In Jülich sind jetzt beide Lehrschwimmbecken dicht

Von: Volker Uerlings
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Schwimmanfänger haben im Moment in Jülich nur eine Adresse: das Hallenbad. Die beiden Lehrschwimmbecken in Koslar und Welldorf sind gesperrt. Foto: Stock/blickwinkel

Jülich. In gewisser Weise sitzen die Schwimmanfänger in den Jülicher Ortsteilen auf dem Trockenen. Das Lehrschwimmbecken in Koslar ist seit vielen Monaten gesperrt, weil die Filtertechnik defekt ist. Auch das Lehrbad in Welldorf musste im Sommer geschlossen werden.

Beide Einrichtungen wurden von vielen Gruppen über den ganzen Tag genutzt, sind aber in erster Linie dem Grundschulschwimmen gewidmet. Nunmehr steht in der Herzogstadt einzig das Hallenbad zur Verfügung – vorerst. In den nächsten Wochen wird sich entscheiden, welches der beiden Lehrbäder ertüchtigt wird. Die Tendenz geht wohl eindeutig in Richtung Koslar, was das dauerhafte Aus für das ortsnahe Welldorfer Angebot bedeuten würde.

Das war am Montagabend vor einigen Vertretern der Welldorfer Grundschule nicht einstimmiger Tenor im Jülicher Fachausschuss, zeichnete sich aber als Mehrheits-Votum ab. Es ist – natürlich – eine Frage des Geldes. Private Initiativen, Fördervereine und Geschäftsleute im Doppelort haben sogar erkennen lassen, dass sie für den Erhalt Spenden aufbringen würden. Ob das aber reicht, ist fraglich. Es geht für die Stadt sowohl in Koslar als auch in Welldorf um sechsstellige Summen, die investiert werden müssten. Die privaten Initiativen deutete Marion Urmes-Breuer von der Schulpflegschaft der GGS an. Sie verwies auf den Zustand: „Es ist kein hässliches altes Bad, es ist tippi-toppi und liegt uns am Herzen!“ Der Teufel steckt aber nicht in der Optik, sondern im technischen Detail des Welldorfer Bades. Das Kreisgesundheitsamt hat im späten Frühjahr eine Überschreitung des zulässigen Grenzwertes für Legionellen (laut Angaben der Stadt 1 KBE/100 ml statt 0 KBE/100 ml) festgestellt. Für die Nutzer habe „keinerlei Gefahr“ bestanden, aber durch technische Maßnahmen sollte sichergestellt werden, dass der Grenzwert eingehalten wird. Kleinere Eingriffe blieben erfolglos. Als dann in den Sommerferien größere Maßnahmen ergriffen werden sollten, wurde deutlich, dass der Schaden am und im Filter erheblich schlimmer war als angenommen – und teurer.

25.000 Euro (statt 7000 Euro) wären zu investieren. Damit sei aber nicht sichergestellt, dass das Becken langfristig alle DIN-Normen erfüllt, so die Verwaltung. Außerdem liegt ein Gutachten vor, in dem der Experte den gesamten technischen Sanierungsaufwand für Koslar (160.000 Euro) und Welldorf (140.000 Euro) beziffert. Danach hätte das Bad in Koslar eine Perspektive von 15 Jahren, das in Welldorf könnte trotz der Maßnahmen jederzeit ausfallen und weitere Kosten verursachen. Dezernentin Katarina Esser: „Mit einem Lehrschwimmbecken und dem Hallenbad könnten alle Kinder in Jülich Schwimmen lernen.“ Das wäre ein bedarfsgerechtes Angebot der Stadt.

Allerdings hat es wohl unterschiedliche Angaben von den Stadtwerken gegeben, wie hoch die freien Kapazitäten im Hallenbad noch sind – auch für die Übergangszeit, bis wieder ein Lehrbecken zur Verfügung steht. Deshalb beschloss der Ausschuss, nun kurzfristig mit einem Vertreter aus jeder Fraktion beim Kommunalversorger vorstellig zu werden, um diese wichtige Frage zu klären.

Das soll noch vor den Sitzungen von Haupt- und Finanzausschuss sowie Rat in den nächsten beiden Wochen erfolgen. Können die Fragen beantwortet werden, trifft der Stadtrat die Entscheidung, ob und welches Lehrbad saniert wird. Für den Erhalt beider Lehrschwimmbecken sprach sich mit Blick auf die vielen weiteren Nutzer (Senioren/Familien) einzig Matthias Hoven aus.

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