Goswin Nickel: Andenken an einen großen Sohn der Stadt

Von: Peter Nieveler
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Noch heute erhalten ist ein Teil des heimatlichen Gehöftes der Familie Nickel, auf der Wand des „De-Nickel-Schuppens“, in dem Arnold Schlader arbeitete, ist das alte Wappen abgebildet. Foto: Dolfus
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Das Bildnis Goswin Nickels von mit der angehängten Kartusche, die über die Wahl Nickels zum Generaloberen am 17.März 1552 und seinen Tod am 31. Juli 1564 im Alter von 82 Jahren berichtet.
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Eine Skulptur Arnold Schladers auf dem Koslarer Kreisverkehr am Ortsausgang Richtung Barmen stellt den berühmten Sohn des Ortes dar. Foto: Dolfus

Jülich. Am Donnerstag vor 350 Jahren, am 31. Juli 1664, starb in Rom ein Mann, der es verdient hat, dass man sich seiner erinnert. Er war der erste deutsche Generalobere der „Gesellschaft Jesu“, des Jesuiten-Ordens, dem weltweit auch heute noch 17.000 Mitglieder angehören.

Die meisten von ihnen sind Priester, und zu diesen gehört auch Papst Franziskus. Goswin Nickel war der 10. Ordensgeneral der Jesuiten, und nach ihm gab es nur noch einen einzigen Deutschen in diesem hohen kirchlichen Amt. Die Jesuiten unterscheiden sich in vielerlei Hinsicht von anderen Orden. Sie tragen kein Ordensgewand, sondern einfache dunkle Anzüge. Sie wohnen zwar meist in so genannten Residenzen, können aber genau so gut in der Welt leben und wohnen. Das ewige, feierliche Gelübde, das nur die Jesuiten ablegen, die für höhere Ämter vorgesehen sind, umfasst das Versprechen der Armut, der Ehelosigkeit und des Gehorsams.

Wie wichtig ihm diese Armut ist, beweist der Jesuit Papst Franziskus Tag für Tag durch sein Handeln und Verkünden. Ähnlich muss es Goswin Nickel gehalten haben, der am 1. Mai 1582 in Koslar geboren wurde und zwar auf dem Lützeler Hof, der früher Nickels Hof hieß. An diesen erinnert noch der De-Nickel-Schuppen in einem Teil des alten Hofes an der „Goswin de Nickel Straße“. Im Herzogtum Jülich-Berg durften alle Schöffen-Familien – und eine solche war auch die Familie Nickel – ihrem Namen den Zusatz „von“ oder eben „de“ zufügen. Der Jesuitengeneral Goswin Nickel hat diesen Zusatz nie verwendet. Dass er heute doch immer wieder zu lesen ist liegt wohl an der schon 1933 vom Koslarer Gemeinderat vergebenen Straßenbezeichnung „Goswin-de-Nickel Straße“. Damals legte man sicher noch mehr Wert auf Adelsprädikate als heute.

Herzensangelegenheit Jülich

Nickels allererstes Schreiben an die Mitglieder der Gesellschaft Jesu beschäftigte sich mit der „vollkommenen Armut“. Goswin Nickel wurde 82 Jahre alt, von denen er 60 Jahre im Orden und wenigstens 40 Jahre in leitender Stellung verbrachte. Zehn Jahre lang war er als Provinzial Leiter der Niederrheinischen Ordensprovinz der Jesuiten. Neben den auch in anderen Orden üblichen Gelübden versprachen die „jesuitischen Spitzenkräfte“ noch einen besonderen Gehorsam gegenüber dem Papst, ein eifriges Bemühen um die Erziehung der Jugend und eine absolute Zurückhaltung in Bezug auf alle weltlichen und kirchlichen Ämter. An seiner Heimatstadt Jülich war Goswin de Nickel besonders gelegen. So half er zweien seiner Nichten bei der Errichtung eines Sepulchrinerinnen-Klosters in Jülich an der Großen Rurstraße zwischen Post- und Stiftsherrenstraße. Den „Schwestern vom Hl. Grab“, wie sie auf Deutsch hießen, verschaffte Goswin Nickel die Reliquien der Hl. Albina, die leider 1944 verloren gingen. Das erste Bemühen der Schwestern galt aber der Mädchen-Erziehung in Jülich.

Gymnasium gesichert

Das „Gymnasium Zitadelle der Stadt Jülich“ verdankt sein Bestehen zum nicht geringen Teil Goswin Nickel. Er sorgte mit intensivem Engagement dafür, dass die Schule 1664 von den Jesuiten übernommen und in ihrem Bestand gesichert wurde. Goswin Nickel war es auch, der seinen Ordensbruder Friedrich Spee von Langenfeld, dessen Lieder von Christen bis heute gesungen werden, vor dem Ordens-Ausschluss bewahrte. Spee ist der Verfasser des Buches „Cautio Criminalis – Rechtliche Bedenken gegen die Hexen-Prozesse“, das im Jesuitenorden wie in Staat und Kirche ungeheures Aufsehen erregte. Es war ohne Ordensgenehmigung erschienen, und nur ein einflussreicher Mann wie der Provinzial Goswin Nickel konnte Spee vor einer Verurteilung retten und so der Vernunft, Menschlichkeit und christlichen Liebe trotz des grassierenden Hexenwahns einen Weg offenhalten.

Das Andenken an Goswin Nickel wurde in Koslar und Jülich stets erhalten, wie die Skulptur am Ortsausgang von Koslar zeigt. Zum 350. Todestag erinnert der „Geschichtsverein Koslar“ mit dem „Jülicher Geschichtsverein“ und der Pfarrei Heilig Geist am Sonntag, 24. August, an diesen bedeutenden Mann des Jülicher Landes.

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