Große oder kleine Fusion der Jülicher Gemeinden?

Von: Dorothee Schenk
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Jülich. Der Prozess ist in Bewegung. Derzeit wird in der Gemeinschaft der Gemeinden Heilig Geist Jülich die Meinung der 13 Gemeinden ausgewertet: Große Fusion aller Beteiligten? Kleine Fusion - nur Innenstadtgemeinden? Am 27. Juli wird das Votum auf den Weg zu Bischof Mussinghoff gebracht. Er hat das letzte Wort.

Seit Anfang des Jahres ist ein Steuerungsteam eingesetzt, das sich mit dem Für und Wider der zwei Lösungen beschäftigt hat. „Die größte Sorge, die formuliert worden ist, ist, dass bei einer Zusammenlegung zu nur einem Pfarrgemeinderat und Kirchenvorstand die anderen Ehrenamtler verloren gehen. Das ist eine Befürchtung, die man ernst nehmen, mit der man behutsam umgehen muss”, betont Regionaldekan Hans-Otto von Danwitz, der den Prozess begleitet. Seine Erfahrungen als einer der Priester der fusionierten Pfarre St. Lukas Düren sprechen allerdings eine andere Sprache.

Engagement lieber kurzfristig

Menschen täten sich immer schwerer, sich vier oder sechs Jahre in einem Gremium zu binden, seien aber durchaus bereit, eine Zeit lang Verantwortung für Liegenschaften oder besondere Bereiche wie Kinder- und Jugendarbeit zu übernehmen. „Die offiziellen Gremien bestücken wir aus allen Gemeinden. Aber es gibt, wenn gewünscht, in den Gemeinden Ausschüsse, die laufende Dinge besprechen und in die Hand nehmen - mit größerer Freiheit. Aus meiner Sicht steckt darin die Chance der Verlebendigung.”

Von Anfang an war der Verlust der Souveränität der Pfarren ein großes Hemmnis - hier geht es vor allem um Geld. Eigentlich kein Grund, wie der Regionaldekan erläutert. Die Schlüsselzuweisungen bleiben in gleicher Höhe an die fusionierte Pfarre erhalten, wie sie zuvor an die einzelnen Glieder geflossen ist. Hier wäre sogar eine größere Flexibilität möglich, wenn aus dem großen Topf des einen Kirchenvorstandes geschöpft werden könnte.

Gleichzeitig ist es - im Hinblick auf KIM (Kirchliches Immobilien Management / Anm. d. Red) mit der Vorgabe des Bistums 40 Prozent der Gebäude „einzusparen” - einfacher im Verbund auf einzelne Liegenschaften zu verzichten, etwa Pfarrhäuser. Übrigens: Stiftungen sind und bleiben an die Kirchtürme gebunden, gehen also nicht im Gesamt-Gemeindevermögen auf.

Mit diesen Überlegungen sind die Pfarrgemeinderäte und Kirchenvorstände von Barmen, Bourheim, Broich, Güsten, Jülich, Kirchberg, Koslar, Selgersdorf, Stetternich, Mersch und Welldorf in die Beratung gegangen. Das Ergebnis steht aus, aber für den Regionaldekan ist klar: Wenn in Jülich die kleine Fusion mit den Innenstadtpfarren kommt, dann blieben die „kleinen” immer nur ein Anhängsel. Und wenn dann doch die große Fusion kommt, werden sie einfach nur zugeschlagen. „Jetzt haben wir die Chance, den Prozess gemeinsam zu gestalten - vom Wahlverfahren für die Gremien bis zur Organisation. Darum heißt es jetzt, diesen Weg gemeinsam zu gehen. Dass das schmerzlich ist, ist mir klar.”

Seit 10. Juli werden die Entscheidungen ausgewertet. Da im November 2012 die nächsten Kirchenvorstands-Wahlen sind, soll die Situation bis dahin klar sein. Wenn Ende Juli der Brief an den Bischof geht, wird in diesem Herbst der Priesterrat sein Votum abgeben und bis November ist die Entscheidung des Bischofs gefallen. Die Fusion selbst ist dann nur noch ein rechtlicher Akt, den der Regierungspräsident unterschreibt. Er stellt eine Urkunde aus, und damit ist die neue Pfarre auf den Weg gebracht.

Geht Schophoven gen Jülich?

In Inden ist aus Sicht des Pastoralteams die Fusion nur noch ein logischer Schritt, um das zum Ausdruck zu bringen, was im Leben der Gemeinden schon Praxis ist. Hier ist durch die Geschichte schon viel zusammen gewachsen. Inden/Altdorf, Frenz, Lamersdorf und Lucherberg haben schon jetzt ein gemeinsames Pfarrbüro und eine gemeinsame Gottesdienstordnung.

Derzeit steht die Frage an, ob Schophoven aus der GdG Langerwehe-Inden ausgegliedert und Jülich zugeschlagen wird. Wenn nach der Abbaggerung der riesige See entsteht, ist Inden/Altdorf 14 Kilometer von Schophoven entfernt. Auf der anderen Seite bestehen Befürchtungen, dass durch eine Ausgliederung aus dem Indener Verbund die Solidarität mit der Indener Kommune vor allem in den Braunkohlefragen verloren geht - auch wenn aus pastoraler Sicht die Zuordnung nach Jülich im wahrsten Sinne näher liegt.

In den Gremien wird noch über diese Frage diskutiert. Das letzte Wort hat aber auch hier der Bischof.
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