Gurken aus Holland gefragt, Blattsalat verschmäht

Von: hfs.
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Eine Folge der EHEC-Diskussion
Eine Folge der EHEC-Diskussion: Nur Gurken, deren Herkunfts- und Erzeugerland zweifelsfrei Holland war, gingen gestern an diesem Marktstand in Jülich über den Ladentisch. Foto: hfs.

Jülich. „Nein, Dankeschön, Blattsalat nehme ich heute nicht.” Die Jülicher Hausfrau ist Dauerkunde am Verkaufsstand von Brigitte Klein auf dem Jülicher Wochenmarkt. So wie diese Kundin reagierten am Donnerstag viele an ihrem Stand. Auf knackig grünem Salat blieben die Beschicker sitzen.

Es ist kurz vor Mittag und verhältnismäßig ruhig auf dem Marktplatz. Normalerweise steht um diese Zeit die Kundschaft an den beiden Gemüseständen Schlang. „Heute ist es besonders ruhig, Gesprächsstoff sind natürlich die Bakterien.” Das Stichwort lautet: EHEC. Die Erreger sind bekanntlich laut Robert-Koch-Institut für die zum Teil gefährlich verlaufenden Durchfallerkrankungen mit „Nebenkriegsschauplatz” Nieren verantwortlich. Die Vermutung lautet, dass frisches Obst und Gemüse mit EHEC verunreinigt worden sein sollen.

Brigitte Klein versucht so gut es geht Aufklärungsarbeit in Sachen Herkunfts- und Anbaufläche zu betreiben. „Die Leute wollen wissen, woher ich Salat, Gurken oder Tomaten beziehe”, sagt die Marktbeschickerin und erklärt, „dass ich meine Ware wie schon immer aus dem Vorgebirge von den dortigen Lieferanten und Erzeugern bekomme.” Vorgebirge? „Ja, die Gegend um Bornheim .” Die junge Frau, die gerade Tomaten geordert hat, erspart sich die weitere Frage, wo denn Bornheim liegt. Anscheinend kennt sie die Stadt vor den Toren vor Bonn, die bekannt ist für ihren Obst- und Gemüseanbau.

Von dort hat Klein auch die Schlangengurken mitgebracht, deren Verkauf am gestrigen Donnerstag ebenso schleppend über die Theke geht. „Ich kann mir gar nicht vorstellen, dass Treibhausgurken mit diesen Bakterien befallen sein können”, meint sie. Zur Unterhaltung mit der älteren Kundin bleibt an dem Tag genügend Zeit. „Man mos das Zeuch nur jot wäsche, dann passiert nix”, erklärt sie im besten Jülicher Platt.

Von gut „waschen und schälen” hat auch eine Kundin am Stand von Elisabeth Schmitz gehört. Was die Verkäuferin bestätigt. Sie hat schon am Dienstag auf dem Jülicher Wochenmarkt bemerkt, dass Aufklärung vonnöten ist. „Können sie garantieren, dass der Salat und die Gurken nicht aus dem Norden von Deutschland kommen?” Es ist die am häufigsten gestellte Frage, die Elisabeth Schmitz zur Hälfte genau beantworten kann. „Die Tochter des Chefs hat heute ausnahmsweise einmal Gurken aus Holland geordert. Aber woher der Salat kommt, kann ich nicht mit Sicherheit sagen.” Die Marktfrau rät den Kunden, was sie ebenfalls gehört oder gelesen hat. „Gut waschen, oder aber die Gurken schälen.” Dass man als Marktfrau auch über exzellente geografische Kenntnisse verfügt, setzt die Kundin voraus, die in einem anderen Geschäft Tomaten gekauft hat - aus Paderborn, „liegt das auch noch im Norden?”

Einig sind sich Elisabeth Schmitz und Brigitte Klein darin: Wenn bis Samstag die Herkunft des Erregers nicht gefunden wurde und die Herkunft der Waren nicht genau geklärt sind, wird das in Verruf gekommene Gemüse erst gar nicht mit zum Wochenmarkt nach Jülich genommen.

Angestellte aus zwei Supermärkten bestätigten, dass bereits geschnittener Blattsalat (in Tüten abgepackt) in den Kühltruhen zur Zeit liegen bleibt. Trotz absolutem Niedrigpreis: Die Kunden lassen die Finger weg.

Stehen blieben in den letzten Tagen auch die Salatkreationen im Seekasino des Forschungszentrums Jülich. „Man merkte schon, dass die Kundschaft sehr zurückhaltend war”, bestätigte Küchenmeister Sven Bode. Salat, Gurken und Tomaten „waren nicht gefragt, obwohl wir unsere Ware von einem Erzeuger aus der Region beziehen”.
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