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Individualität auf Friedhöfen im Trend

Von: ptj
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Rege Diskussion schon während der Präsentation in Ameln: Bestatterin Irmgard Becker findet die Kostenrechnung der Gemeinde Titz „nicht vorausschauend”. Foto: Jagodzinska

Ameln. Bemüht um das Aufgreifen aktueller Themen hat die SPD Titz-Rödingen zu einem Informationsabend über derzeitige und zukünftige Bestattungsformen mit gewünschter Diskussion in die Alte Schule Ameln eingeladen. Hintergrund der Veranstaltung sind die Kostenexplosion im Friedhofswesen und - in Reaktion darauf - ein Umdenken der Bürger.

Da die politischen Mühlen langsam mahlen, war es dem SPD-Vorsitzenden Fred Schüller und seinen Genossen wichtig, über Alternativen zu informieren und gleichzeitig den Bürgerwillen zu erkunden. Einblicke gewährte Genosse Dennis Beitzel, Bestattungsfachkraft aus Langerwehe. „Man beschäftigt sich erst mit dem Tabuthema Tod, wenn der Trauerfall eintritt”, betonte dieser.

Beitzel stellte veränderte Strukturen heraus: So entfernt sich das Familiengefüge immer weiter von der Mehrgenerationenfamilie, die Menschen werden älter und die Geburtenraten gehen zurück, gleichzeitig wird die Arbeitsmarktsituation immer härter. Neuer Trend ist der Wunsch nach kosten- und pflegearmer Individualität im traditionellen Umfeld des Friedhofes.

Die Powerpoint-Präsentation erstreckte sich vom Einzel- und Doppelwahlgrab über das Reihengrab für Kinder und Erwachsene zum bevorzugt gewählten und preisgünstigen Erd-Rasenreihengrab. Von dort informierte er über das Urnenreihen- bzw. Urnenrasenreihengrab und die jeweilige anonyme Variante.

Vorgelegte Umfragewerte aus 2008 belegten, dass 65 Prozent der Bevölkerung eine anonyme Bestattung ablehnen, weil es keinen Ort der Trauer gibt. Dafür sprächen aber das Fehlen verfügbarer Angehöriger für die Grabpflege (87 Prozent) oder der Verzicht darauf, sie mit Grabpflegekosten belasten zu wollen (75 Prozent).

Die Urnenbeisetzung auf dem Friedhof sei zu fast 50 Prozent die häufigste unter den Urnenbestattungen. Auf einiges Interesse der Zuhörer stießen ansprechende moderne Modelle wie Urnenwände oder -haine, Urnenstelen oder Gemeinschaftsgrabanlagen, wie es sie auch in Düren gibt, verbunden mit einer Verkürzung der Ruhezeit von 30 auf sieben Jahre.

Ökologische Alternativen

Vorgestellt wurden zudem ökologische Waldbestattungen im Friedwald Buxtehude oder mehrfach nutzbare Grabkammersysteme mit einem „Baum als wachsendem Grabstein” in der Stadt Freiberg. Aschenverstreuungen, ein attraktiveres Grabumfeld wie in der Gemeinde Inden und Grabstätten mit reduziertem Pflegeaufwand nach Allgäuer Vorbild komplettierten die Präsentation.

Diese wurde bereits durch viele Fragen zur Machbarkeit unterbrochen, auf die jeweils eine Diskussion folgte. „Ne Amelner will nicht nach Müntz und man kann nicht für jedes Dorf eine Stelenanlage machen”, lautete ein Ansatz. Unbestritten war hingegen: „Es wird immer mehr Leute geben, die nicht mehr 30 Jahre das Grab der Eltern pflegen”. Die Alternativen lauteten: „Entweder Grabpflege oder eine weite Anreise zu alternativen Bestattungsformen”.

Der Rat ist gefordert

„Die Ratsmitglieder sollten solche Dinge mal diskutieren”, schaltete sich Fraktionsvorsitzender Johannes Vaehsen ein. Er beklagte, weder im Ausschuss noch im Rat Gelegenheit gehabt zu haben, „unsere Position darzustellen”.

Auf eine allgemeine Kostenübersicht des Bestatters ließ er eine konkrete Kostenrechnung der Gemeinde Titz folgen. Immens gestiegen seien die „im Vorfeld aufgrund von Schätzungen und von tatsächlichen Vorjahreskosten berechneten Gebühren”: So beim Reihengrab von 326 Euro auf 959 Euro und bei der anonymen Variante von 1205 auf 2300 Euro.

Natürlichsei klar: „Je mehr Fläche nicht genutzt wird, umso mehr Kosten bleiben an der Gemeinde hängen.” So wurde das Wahlgrab „gewissermaßen gefördert”, während das anonyme Grab nach SPD-Meinung mit einem Multiplikator von 3 „zu schlecht weg kam, weil es in Zukunft mehr gebraucht wird”.

Wegen der aktuellen Kostenexplosion war die Rödinger Bestatterin Irmgard Becker erschienen, die die kommunale Bestattungskostenrechnung als „nicht vorausschauend” befand. Der letzte Tipp des Referenten an Rat und Verwaltung lautete: „Einen Arbeitskreis Bestattungswesen bilden”: Ein vernünftiges Entwicklungskonzept habe einen zufriedenen Bürger mit einem gesteigerten Kostenbewusstsein zur Folge.
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