Im Zeichen der Schottenkaros

Von: ptj
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Von wegen schief gewickelt. McDonald of Glencoe erklärt, wie ein Kilt nach Beinmaß und Musterorientierung in Falten gelegt wird. Foto: Jagodzinska
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Was eine echte Piratenbraut ist, weiß sich auch gegen wilde Kerle mit scharfer Klinge zu wehren.

Jülich. Solch ein Bild hat in den letzten Jahren Seltenheitswert: Sonne, Wärme und gute Laune zu Pfingsten, endlos scheinende Schlangen vor den Kassen des Brückenkopf-Parks, Tausende von Besuchern schon am ersten Tag des 9. Epochen- und Historienfestes. Dazu passte das umfangreichere und vielfältigere Park-Angebot mit 500 Aktiven quer durch die Epochen.

Kurzum: Soweit das Auge reichte, sah man zumeist weiße historische Zeltkuppeln, kurzweilige Handwerksdemonstrationen, viel Action, spannende Wettbewerbe und Mengen interessierter Besucher.

Jede Menge Spaß

Für drei Silberlinge durften Kinder, die „maximus zwölf Winter alt und 120 Centimeter groß waren“, die Ritter zum Kampf herausfordern. Das bedeutete ein wildes Tohuwabohu und jede Menge Spaß für Kinder, Ritter und Zuschauer.

Gemeinschaftliches Trommeln mit den Indianern, Pfeilwerfen oder das schottische Baumstammwerfen „Caber toss“ reizten gleichermaßen Groß und Klein. Zu den aktiven Großgruppen zählten die „Friends of Scotland Region Aachen“. Sie luden auch Frauen und Kinder zu den Park-Highland Games ein – die Baumstämme aller Kategorien waren deutlich leichter als bei den echten Sportwettkämpfen. Schottische Männer halfen den vielen Erprobungswilligen, den Stamm auf der Hand zu positionieren und rieten, ihn „etwas nach vorne in einen 50-Grad-Winkel zu bringen und mehr nach oben zu heben, um den Überschlag zu schaffen“. Später boten sie im Rahmen einer amüsanten Modenschau „einen Schwank durch die schottische Geschichte: Wenn Sie Braveheart gesehen haben, wissen Sie, wie man es nicht macht“, klärten sie etwa über „Belted plaids“, den schottischen Kilt auf, den es erst 500 Jahre später gab“. Auch Schottenkaros seien eine moderne Erfindung, „früher war alles uni“. Wie man einen Kilt aus einer sieben Meter langen Stoffbahn in Falten legt, erklärte McDonald of Glencoe in Nähe des Apfelquadrats.

Chronologisch aufgebaute, auf Treffer ausgerichtete Schaukämpfe mit echten Waffen von der Lochaberaxe als Kombinationswaffe bis hin zum „Dirk“, dem schottischen Dolch, zogen ebenfalls etliche Zuschauer in den verborgenen Winkel hinter dem Minigolfplatz.

Neben Cowbys und Indianern hatten im Park Eburonen, Beduinen, Hunnen, Kelten, Ritter, Römer, Piraten oder Darstellungsgruppen aus der Völkerwanderungszeit ihre Zelte aufgeschlagen. Ein Weihrauchhändler aus Zentralasien gab etwa einen Tropfen des edlen Parfüms „Jardin de Marrakech“ auf die „kostbare Haut“ einer Besucherin. Zu orientalischer Musik zeigten zwei grazile Mädchengruppen aus dem Orient-Tanzstudio Simmerath mit zarten bunten Tüchern in Händen orientalischen Bauchtanz.

Besonders interessant waren die Darstellungen der Kriege, vom Dreißigjährigen über den Civil War der Nord- gegen die Südstaaten bis hin zu den beiden Weltkriegen. „So authentisch wie möglich, abseits vom steifen Museum“ stellte das First Battalion of Ike‘s Praetorian Guard der US Army sein Lagerleben mit echten Gebrauchsgegenständen dar, ohne „es zu romantisieren oder zu politisieren“. So befand sich etwa ein Fernschreiber im „Message Center“ und ein funktionierendes „Public phone“ auf dem festgestampften Boden.

Der 18 Kopf starke Interessenkreis inklusive Kriegsberichterstatterin bestellte sich nicht etwa abends eine Pizza, sondern kochte „Scrambled eggs“; Haferflocken mit Rührei. Waffen zählten natürlich auch zum Equipment, spielten aber keine herausragende Rolle, deshalb entfielen Kampfdemonstrationen.

Reichhaltig war das Speisenangebot beim Epochenfest vom Stockbrot bis zum Vollkorn-Flammkuchen mit Bergkäse. Kaum ein Wunsch blieb unerfüllt, so war sogar eine Zelt-Wickelstube mit Romantic-Touc für die Allerkleinsten vorbereitet.

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