Hänsel und Gretel ganz modern

Von: ptj
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Lebkuchenhäuschen zum Knuspern: Nachdem Hänsel und Gretel so viel Süßes naschten, waren die Gäste an der Reihe. Foto: Jagodzinska

Jülich. Erfreulich groß war das Interesse an der Auftaktveranstaltung zur Büchereiwoche „Treffpunkt Bibliothek” mit dem Untertitel „Information hat viele Gesichter” in der Stadtbücherei. Eingeladen hatten Leiter Werner Wieczorek zum Schattenspiel „Hänsel und Gretel” mit musikalischer Umrahmung durch das Flötenquartett „Il flauto dolce”.

Während Kinder ab etwa vier Jahren vor dem Schattenspieltheater auf dem Boden hockten, hatten zumeist Mütter oder Großmütter hinter ihnen auf Stühlen Platz genommen. „Woher kennt ihr das Märchen? Hat es selbst schon jemand gelesen?”, erkundigte sich Regisseurin und Erzählerin Marlies Stechemesser vom Förderverein Stadtbücherei vorab bei den Kindern.

„Wir haben das Märchen etwas verändert, damit es gut gespielt werden kann”, kündigte sie eine weitere „Uraufführung” an. Die Abwandlung erwies sich als gelungener Mix aus dem Grimms-Märchen und der Kinderoper von Engelbert Humperdink in drei Akten - mit Elementen aus dem modernen Alltag. So arbeiten die armen Eltern von Hänsel und Gretel als Holzfäller und Näherin, der Vater verkauft im Nebenjob Besen und Körbe.

Die typische Einführung ins Märchen entfällt, es gibt auch keine Brotkrumenspur. Stattdessen wachen Schutzengel über die im Wald schlafenden Kinder, Hase, Fuchs und Reh, Bäume und Pflanzen bewegen sich als Schattenspielfiguren. Hinter dem Bühnenvorhang hauchten ihnen Anita Bücker, Ingrid George und Horst Stechemesser Leben ein, letzterer hatte die Figuren handgefertigt.

Als der „sonst so vertraute Wald umheimlich wurde”, knisterten und knarrten die von Techniker Walter Bertram vorbereiteten Effekte. Auf die rhetorische Frage der Erzählerin „War die alte Frau wirklich eine böse Hexe?”, kam ein überzeugendes „Ja” aus einigen Kindermündern. Ein Trommelschlag, als Gretel die Ofentüre hinter der Hexe zuschlägt, ein Riesengetöse, als der gesamte Ofen auseinanderfliegt und damit den ratlosen Eltern die Spur zu ihren Kindern weist.

In der „Uraufführung” werden die Printenfiguren wieder zu lebendigen Kindern, die von der Hexe vor langer Zeit verzaubert worden waren. „Und man erzählt sich, dass sie so viel gegessen haben, dass nichts mehr vom Hexenhaus übrig blieb”, lautete das Ende des viel beklatschten Schattenspiels.

Durch die harmonische Begleitmusik des Flötenensembles, unter anderem mit Stücken aus der Kinderoper, wurde die Aufführung zu einem beeindruckenden Gesamtwerk. Ein sehr schönes, vom Förderverein gefertigtes Lebkuchenhaus lud im Anschluss zum Knabbern ein. Das Zuordnungsrätsel „Märchengarten” wartete auf die Kinder, ein kniffliges „Märchenquiz” auf die Erwachsenen.

Hier lautete zum Beispiel eine „Schlagzeile”: Chirurgischer Eingriff rettet Familie. Die Antwort findet sich im Tiermärchen „Der Wolf und die sieben Geißlein”, die durch den „Kaiserschnitt” des Wolfs neues Leben finden.
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