal habe es nie gegeben, ergänzte Neumann. Er ging detailliert auf Lebertransplantationen ein. Der dritte Referent im Bunde, Dr. med. Sebastian Drube aus dem Nierenzentrum in Düren und Jülich, auf die Nierenverpflanzung. In beiden Fällen gibt es neben der Leichen- auch eine Lebendspende von Lebenspartnern oder anderen nahe-stehenden Personen.

Weil die Leber nach der Transplantion wieder auf 95 Prozent der ehemaligen Organgröße wächst, ist besonders die Leber-Lebendspende von Eltern für ihre Kinder besonders erfolgversprechend. Hier muss ein kleinerer Teil transplantiert werden.

Punktesystem

Vor der Nieren-Lebendspende bewertet ein Punktesystem die Organ-Übereinstimmung von Spender und Empfänger. Beste Chancen hat die „Full-House-Niere“ mit sechs Punkten. Die auffälligsten Unterschiede zwischen den genannten Organspenden sind folgende: „Es gibt keine Alternative zur Transplantation der Leber oder des Herzens, es gibt keine Kurativ-Therapie“, wie etwas das Dialyseverfahren bei Nierenkranken.

Während es für die Nierentransplantation aufgrund des Organmangels lange Wartelisten gibt, sorgt das „Meld“-Verfahren – das für „Model of End-Stage Liver Desease“ steht – für absolute Gerechtigkeit: „Der kränkste Mensch im Eurotransbereich bekommt die zur Verfügung stehende Leber“.

Die gerechteste ist nicht unbedingt die beste Lösung, denn der kränkste Mensch hat schlechtere Überlebenschancen. Bei Leberspenden gibt es zudem keine Altersbegrenzung, die Zahl der Spenden „steigt erfreulicherweise ab 65 Jahren“.

Nach einer Lebertransplantation können Medikamente reduziert, im günstigsten Fall abgesetzt werden, während Nierenempfänger ihre Medikamente, die „nicht ganz ohne sind“, lebenslang und zudem pünktlich einnehmen müssen.

Was die wenigsten Laien wissen: „Die Niere wird in die Leiste transplantiert, normalerweise bleiben die eigenen Nieren drin“. Abschließend betonte der Nierenfachmann noch eine Konsequenz aus der Organknappheit der letzten 20 Jahre: „Die Organe, die transplantiert werden, sind gar nicht mehr so gut“.

Als Moderator fungierte Karl Hartmann aus der AOK-Geschäftsstelle in Jülich.

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