Gericht glaubt nicht an Fußbad-Version

Von: hp
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Titz/Düren. Fallen die aus Süd-Ost-Asien stammenden Blätter der Kratom-Baumes wegen ihrer Wirkungsweise unter die Arzneien – ja oder nein? Für das Dürener Schöffengericht unter Vorsitz von Richterin Verena Neft ist diese Frage eindeutig mit „Ja“ zu beantworten.

Es verurteilte deshalb einen 42 Jahre alten Mann aus Titz, der mit einer zweijährigen Freiheitsstrafe unter laufender Bewährung stand, zu zwei Jahren und zwei Monaten Gefängnis. Sein 37-jähriger Mitarbeiter wurde zu zehn Monaten Haft verurteilt, deren Vollstreckung das Gericht zur Bewährung aussetzte. Den beiden Männern wurde vorgeworfen, über das Internet Kratom im großen Stil verkauft zu haben.

Nach warnenden Hinweisen eines Beamten des Landeskriminalamtes an den 42-Jährigen, wonach er sinngemäß „mit dem Zeug vorsichtig sein soll“, hatte der 37-jährige Mitarbeiter den Handel mit Kratom offenbar in eigener Regie fortgesetzt und sogar seine Frau gebeten, ein Gewerbe anzumelden und das Firmenkonto zu eröffnen. Das Verfahren gegen die in diesen Handelsgeschäften offenbar ahnungslose Ehefrau war am vierten Verhandlungstag gegen eine Geldauflage eingestellt worden.

Richterin Verena Neft machte in ihrer Urteilsbegründung deutlich, dass die Version, nach der Kratom-Mischungen als Zusatz für Fußbäder angepriesen und verkauft worden seien, für das Schöffengericht nicht glaubhaft sei. Vielmehr hätten verschiedene Gutachten aber auch Ermittlungen ergeben, dass die Kratom-Mischungen als Tee verkauft worden seien – für 129 Euro pro 500 Gramm. Anhand der Gutachten sei deutlich geworden, dass die Wirkung beim Konsum an „Opiat-Rezepturen angedockt“ sei und dementsprechende berauschende Wirkung bei Menschen auslöse. Im Übrigen handele es sich um Arzneimittel ohne Zulassung.

Bis zuletzt hatten die Anwälte der Angeklagten die wissenschaftliche Qualität der Gutachten angezweifelt. Sogar die Bezirksregierung habe, in einem frühen Stadium mit dem geplanten Verkauf befasst, keine Bedenken gehabt, so erklärten die Anwälte. Davon ließ sich der Vertreter der Staatsanwaltschaft nicht beeindrucken, Kratom sei ein Arznei- und Rauschmittel, dessen Konsum zweifellos bedenklich sei.

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