Jülich - Gemeinsam Kaddisch gegen das Vergessen gebetet

Gemeinsam Kaddisch gegen das Vergessen gebetet

Von: ptj
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Juden und Christen gedachten an der ehemaligen Jülicher Synagoge der Opfer der Pogrome. Foto: Jagodzinska

Jülich. Seit 1983 gedenken Juden und Christen in Jülich an der ehemaligen Synagoge gemeinsam der Shoah. Pfarrerin Karin Latour und Pfarrer Dr. Peter Jöcken blickten zurück auf die furchtbaren Geschehnisse in der Pogromnacht am 9. November 1938, wo „Judenhass zum Trend wurde”.

Sie betonten die Wichtigkeit, „das Gedenken weiterzugeben an die Jugend, damit dem Rechtsradikalismus nicht Tür und Tor geöffnet wird”.

Schülerinnen des Mädchengymnasiums Jülich hatten sich die Frage gestellt: „Wie konnte Gott das Leid zulassen?” Handelte es sich um eine „Zeit der Gottesfinsternis”, wie der jüdische Religionsphilosoph Martin Buber vermutet? War es nach angloamerikanischen Deutungsversuchen ein göttliches Strafgericht? Oder ist Gott nach dem jüdischen Philosophen Hans Jonas ein ohnmächtiger, mitleidender Gott? „Wer ist der Mensch, dass du seiner gedenkst...”, folgten Psalmen im Vertrauen auf Gott, der diejenigen „ins Land seiner Treue führt, die seine Gebote halten”.

Kaddisch gebetet

Nicht fehlen durften der gemeinsam gebetete Psalm 121 und das jüdische Heiligungsgebet „Kaddisch”, das der Aachener Rabbiner Mordechai Bohrer in Hebräisch und Deutsch sprach. Für die musikalische Betonung sorgte das Bläserensemble der Musikschule, unter anderem mit der Neukomposition „An der Synagoge” von Klaus Luft.

Eine bewegende Ansprache von Dr. Peter Nieveler hatte dessen persönliche Erinnerungen an den „scheinbar getreppten Giebel der zerstörten Synagoge, in der Spitze mit einem runden Loch” und seine gedankliche Entwicklung zum Thema Ausgrenzung in Krieg und Zerstörung zum Inhalt.

Das Neue Geistliche Lied „Ihr Mächtigen, ich will nicht singen” zur Melodie von „Jeruschalajim schel Sahav” (Jerusalem aus Gold) beschloss die Andacht an der ehemaligen Synagoge und lud ein zum Schweigemarsch zum Mahnmal am Propst-Bechte-Platz. Dort übernahm die „Jülicher Gesellschaft gegen das Vergessen und für die Toleranz” die Reflexion mit Auszügen aus der Antisemitismusresolution des Bundestages vom November 2008: Obwohl ein Aufschwung jüdischen Lebens und jüdischer Kultur zu beobachten ist, bleibt Antisemitismus ein ernstzunehmendes Problem aller Schichten.

Wie schon die Vorredner betonte die Gesellschaft die Verpflichtung, „jeder Form des Judenhasses und des Antisemitismus schon im Entstehen in aller Konsequenz zu begegnen”. Das Lied „Komm, Herr, segne uns, dass wir uns nicht trennen”, stimmte ein auf den Austausch im Bonhoeffer-Haus.
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