Grandiosen Künstler aus Jülich gewürdigt

Von: ptj
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Prosit auf die Schirmersoiree: Stifter Wolfgang Hommel (v.l.), Restaurator Börries Brakebusch, Historiker Guido von Büren, Doktorandin Miriam Elebe, Museumsdirektor Marcell Perse, Vize-Bürgermeister Wolfgang Gunia und Christoph Fischer (Museum).

Jülich. „Schon wieder Schirmer?“ Das mag sich der ein oder andere fragen. „Das ist schon gut so“, brachte der stellvertretende Bürgermeister Wolfgang Gunia zur Einstimmung auf die Soiree zum 150. Todestag des Jülicher Landschaftsmalers das „Jülicher Alleinstellungsmerkmal“ auf den Punkt.

Drei Personen dankte Gunia besonders: Wolfgang Hommel, der dem Museum zum Jubiläum die Schirmerzeichnung „Reminiszenz an eine Rurlandschaft“ aus dem Familienerbe schenkte. Heinz-Willi Schlader, der aus eigener Sammlung einige Stiche Schirmers vermachte. Thomas Rachel, der in seiner Eigenschaft als Parlamentarischer Staatssekretär „indirekter Sponsor“ der Dauerleihgabe „Waldteich mit Störchen“ wurde.

Inzwischen bezeichnet das Museum das Kunstwerk exakter, da es sich bei den Vögeln doch nicht um Störche, sondern um Graureiher handelt. Im ersten der vier Kurzreferate benannte Museumsleiter Marcell Perse in seinem Exkurs „Neues aus Forschung und Sammlung“ eine weitere Wohltäterin: Die tschechische Bildhauerin Majka Wichner, die lange in Jülich wirkte. Sie, eine angesehene Medailleurin in ihrer Heimat nahe Prag, schenkte dem Museum eine Schirmer-Gedenkplakette. Zudem hat das Land NRW zum Schirmerjahr eine Restaurierungsförderung für 21 Schirmergemälde aus der Jülicher Sammlung zugesprochen.

Sein Referat hatte Perse in vier Aspekte unterteilt: „Komplexe“, also die Vernetzung der Sammlung. „Karrmann“, der Nachlass aus der ehemals größten Schirmersammlung im amerikanischen Cincinnati. „Kohle“: Hier sprach Perse über Schirmers einst neue Technik, die Kohlezeichnung „mit Pariser Charme, fein zerrieben und lavierend. Die Rolle Schirmers in der Wiederbelebung der Kohletechnik ist in Deutschland noch nicht so richtig wahrgenommen worden“, betonte er. „Kopien“: Hier unterschied Perse etwa zwischen Altmeister- oder Motivkopien Schirmers. Natürlich wurde der „erfolgreichste Ausbilder in Kunstgeschichte im deutschen Raum des 19. Jahrhunderts“ auch selbst kopiert.

Zweiter Referent war der Düsseldorfer Restaurator Börries Brakebusch, der nach Perses Bekunden „viel für uns und für dieses Thema getan hat“. Brakebusch beschäftigte sich mit Schirmers Meisterwerk „Die Ruhe vor dem Sturm“, eine von „Schirmers Landschaftskompositionen, die fest etabliert waren in der Gesellschaft“. Er bildete eine Landschaft nicht direkt ab, sondern gestaltete daraus ein Kunstwerk, indem er die prägnanten Künstlermotive verdichtete, also Berge näher heranholte oder aus einer anderen Himmelsrichtung betrachtete, und etwa mit einer Gewitterstimmung komponierte. „Schirmer macht nicht nur ideale Kompositionen, sondern möchte auch noch Naturalist und Realist sein. Er hat nicht nur akribisch vorgezeichnet und ausschraffiert, sondern per Lochpause übertragen.“

„Ich bin die Neue in der Schirmerforschung und werde mich in den nächsten zwei Jahren in meiner Dissertation mit Schirmers Reise nach Italien (von Juli 1839 bis Oktober 1840) befassen“. Frisch und frei stellte sich die Kunsthistorikerin Miriam Elebe aus dem belgischen Aubel vor. Nicht weniger lebendig gestaltete sich ihr Vortrag, in dem sie Schirmers Reiseroute nachzeichnete und eine Reihe von Landschaftsstudien, etwa nach dem Fresko von Gaspard Dughet, mit den Originalwerken verglich. „Es sind grandiose Werke“, lobte die Doktorandin Schirmers „filigrane Art der Blätter, Licht und Schatten. Man hat das Gefühl, er zeichnet alles in einem Strich.“

Historiker Guido von Büren stellte das Ausstellungskooperationsprojekt des Jülicher und Opladener Geschichtsvereins mit dem Museum, dem Haus der Stadtgeschichte Leverkusen und weiterer Projektpartner in vier Ansätzen vor: „Das preußische Jahrhundert – Jülich, Opladen und das Rheinland zwischen 1815 und 1914“. Laufzeit des Projekts ist für Juni 2015 bis Januar 2016 geplant. Hier wird unter anderem Schirmer als Zeitzeuge für wesentliche Entwicklungen des preußischen Jahrhunderts im Rheinland vorgestellt.

Bei einem Glas Sekt in gemütlicher Gesprächsrunde wurde auf das Jubiläum angestoßen.

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