Jülich - Gesellschaft gegen das Vergessen verleiht wieder Preis für Zivilcourage

Gesellschaft gegen das Vergessen verleiht wieder Preis für Zivilcourage

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Jülich. Die Jülicher Gesellschaft gegen das Vergessen und für die Toleranz blickt auf ein ereignisreiches Jahr 2008 zurück.

Die eindrucksvolle Veranstaltung am 27. Januar mit Minister Armin Laschet machte den Auftakt. Das Engagement gegen Fremdenhass und für Integration standen im Mittelpunkt. Sechster Träger des Preises für Zivilcourage, Toleranz und Solidarität wurde Marijke Barkhoff-Freeling für ihr Engagement bei „Kultur ohne Grenzen”.

Es folgte die von der Antifa Düren übernommene Ausstellung „Gewalt von rechts” im Jülicher Rathaus, mit der die Jülicher Gesellschaft auf die Gewaltbereitschaft rechtsextremistischer Kräfte in Deutschland seit der Wiedervereinigung hinwies.

Im November beteiligte sich die Jülicher Gesellschaft wie gewohnt an der Gestaltung der jüdischen Woche. Im Jülicher Amtsgericht zeigte die Gesellschaft die Ausstellung „Juristen ohne Recht” der Rechtsanwaltskammer Köln, die dem ermordeten Jülicher Juristen Dr. Alfred Mendel gewidmet war. Damit sollte der Auftakt gesetzt werden, auch die Verstrickung der Justiz im Jülicher Land aufzuarbeiten.

Besucher aus Amnerika

Emotional sehr aufwühlend war der Besuch von zwei Verwandten von Dr. Alfred Mendel. Zum ersten Mal in Deutschland und in Jülich war Joanne Auman, geborene Rosenwald. Die gebürtige Kanadierin, die heute in New York lebt, ist die Tochter von Leni Mendel aus Jülich, Düsseldorfer Straße 32 (heute Bonhoeffer-Haus). Sie besuchte Jülich mit ihrem Ehemann Kenneth Auman, einem Rabbiner in Brooklyn. Sie traf in Jülich zum ersten Mal ihren Vetter Maurice de Mandela’re, Sohn von Rudolf Mendel aus Jülich. Rudolf Mendel verlor Frau und Kind 1940 bei einem deutschen Bombenangriff auf Dünkirchen. Er hat den Krieg versteckt in Frankreich überlebt und war Mitglied der Resistance (Maquisard). Er wurde mit dem „Croix de Guerre” für seinen tapferen Kampf gegen die deutschen Gewaltherrscher ausgezeichnet. Nach dem Krieg (1958) lebte er kurzzeitig wieder in Jülich.

2009 beginnt die Jülicher Gesellschaft zum 7. Mal mit der Veranstaltung zum 27. Januar. An diesem Tag begeht sie den 64. Jahrestag der Befreiung des KZ Auschwitz. „Auschwitz” ist weltweit das Synonym für die Terror-Herrschaft von Nazi-Deutschland.

Vortrag von Thomas Rachel

Die Veranstaltung beginnt am Dienstag, 27. Januar, um 19 Uhr im Technologie-Zentrum. Thomas Rachel MdB, parlamentarischer Staatssekretär im Bundeswissenschaftsministerium, wurde für einen Vortrag gewonnen. Der zum vierten Mal verliehene Preis für Zivilcourage, Toleranz und Solidarität geht an drei Preisträger. Dazu kommt noch ein Sonderpreis.

2009 stehen einige wichtige Gedenktage an: Erinnerung an den Beginn des Zweiten Weltkrieges und die Zerstörung Jülichs. Wird es gelingen, bei dieser Erinnerung nicht zu vergessen, dass die Entfesselung des Weltkriegs durch Deutschland die folgerichtige Entwicklung nach dem Terror im Innern war und dass in Jülich der 16. November 1944 nur verstanden werden kann, wenn man den 30. Januar 1933 und (zum Beispiel) den 1. September 1939 mit-denkt? Die Jülicher Gesellschaft hofft, dass dies gelingt. Sie regt erneut an, die mehr als zwölf Jahre des Nazi-Terrors nach innen und außen als Einheit zu betrachten.
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