„Giftig vs. essbar”: Gute Tipps gibts bei der Pilz-AG

Von: ptj
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„Lebendiges” Anschauungsmate
„Lebendiges” Anschauungsmaterial: Die Pilz-AG verfügt über viele Exemplare. Foto: Jagodzinska

Jülich. Nicht das „Essen von Pilzen”, sondern deren Kennenlernen und Erforschen ist Schwerpunkt der im März gegründeten Pilze-AG unter dem Dach der VHS Jülich.

So stand der Powerpoint-Vortrag mit dem Titel „Giftig vs. essbar” mit steigendem Schwierigkeitsgrad über Pilze mit hohem Verwechslungsfaktor im Mittelpunkt eines neuerlichen Treffens der AG im VHS-Gebäude, der ehemaligen Schirmerschule in der Düsseldorfer Straße.

Referent Björn Wergen aus dem AG-Vorstand startete mit dem Gallenröhrling, einem klassischen Doppelgänger des Fichtensteinpilzes, dem dieser vor allem im Jungstadium täuschend ähnlich sehen kann.

Während der Gallenröhrling, der über einen starken Bitterstoff verfügt, eine dunkle Netzzeichnung am meist ockergelben Stiel sowie eine rosa Röhrenfärbung im Alter aufweist, verfärben sich die Röhren des Steinpilzes ins Grüne.

Deutlich schwieriger gestaltete sich die Unterscheidung dreier präsentierter Arten, die man „als Pilzsachverständiger kennen sollte”: Der „Maipilz” oder „Mairitterling” ist ein „guter Speisepilz, dessen aufdringlicher Mehlgeruch mit dem Kochen vergeht”.

Sein Double, der Weiße Rasling, der früher als essbar galt, enthält das DNA-schädigende Gift Lyophyllin. Der Drilling, der „Ziegelrote Riss-pilz”, dessen Hut radialfaserig und am Rand gerissen ist, enthält hingegen hochgiftiges Muscarin. Umso wichtiger erscheint hier die goldene Regel: „Generell ist davon abzuraten, Pilze in der Natur zu probieren, außer bei Milchlingen und Täublingen.”

Die Gattung der Milchlinge umfasst in Mitteleuropa immerhin mindestens 80 bekannte Arten, die sich in der Regel durch mittelgroße, zentral gestielte Fruchtkörper mit konvexem bis trichterförmigem Hut auszeichnen, die nach Verletzung einen unterschiedlich gefärbten Milchsaft ausscheiden.

Zu den artenreichsten Pilzgattungen zählen die Täublinge mit ihren etwa 150 Arten. Ihre Fruchtkörper zeigen häufig in der Huthaut leuchtende Farben, während Fleisch, Lamellen und Stiel oft weißlich bis elfenbeinfarbig sind.

Natürlich hatten die Pilzexperten reichlich „lebendiges” Anschauungsmaterial im Gepäck: Vom schmackhaften Frauentäubling über den ungenießbaren Fallschirm-Schwindling und den als Mischpilz brauchbaren „Wurzelnden Schleimrübling” bis hin zu wunderschönen, aber ungenießbaren Erdsternen.

Die sechs zertifizierten Pilz-Gutachter der AG - die anderen sechs sind schlicht „Pilzfreunde” - haben ihre theoretische und praktische Prüfung in einer Ausbildungsstätte der Deutschen Gesellschaft für Mykologie abgelegt.

Sie besitzen einen Ausweis der Gesellschaft und fungieren auf deren Notrufseite als Ansprechpartner bei Pilzvergiftungen. Zu ihnen zählen der aus Marburg stammende Sachverständige Herbert Behr, der die AG ins Rollen brachte und Kartierungen des Jülicher Raumes initiierte, und Dr. Uwe Koch, Neurowissenschaftler am Forschungszentrum Jülich.

Jeder Pilzfachmann aus der AG hat Hochinteressantes zu berichten: So wird manchen Pilzen eine Heilwirkung zugeschrieben: „Den Birkenpohrling hat der Ötzi schon als Magenbitter getrocknet und ins Essen gerieben. ”Sowieso „gibt es viel mehr essbare Pilze als Speisepilze ausgezeichnet sind”.

Ferner gilt für jeden Pilz eine einheitlich geltende lateinische Bezeichnung, während der deutsche Name regional variiert. So heißt etwa der „Amanita rubescens” Hafer- oder auch Perlpilz.

Der in Jülich bekannte Naturführer Alwin Reiche verfügt zudem über reichlich Fotomaterial über holzzersetzende oder -bewohnende Baumpilze. Viele seiner Aufnahmen werden auf der geplanten Pilzausstellung am 2. und 3. Oktober im Foyer der Alten Schirmerschule zu sehen sein.

Bei Interesse an der Pilz-Arbeitsgemeinschaft gibt die Internetseite http://www.pilze-ag.npage.de mit Querverweis zur Notrufseite der Deutschen Gesellschaft für Mykologie weitere Auskunft.
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