Jülich - „Geschichte am Sonntag”: Führung durch das 2000 Jahre alte Jülich

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„Geschichte am Sonntag”: Führung durch das 2000 Jahre alte Jülich

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Renaissance an der Rur: Torbog
Renaissance an der Rur: Torbogen zum Innenhof der Zitadelle Jülich. Foto: Schenk

Jülich. Zum Saisonabschluss der Reihe „Geschichte am Sonntag” (GaSt) führt Dr. Rüdiger Urban vom Förderverein Festung Zitadelle am 7. Oktober durch Jülichs 2000-jährige Geschichte.

Jülich wurde von den Römern gegen Ende des ersten Jahrhunderts v. Chr. nahe einer Furt der Rur an der römischen Heerstraße Via Belgica als „Juliacum” gegründet und im 4. Jahrhundert durch ein Kastell befestigt. Noch heute lässt sich dessen Grundriss um den heutigen Marktplatz nachvollziehen. Urban lädt Besucher ein, sich am Sonntag bei auf einen Spaziergang durch die Zeit zu machen. Treffpunkt ist um 11 Uhr an der Pasqualini-Brücke am Schlossplatz.

Rund 1500 Jahre nach der ersten Stadtgründung, konnte Alessandro Pasqualini für Herzog Wilhelm V. nach einem Stadtbrand auf den Fundamenten der mittelalterlichen Stadt eine moderne Stadtanlage „auf dem Reißbrett” entwerfen: Die „Idealstadtanlage der Renaissance” als Hauptresidenz der vereinigten Herzogtümer von Jü-lich, Kleve, Berg. Das Pentagon des Stadtgrundrisses erschließt sich einem heute nur aus der Luft.

Besucht wird die imposante Zitadelle, die mit neun Hektar nur wenig kleiner ist als die „Pasqualinische Altstadt”. Erkundet werden dabei die Johannes-Bastion mit ihren verschiedenen Verteidigungsebenen, das napoleonische Pulvermagazin, die Kasematten, Kanonenhöfe und Horchgänge. Von der Bastionsspitze gewinnt der Besucher einen beeindruckenden Überblick über die Größe der Festung und ihre Lage zur Stadt. Sie hatte Pasqualini nach verteidigungsstrategischen Gesichtpunkten geplant, die heute noch das Jülicher Stadtbild unverwechselbar prägen.

Aber auch der Blick aufs Detail wird geführt. Etwa auf die Formensprache der Bauhütte von St. Peter in Rom bei der Schlosskapelle an der Ostfassade. Und: Warum finden sich drei kleinen Engeln im Stil von Rafael auf einem einzigen der vielen Kapitelle des herzoglichen Schlosses? Hinterfragt wird das „palazzo in fortezza”, das fürstliche Schloss in der uneinnehmbaren Festung, errichtet nach der neuesten neuitalienischen Festungsbauweise mit der Vermeidung von toten Winkeln. Uneinnehmbar sollte sie sein, Pulver und Kanonen - eben erst als Waffen „entdeckt” - widerstehen.

Der Blick in die nahe Vergangenheit zur dritten Stadtgründung: Bei einem einzigen Luftangriff im November 1944 wurde Jülich nahezu vollkommen zerstört. Beim Wiederaufbau entschieden sich die zurückkehrenden Bürger bewusst für eine Neugründung auf den alten Fundamenten der Renaissance-Stadt.

Einem glücklichen Zufall ist es zu verdanken, dass dabei auf Vorkriegspläne des Aachener Architekturprofessors von Schöfer zurückgegriffen werden konnte, die kongenial an die zweite Stadtgründung unter Pasqualini anknüpften.

Ihm verdankt Jülich eine Altstadt, die sich dem fachkundigen Besucher in vielen mal größeren, mal kleineren Architekturmerkmalen in den Formen der italienischen Renaissance präsentiert. So prägt heute das Vorbild der „Pasqualinischen Altstadt” aus dem 16. Jahrhundert das innerstädtische Erscheinungsbild.
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