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Holz, Lehm und Papier: Ein Traumhaus mit ganz besonderen Ansprüchen

Von: Nicola Gottfroh
Letzte Aktualisierung:
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Jürgen und Petra Kleines haben sich in Oberzier ihr Traumhaus gebaut. Das sieht nicht nur schön aus, sondern ist als Passivhaus auch noch ein echtes Energiesparwunder. Foto: Nicola Gottfroh

Oberzier. Jürgen Kleines ist ein Fuchs. Ein echter Energiesparfuchs. Der Ehemann und Vater zweier Kinder zahlt gerade einmal 100 Euro Heizkosten im Jahr. Wer jetzt denkt, dass Jürgen Kleines seinen Lieben die Heizung abdreht und Ehefrau Petra und die beiden Kinder den ganzen Winter über frieren müssen, der irrt.

„Ganz im Gegenteil - im Haus herrscht immer ein ganz tolles Klima”, betont Ehefrau Petra und lacht. Die Familie bewohnt ein Passivhaus - ein Gebäude, das aufgrund seiner guten Wärmedämmung sowohl im Winter als auch im Sommer keine klassische Heizung oder Kühlung benötigt.

Echte Pionierarbeit

Vor elf Jahren haben sich die Kleines entschieden, ein solches Wohnhaus zu errichten. „Zu dieser Zeit war das Pionierarbeit. Es war wirklich ein Experiment, auf das wir uns eingelassen haben. Aber ich habe es nie bereut”, sagt Jürgen Kleines. Obwohl das Projekt „Passivhaus” dem Paar gerade in der Vorlaufzeit viele Nerven gekostet hat, wie es zugibt. Das auch deshalb, weil die Kleines besondere Ansprüche an ihr Traumhaus hatten: „Wir wollten ein Haus, das kaum Energie verbraucht, hatten aber auch den Wunsch, nur natürliche Baustoffe aus der Region zu verwenden. Das umzusetzen war nicht immer ganz leicht”, so Kleines. Und auch ein Architekt, der bei der Umsetzung der Pläne half, war nicht leicht zu finden.

Schließlich waren die Häuslebauer dann doch erfolgreich. „Alles hat geklappt, wie wir es uns damals vorgestellt haben”, sagt Petra Kleines, ihr Mann ergänzt stolz: „In diesem Haus ist nur Holz, Lehm und Papier verbaut.”

Weil das Projekt damals so ungewöhnlich war, hat sich auch das Land NRW eingeschaltet, den „Pionieren” bei der Arbeit über die Schulter geschaut. „Auch das Land hat so neue Erfahrungen sammeln können”, sagt Kleines. Und so wurde das Haus der Familie zur kleinen Berühmtheit: „Es ist schon genial, wie viele Busse hier vor unserem Haus halt gemacht haben”, erzählt er. Unzählige Architekten und Ingenieure haben sich das Schmuckstück angeschaut, sich Tipps und Anregungen von dem stolzen Hausbesitzer geholt.

Dicke Dämmung

Das Besondere am Domizil der Familie: Die Isofloc-Dämmung des Hauses ist gut einen halben Meter dick, und gemeinsam mit einer Solaranlage, die die Fußbodenheizung „befeuert”, „reicht dies in der Regel schon aus, um das Haus auch in kalten Wintern warm zu halten. So gut isoliert und dicht ist es”, freut sich der Hausherr. Und muffig wird es in den vier Wänden der Familie auch nie: Eine Lüftungsanlage tauscht alle zwei Stunden den gesamten Rauminhalt an Luft aus und pumpt neue, frische Luft hinein. „Das natürlich ohne dem Raum Wärme zu entziehen”, sagt Energiefuchs Kleines.

An allen Ecken wird bei der Familie Energie gespart -Ê „ohne, dass wir auf irgendetwas verzichten”. Das Warmwasser wird mit der Energie aus der Solaranlage geheizt. „Meine Kinder dürfen solange duschen wie sie wollen!”, so Kleines. Schließlich müsse er nur das Wasser bezahlen. „Und die Kosten sparen wir wieder ein, weil wir die Toilettenspülung und die Waschmaschine mit Regenwasser betreiben.”

Herkömmlicher Unsinn

Gerade einmal fünf Prozent mehr als der Bau eines „herkömmlichen” Hauses hat die Familie ihr Traumhaus gekostet. „Das hat sich gelohnt”, sagt Kleines.

Seiner Meinung nach ist es schlicht und ergreifend Unsinn, noch „herkömmlich” zu bauen. Selbst diejenigen, die nicht mit ökologischen Baustoffen bauen wollten, könnten auch mit konventionellen Materialen ein sparsames Passivhaus errichten, argumentiert er. Wer Interesse hat, sich das Haus einmal anzusehen oder sich Tipps und Tricks vom Pionier holen möchte, kann sich bei Familie Kleines unter der Telefonnummer 02428/819888 melden.
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