Individuelle Förderung dank Mischung

Von: Regine Beyß
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Individuelle Lernentwicklung: In der flexiblen Schuleingangsphase lernen die Kinder der Promenadenschule miteinader und voneinander - in ihrem eigenen Tempo. Foto: Beyß

Jülich. Im Klassenraum herrscht das gewohnte Bild. Die Kinder sitzen an ihren Tischen und brüten über Symmetrie- oder Schreibschriftaufgaben. Klassenlehrerin Marion Schütt sorgt für die nötige Ruhe und Konzentration. Und dennoch ist irgendetwas anders.

Es gibt keinen Frontalunterricht und keine klaren Altersgrenzen - die Kinder besuchen die Freiarbeit der flexiblen Schuleingangsphase, kurz: „Flex”.

Vor drei Jahren führte die Promenadenschule Jülich die Jahrgangsmischung für die erste und zweite Klasse ein, um die Vorgabe der Landesregierung nach individueller Förderung zu erfüllen. Vor dem Regierungswechsel im Jahr 2005 waren die Grundschulen verpflichtet, innerhalb von zwei Jahren auf die Jahrgangsmischung oder ein alternatives Konzept umzusteigen. Doch nach 2005 wurde die Einführung freiwillig, und viele Schulen kehrten wieder zur traditionellen Jahrgangstrennung zurück.

Die Promenadenschule behielt das Konzept jedoch bei. „Wir sehen in der Flex nur Vorteile”, erklärt Konrektorin Susanne Lucas. „Erst- und Zweitklässler lernen im Klassenverband mit- und voneinander, aber jeder in seinem Tempo.” So könnten die Kinder wirklich individuell gefördert werden.

Unterricht auf drei Säulen

Die Unterrichtsorganisation der Flex lässt sich in drei Säulen unterteilen: die freie Arbeit, den themengebundenen Klassenunterricht und den jahrgangsbezogenen Unterricht. In der Regel startet der Tag mit einer Doppelstunde Freiarbeit. Der offene Anfang ermöglicht einen individuellen Arbeitsbeginn, bevor sich jedes Kind den Aufgaben widmet, die seiner momentanen Lernentwicklung entsprechen.

Die Schüler werden angeleitet, ihr Lernen selbstständig zu organisieren. Natürlich steht ihnen dabei weiterhin ihre Klassenlehrerin als „Lernberaterin” zur Seite. Sie überprüft die Ergebnisse und das Lerntagebuch, in dem die Kinder dokumentieren, welche Aufgaben sie gelöst haben.

Auch Marion Schütt hat so die Leistung jedes einzelnen Kindes im Blick und achtet darauf, dass ein bestimmtes Pensum erfüllt wird. „Ich weiß jetzt viel besser, was die einzelnen Kinder schaffen können”, gibt die Lehrerin zu. Anfangs stand sie dem Unterrichtskonzept skeptisch gegenüber, doch inzwischen ist sie von den Vorteilen überzeugt.

Während des themengebundenen Klassenunterrichts erarbeiten die Kinder gemeinsam ein Thema. Dabei kommen verschiedene Sozialformen wie Gruppen- und Partnerarbeit, Schülervortrag oder Gesprächskreis zum Tragen. Bestimmte Fächer und Inhalte werden hingegen in jahrgangsgleichen Gruppen unterrichtet.

Die Schuleingangsphase kann je nach Stand des Kindes ein bis drei Jahre dauern. So gibt es nicht mehr das übliche „Sitzenbleiben”, bei dem das Kind aus seinem Klassenverband gerissen wird. Die meisten Kinder werden nach zwei Jahren in die dritte Klasse versetzt. Dann verlässt die Hälfte der Schüler den Verband.

„Dieser Einschnitt ist noch ein großer Nachteil”, sagt Susanne Lucas. „Mit einer Jahrgangsmischung der Klassen eins bis vier könnte man das vermeiden.”

Dann gäbe es auch für jedes Kind eine Orientierung nach oben und nach unten. Während besonders begabte Schüler sich schon mit dem Material der Älteren beschäftigen könnten, hätten schwächere Kinder die Möglichkeit, noch mit den Jüngeren zu arbeiten. Im Moment ist dies nur in der ersten und zweiten Klasse möglich. Hier fühlen sich auch lernschwache Kinder in die Gruppe integriert, weil unterschiedliche Fähigkeiten und Lernniveaus selbstverständlich sind. „Wir legen nicht mehr für alle Schüler dasselbe Maß an”, so Lucas.

Das Miteinander im altersgemischten Klassenverband fördert darüber hinaus die Sozialkompetenz. „Die Kinder stören den Unterricht weniger, weil sie weder unterfordert noch überfordert sind”, meint die Konrektorin. Zudem beobachtet sie, dass die Kinder eher bereit sind, einander zu helfen und mehr aufeinander achten.

Die „Aufräummusik”

„In fünf Minuten machen wir Schluss”, Marion Schütt kündigt das Ende der Freien Arbeit an. Wenig später drückt sie auf die Play-Taste der Musikanlage. Es ertönt die „Aufräummusik”. Alle Kinder wissen sofort, was zu tun ist. Als alle Lernmaterialien wieder an ihrem Platz sind, folgt der „Wetterbericht”. Alle Kinder erzählen im Gesprächskreis, wie weit sie heute gekommen sind und ob sie mit sich zufrieden waren. „Daumen hoch”, bekräftigt die Klassenlehrerin. „Ihr habt heute wieder einiges geschafft.”
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