Im Keller rockt ein komplettes Musical

Von: Guido Jansen
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Hier ist „Michelangelo 2012“ entstanden. Im Tonstudio-Keller von Heiko Mürkens.

Siersdorf. Der Gegensatz ist weder zu überhören, noch zu übersehen. Aus den Lautsprechern schallt Musik, die nach großer Bühne klingt. Chöre singen, Orchester spielen und bilden so einen Rahmen für schwermetallische Rockmusik. Janus Experiment heißt das Projekt, das in Siersdorf entstanden ist. Um es auf die Bühne zu bringen ist es zu aufwändig und kostspielig.

„Das wird wahrscheinlich nie passieren“, sagt Heiko Mürkens, der Vater des Projekts. „Dafür ist das Experiment zu groß.“ Zwölf Musiker würde es benötigen, um das Experiment auf die Bühne zu bringen. Chor und Orchester nicht eingerechnet. Auch das Thema verlangt nach Größe.

Gute Kritiken

„Michelangelo 2012“ ist der Titel des Konzeptalbums, das derzeit landesweit gute Kritiken erhält. Die aussagekräftigste: Janus Experiment ist nominiert für die Kategorie Heavy Metal beim Deutschen Rock- und Pop-Preis. Am 8. Dezember erfährt das Experiment in Wiesbaden, ob es beim ältesten deutschen Musikpreis Platz eins, zwei oder drei belegt hat.

Das Album hat einen roten Faden. In einer Stunde erzählt Janus Experiment mit neun metallischen Stücken das Leben des großen italienischen Meisters, der beispielsweise für die Deckengemälden in der Sixtinischen Kapelle im Vatikan berühmt geworden ist. Ziemlich genau 500 Jahre ist es jetzt her, dass Michelangelo die Deckengemälde, unter ihnen so berühmte Szenen wie „Die Erschaffung des Adams“, fertiggestellt hat. Vier Jahre lang hatte Michelangelo an seinem Werk gearbeitet. Vier Jahre lang hat Heiko Mürkens von der Idee bis zur Fertigstellung gebraucht. Alles klingt groß, die Vorlage, genau so wie das Album.

Entstanden ist es in Heiko Mürkens Studio, bei ihm zu Hause im Keller in Siersdorf. Die zwei Räume sind voll mit moderner Technik. Aber für eine Band von den Ausmaßen des Janus Experiment ist es eindeutig zu klein. Der Aufnahmeraum ist sogar so klein, dass ein Schlagzeug mit doppelter Bass-Trommel, wie es bei Rockmusik härterer Gangart üblich ist, nicht hinein passt.

Heiko Mürkens, der gelernte Tontechniker, hat das Gesamtwerk von Anfang an im Kopf gehabt. Nur so konnte er es in die Einzelteile zerlegen und danach Stück für Stück zusammenbauen. Beispiel Schlagzeug. „Ich bin zu dem Schlagzeuger hin gefahren und habe ihm gesagt, was ich mir vorstelle. Er hat das dann gespielt und ich habe ihn dabei gefilmt“, erklärt Mürkens, wie er das Kleines-Studio-großes-Schlagzeug-Problem gelöst hat. Der Film war die Vorlage, nach dem er das Schlagzeug zu Hause nachgespielt hat – auf seinem Keyboard. Mit Hilfe eines Computerprogramms werden Tasten zu Trommeln, Becken und Perkussionselementen.

Kollege Computer hat also großen Anteil am Album, der schöpferische Akt stammt jedoch von Musikern aus Fleisch und Blut. „Es war mir wichtig, die individuellen Noten, die die Musiker haben, auf diesem drauf zu haben“, erklärt Mürkens, dass seine Mitstreiter weitgehend freie Hand hatten. Beispielsweise die Gitarristen, die ihre Teile bei sich eingespielt und per Mail an Mürkens geschickt haben.

Viele Stimmen nötig

Die sechs Sänger, die die Rollen in Michelangelos Leben übernommen haben, waren in Mürkens Studio zu Gast. Das Janus Experiment braucht so viele Stimmen, weil es angelegt ist wie ein Musical. „Das Album wird auch schon als erstes deutschsprachiges Heavy-Metal-Musical bezeichnet“, sagt der 36-Jährige. Es erzählt die Lebensgeschichte Michelangelos. Den Einstieg bilden die Momente auf dem Sterbebett, in denen der Künstler über sein Leben sinniert.

Radiotauglich ist „Michelangelo 2012“ nur bedingt. Die Stücke sind nicht als schmissige, schnelllebige Ohrwürmer angelegt. „Konzeptalben sind immer irgendwie sperrig“, sagt der kreative Kopf hinter Janus Experiment. Das Publikum, das solche Produktionen kauft, ist speziell. Apropos kaufen: „Michelangelo 2012“ kann gegen Bezahlung in jeder der einschlägig bekannten Musikbörsen im Internet bestellt werden.

„Ich habe dieses Album nicht gemacht, um damit Geld zu verdienen. Wichtig war mir, meine Idee zu verwirklichen.“ Deswegen hat Heiko Mürkens, der im Leben außerhalb der Musik Angestellter ist, auch kein Problem damit, seine Liebe zur Musik als Hobby oder Leidenschaft zu bezeichnen. Und das, obwohl die Produktion professionell ist. „Wir können bei den Kritiken in den Fachzeitschriften mit der Konkurrenz mithalten“, sagt der Familienvater nicht ohne Stolz.

Das Experiment ist übrigens nicht abgeschlossen. Mittlerweile brauen sich neue Ideen im Kopf von Heiko Mürkens zusammen. Eines steht jetzt schon: Es wird sicher wieder eine schwermetallische Geburt werden.

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