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Geschäftsführerin Dorothee Esser-Link verlässt den Brückenkopf-Park

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Dorothee Esser-Link verlässt in Kürze den Brückenkopf-Park: ein Naherholungsgebiet, „das seinesgleichen sucht“, und ein wichtiger „weicher Wirtschaftsfaktor“, der eine Grundlage zur Akquirierung von Unternehmen und Arbeitsplätzen bilde. Foto: Uerlings

Jülich. Sie hat keinen Hehl daraus gemacht, dass sie Jülich aus privaten Gründen verlässt. Dr. Dorothee Esser-Link erzählt im Interview, dass sie nur noch wenige Tage zu arbeiten hab, dann wechselt sie zur Stadt Hameln und damit in die Nähe ihres Ehemannes, den sie oft nur am Wochenende sah. Die 56-Jährige hat die große Jülicher Freizeiteinrichtung Brückenkopf-Park 14 Jahre geleitet und geprägt.

Sie musste viel Kritik einstecken, weil der Park die Stadt viel kostet. Zum Abschied hat die Lokalredaktion ein Interview mit ihr geführt, die Fragen stellte unser Redakteur Volker Uerlings.

Sind Sie eigentlich froh, wenn Sie sich in Zukunft nicht mehr rechtfertigen müssen, dass der Brückenkopf-Park der größte städtische Zuschuss-Empfänger ist?

Esser: Ich freue mich tatsächlich darüber – und zwar umso mehr, als die Kritik, dass er der größte Zuschussempfänger sei, nur eine sehr einseitige Sicht der Dinge widerspiegelt. Tatsächlich liegen, wenn man die Zahl der Besucher zugrunde legt, die Zuschüsse für andere kommunale Einrichtungen klar über dem für den Park, der mit deutlich weniger als 3 Euro pro Kopf im Jahr zu Buche schlägt.

Von anfangs gut 1,5 Millionen Euro auf inzwischen gut 600.000 Euro – die Subventionen wurden zweifelsfrei erheblich abgebaut. Es ist aber immer noch eine stattliche Summe. Nach Ihrer langjährigen Erfahrung: Wie beschreiben Sie den Gegenwert, den die Stadt dafür bekommt?

Esser: Damit hält die Kommune ein Naherholungsgebiet für ihre Bürger vor, das seinesgleichen sucht. Und nicht nur das: Jülichs Stadtimage hängt in einem nicht unerheblichen Maße von der Attraktivität dieses Parks ab. Als wichtiger „weicher Standortfaktor“ bietet er eine wesentliche Grundlage zur Akquirierung von Wirtschaftsunternehmen und damit Arbeitsplätzen – und daraus folgend Neubürgern für Jülich. Damit stellt der Park für die Stadt strukturell in etwa das dar, was zum Beispiel das Forschungszentrum gerade zur Zeit mit dem Neubau der „Kindertagesstätte Kleine Füchse“ seinen Mitarbeitern bietet. Auch die Jülicher Kindergarten- und Schulkinder profitieren nachhaltig vom großen außerschulischen Lernort-Angebot in der naturnahen Atmosphäre des Parks.

Und schließlich: Durch den stetigen Ausbau des parkeigenen Angebots für Senioren und Menschen mit Handicap bietet Jülich auch dieser Zielgruppe ein attraktives Freizeitangebot an Ort und Stelle. Noch gar nicht in Rechnung gestellt wurde dabei die große Zahl an Tagesbesuchern, die vom Park angelockt werden und Bekanntheitsgrad und Außenimage der Stadt stärken. Auf rein betriebswirtschaftlicher Ebene finden all diese Punkte übrigens ihre Bestätigung in der Tatsache, dass es gelungen ist, den Zuschuss um etwa die Hälfte der ursprünglichen Summe abzusenken – und dies entgegen der damaligen Gutachterempfehlung. Möglich wurde das nicht zuletzt deshalb, weil die Umsatzerlöse verdreifacht werden konnten.

Eine oft geäußerte Meinung ist, dass der Park mehr Geld einnehmen könnte, wenn er sein Potenzial als Veranstaltungsort häufiger nutzte. Wenn damit schnell viel Geld zu machen wäre, hätten Sie die Veranstaltungsaktivitäten vermutlich schon vor Jahren ausgebaut. Oder haben Sie die Risiken gescheut?

Esser: Als gemeinnützige GmbH unterliegt der Park rein steuerrechtlich wirtschaftlichen Restriktionen. Diese Vorgaben und das mit eigenen Großveranstaltungen immer verbundene Risiko, das Fehlen des dafür notwendigen finanziellen Polsters sowie die dünne Personaldecke haben eine Intensivierung auf dem Veranstaltungssektor in den vergangenen Jahren nicht zugelassen.

Sie haben derzeit etwa 200.000 Besucher im Jahr. Kämen 50.000 voll eintrittspflichtige Gäste mehr, könnte der städtische Zuschuss – theoretisch – halbiert werden. Liegt eine solche Steigerung im Bereich des Möglichen? Was müsste passieren?

Esser: Tatsächlich ist es immer mein Bestreben gewesen, die Umsatzerlöse zu steigern – darauf bin ich eben schon eingegangen. Dafür bieten sich theoretisch zwei Wege an: einerseits die Erhöhung der Preise für Eintritte und zusätzliche Angebote, andererseits die stetige Attraktivitätssteigerung des Parks als ganzem, um so zusätzliche Besucher zu akquirieren. Auf dieses letztgenannte Ziel habe ich bis heute mit Nachdruck hingearbeitet: So soll 2018 das Projekt „Wolfsgehege mit Erlebnisblockhütte“ realisiert werden; 2019 kann das Projekt „Abenteuer Wissen“ mit ersten Objekten umgesetzt werden, und 2020 schließlich können voraussichtlich unsere Partner aus Taicang das Angebot eines „Chinesischen Feng-Shui-Gartens“ umsetzen. Alle drei Projekte für sich – und insbesondere in ihrer Summe – werden zu einem Besucherplus führen. Verbunden mit stetigen Investitionen in Instandhaltung und Marketing ist der Park dann für die Zukunft gut aufgestellt. Vorsichtige Preissteigerungen für Eintritte und Sonderangebote scheinen vor diesem Hintergrund durchaus möglich. Keinesfalls aber sollte eine gemeinnützige GmbH wie der Brückenkopf-Park in der Preisgestaltung an gesamtgesellschaftlichen Bedürfnissen vorbeisehen.

Mehr als ein Vierteljahrhundert bei der Stadt Jülich, gut 14 Jahre an der Spitze des Brückenkopf-Parks: Was werden Sie vermissen?

Esser: In diesen Jahren ist mir vieles lieb und teuer geworden. Vermissen werde ich vor allem das Team des Parks, viele wunderbare Plätze im Park und viele enge und liebgewonnene Kontakte, die sich aus Parkoperationen ergeben haben. Ausdrücklich bedauere ich auch, dass ich die Umsetzung der genannten Zukunftsprojekte nun nicht mehr werde begleiten können. Klar ist aber, dass ich den Park mit meinem Mann auch in Zukunft als Besucher werde genießen können und wollen.

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