In 40 Jahren Menschen „einfach nahe” gewesen

Von: ptj
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Urkundenüberreichung zum Abschied: Dr. Jost Eickmann (l.) bringt seinen Respekt Heinz Tietjen gegenüber zum Ausdruck. Foto: Jagodzinska

Jülich. Abschiedsgeschenk des Landschaftsverbands Rheinland (LVR) für Heinz Tietjen war eine „visionäre Fachtagung” im Technologiezentrum Jülich (TZJ) zum Thema: Wie will ich mit meinem Handicap in 20 Jahren leben und wohnen?

Tietjen, der „mehr als 30 Jahre als LVR-Diplom-Psychologe die Entwicklung der Behindertenhilfe in Deutschland maßgeblich prägte”, geht mit 65 Jahren in den „Unruhestand”.

Ganz verschenken mag der Verabschiedete, zuletzt als Leiter des Jülicher LVR-Instituts „Kompass” tätig, seine in 40 Jahren erworbenen Kenntnisse und Bedürfnisse jedoch nicht. Das Euregio-Projekt „Hand in Hand” mit einer Laufzeit bis 2010 will er beenden und weiterhin „ein bisschen Beratungsarbeit machen”.

Mit einem „Lied ohne Worte” von Felix Mendelssohn-Bartholdy startete das Klarinettenensemble der Musikschule Düren in den Tag. „Woher wir kommen und wohin wir gehen”, beschrieben „die vielen Worte der Fachtagung”, wie der Moderator des LVR, Peter Worms, auf den Punkt brachte. Die so genannte „Inklusion” geistig behinderter Menschen mit zeitgemäßen Wohnformen, sozialen Netzen und Unterstützungsangeboten war Beitragsthema des Marburger Diplompädagogen Ulrich Niehoff-Dittman. Zur Arbeitsmarktsituation Behinderter referierte Prof. Michael Nagy von der Uni Heidelberg.

Auf barrierefreies Wohnen und Leben bezog sich der Vortrag der Frankfurter Architektin Ursula Fuss. Die spezielle Situation von Menschen mit Behinderung, Schwerpunkt der Jülicher Orientierungsinitiative „Kompass”, thematisierte Prof. Friedrich Dieckmann von der Katholischen Hochschule Münster.

Im Dialogverfahren brachten Tietjen und sein niederländischer Projektpartner Willem Cranen Leben in die Technologieaula. Sie verdeutlichten Themenschwerpunkte her. Was ist die persönliche Vision Tietjens? „In 20 Jahren soll sich jeder Mensch nach seinen Gaben frei in der Gesellschaft bewegen. Kann er das nicht, braucht er persönliche Hilfe.”

Dabei sollte nicht der assistierende Betreuer über die Bedürfnisse des Behinderten entscheiden, sondern möglichst der Mensch mit Behinderung selbst.

Nach den Worten des LVR- Amtsleiters für heilpädagogische Hilfen, Dr. Jost Eickmann, prägte Tietjen „den Weg aus den Behindertenbereichen der Landeskliniken ohne Entwicklungsmöglichkeiten, ohne Beschäftigung und Privatsphäre in großen Schlafsälen zu einem Leben in der Gemeinde”.

Dabei war ihm die Vernetzung in der Behindertenarbeit ein Anliegen. LVR-Fachdirektor Gerald Schueler betonte, der damalige Amtsleiter Tietjen in kariertem Hemd und Cordhose sei in seiner genügsamen Art „einfach den Menschen nahe”.

Die Tagung endete überraschend: Die aus behinderten Menschen bestehende Elsdorfer Theatergruppe „Perspektive” führte den „Zauberer von Oz” auf.
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