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Indemann: Das Riesenpuzzle hat begonnen

Von: Volker Uerlings
Letzte Aktualisierung:
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Die erfahrenen Handwerker schrauben in etwa sieben Metern Höhe - Ende Juni geht es auf 36 Meter. Foto: Uerlings

Inden. Es scheint schwer vorstellbar, dass nur drei Arbeiter am Dienstag mit dem Start eines Großprojektes von 260 Tonnen Stahl beschäftigt waren. Aber genauso präsentierte sich die Baustelle des Indemannes auf der Goltsteinkuppe: Ein Kran, eine Hebebühne, drei Leute, das reicht - vorerst.

Die Fachleute von Metallbau Teuffer aus Quakenbrück verstehen ihr Handwerk und haben die ersten Träger verankert - die Knöchel der später 36 Meter hohen Aussichtsfigur mit dem in Hüfthöhe ausgestreckten Arm. Sie arbeiten an einem kolossalen Puzzle.

In der künftigen Behindertentoilette hängen die Aufbaupläne, die Baustellenleiter Waldemar Kopp genauestens studiert hat und die dogmatische Züge haben - sonst passt es nicht. Der Mann vermittelt einen nordisch-nüchternen Eindruck, er hat alles im Griff. „Hier rückt jeden Tag nur an, was auch verbaut wird. Sonst liegt zu viel rum”, berichtet er.

Das System ist dreigeteilt: In Quakenbrück entstehen die Stahlteile für den Koloss auf der Kuppe. 25 Leute sind bei Teuffer nur mit Indemann-Werkstücken beschäftigt. Danach gehen die Teile des Stahlpuzzles auf die Reise ins Ruhrgebiet, nach Bochum. Dort werden sie verzinkt, zwischengelagert und nach Bedarf gen Inden spediert.

Die größte Besonderheit beim Hochbau auf der ehemaligen Abraumhalde nennt Peter Kaptain, Geschäftsführer der Gesellschaft für Infrastrukturvermögen des Kreises Düren (GIS) (sie wurde von der Gemeinde Inden mit dem Projekt beauftragt): „Hier wird nichts verschweißt, sondern nur verschraubt.” Das vereinfache die Abläufe auf der Baustelle ungemein. Und ist wohl auch sicherer.

Während die Arbeiter vor Ort in Inden den Unterbau der Figur bereits montieren, ist der Kopf noch in der Planung. „Unser Konstrukteur arbeitet daran”, verrät Waldemar Kopp. Der Mann ist zwar erfahren, ein Projekt wie der Indemann ist für ihn dennoch außergewöhnlich. In einer Mischung aus Freude, Stolz und ein wenig Muffensausen erklärt Kopp: „So was hat man nicht alle Tage. Das ist schon eine echte Herausforderung!”

Der Aussichtsturm wächst auf eine Gesamthöhe von 36 Metern, neun Meter weniger als ursprünglich geplant. Im ersten Entwurf sollte sich eine Gastronomie der besonderen Art im „Bauch” der Figur befinden. Nach der ersten Ausschreibung - in einer Stahl-Hochpreisphase auf dem Weltmarkt - folgte die Ernüchterung: Der Indemann wäre erheblich teurer geworden als die kalkulierten 6,5 Millionen Euro.

Architekt Marc Maurer aus den Niederlanden schlug den Verantwortlichen der Gemeinde Inden die Auslagerung des Lokals und die Verkleinerung vor. Bei der Ausschreibung dieser Variante waren die Stahlpreise bereits drastisch gesunken, so dass die abgespeckte Version absolut im Budget blieb.

Auf genaue Zahlen ließen sich auf der Baustelle weder Peter Kaptain noch der Indener Bürgermeister Ulrich Schuster festnageln. Die jetzigen Gewerke - Stahlbau inklusive Toiletten, Kiosk, Aufzug und „Illumesh-Fassade”, die den Indemann nachts „strahlen” lässt - dürften aber zwischen 800.000 und einer Million Euro günstiger werden als gedacht.

Der Zeitplan sieht so aus: „Wir hoffen, dass wir alles bis Mitte/Ende Juni abwickeln und an die Gemeinde übergeben können. Gewisse Unwägbarkeiten gibt es, solch ein Projekt macht man ja nicht jeden Tag. Wir haben aber ein klares Ende im Visier.” Das sagt GIS-Geschäftsführer Peter Kaptain, der die Arbeiten wie auch der Bürgermeister mit leuchtenden Augen inspizierte. Eine fast wahnwitzige und von nicht wenigen auch kritisierte Idee steht kurz vor der Realisierung. Sie birgt Technik und Know-how, die fast jeden Heimwerker in Verzückung geraten lassen dürften.

Schon in der Bauphase rechnen die Verantwortlichen mit etlichen Neugierigen, die den Koloss auf der Kuppe „aufwachsen” sehen wollen. Wenn es im Mai eine längere regenfreie Periode gibt, soll gleich neben der Baustelle ein Biergarten eingerichtet werden. Dann lässt sich auch bestens über die künftige Indener Mutprobe philosophieren: Wer traut sich ab Juli über die Gitterroste in den Arm der Aussichtsfigur, und wer nicht?
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