Jülich - Gas geben und Menschenleben retten

Gas geben und Menschenleben retten

Von: ma.ho.
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Ehrenamtler im Rettungsdienst
Ehrenamtler im Rettungsdienst des DRK Jülich: Thomas Foders (l.) und Dirk Schüffler (r.), die in ihrer Freizeit unter anderem das Notarzteinsatzfahrzeug fahren. Foto: Horrig

Jülich. Man steht als Autofahrer an einer Kreuzung mit Ampelanlage. Die Ampel zeigt „Grün”, doch plötzlich erschallt ein Martinshorn. Der umsichtige Autofahrer wartet dann trotz „Grün”. Nach einer kurzen Zeit kommt ein Rettungsfahrzeug, Feuerwehr oder Polizei aus irgendeiner Richtung in einer Einsatzfahrt mit Sirene und Blaulicht.

Eines diese Fahrzeuge ist das sogenannte NEF (Notarzteinsatzfahrzeug), das einen Notarzt mit entsprechenden Gerätschaften zur Einsatzstelle bringt.

Doch was sind das für Personen, die mit Blaulicht und Sirene Tag für Tag von einer Einsatzstelle zur anderen „jagen”, um Menschenleben zu retten?

Stellvertretend für viele stehen Thomas Foders und Dirk Schüffler als ehrenamtliche NEF-Fahrer des DRK Jülich bereit. Gearbeitet wird im 24 Stunden-Dienst. Thomas Foders trat 1978 dem Deutschen Roten Kreuz bei.

Zunächst wollte er sich die Arbeit dort abschauen. Es hat ihm aber so viel Freude bereitet, Menschen zu helfen und die Kameradschaft zu pflegen, dass er nun mehr 33 Jahre dem DRK treu geblieben ist. Als Fahrer eines NEFs erlebt man viel Schönes, manchmal aber auch Trauriges.

Was ihn sehr bewegte, war ein Einsatz, wo er bei einer Geburt assistieren konnte und dann das neue Leben zu sehen, ist einfach überwältigend. Wie aber die Geburt zum Leben gehört, muss man sich als NEF-Fahrer auch mit dem Tod auseinandersetzen. Da gibt es viele schlimmen Bilder, die nicht so schnell zu verarbeiten sind.

Ein tragischer Einsatz blieb ihm besonders in Erinnerung. Es war der Brand einer Wohnung im Eschenweg, bei dem zwei Menschen ihr Leben verloren.

Auf die Frage, ob das Fahren eines NEFs im Einsatz gefährlich sei, meinte Foders, dass ein großes Problem die unvorhersehbare Reaktion der Autofahrer auf Blaulicht und Sirene darstelle. Man wisse nie genau, wo die Leute dann fahren.

Es gibt welche, die voller Hektik nach vorne fahren, andere fahren überhastet nach rechts oder links und es gibt welche, die erst nach einiger Zeit merken, dass wir hinter ihnen sind. Im Kreuzungsbereich wäre es am Besten, wenn die Fahrzeuge nach rechts ranfahren oder einfach stehen bleiben. „Wir suchen uns schon unseren Weg”.

„Früher war es aber auch für die Fahrzeugführer einfacher, die Richtung des herannahenden Einsatzfahrzeuges zu lokalisieren. Heutzutage sind die Fahrzeuge schalldichter, man hört uns später und eine Richtungsbestimmung wird schwierig”.

Foders, der zunächst beim DRK in Krefeld war, aber seine Wurzeln in Jülich hat, arbeitet in den meisten Fällen alle 14 Tage ehrenamtlichen 24 Stunden-Dienst. Zum Dienstantritt fährt er Freitagabend die Rettungswache auf der Oststraße an, zieht sich um, packt seine Sachen und kontrolliert das Material, sodass eine Einsatzbereitschaft hergestellt ist.

Danach fährt er zum Krankenhaus Jülich, begibt sich in einen sogenannten Ruheraum und steht für den Einsatz bereit. Nach ruhigen oder auch unruhigen 24 Stunden erfolgt die Dienstübergabe dann Samstagabend.

Der sogenannte „harte Kern” besteht beim DRK Jülich aus 15 NEF-Fahrern sowie rund 35 Rettungswagenfahrern. Uwe Palmen, Geschäftsführer des DRK Jülich, betont: „Bei einer Großschadenslage in unserem Bereich verfügen wir über ein großes Potential an hochqualifizierten Ehrenamtlern”.

Dirk Schüffler, ebenfalls ehrenamtlicher NEF-Fahrer, ist eigentlich von Kindheit an mit dem DRK verbunden, da ihn sein Vater Hans schon frühzeitig immer zum DRK mitgenommen hat. „So etwas prägt”, meint Schüffler.

Für ihn war es das schönste Erlebnis, als er seinen ersten Diensteinsatz gemeinsam mit seinem Vater fahren konnte. Aber auch Schüffler sieht das Verhalten der Autofahrer als recht schwierig. Mit Verständnis für die anderen Verkehrsteilnehmer unterstreicht er: „Wir kommen ja sozusagen plötzlich aus dem Nichts.”

Aber nicht nur das Fahren eines NEFs gehört zum Job. Da müssen Führungshilfen in der Organisationsleitung Rettungsdienst und Notarzt geleistet und Einsatzprotokolle geschrieben werden. Funkverkehr und Assistenz vor Ort gehören auch dazu.

Alles auf ehrenamtliches Basis, auf den das Rettungswesen des Deutschen Roten Kreuzes seit der Gründung beruht.
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