Fuhrpark aus Afghanistan wird in Jülich aufgearbeitet

Von: hfs
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Tonnenschwere Getriebeblöcke aus den Afghanistan-Fahrzeugen werden demnächst in Jülich im Mechatronikzentrum erneuert. Über die Vorgehensweise informierte sich der Parlamentarische Staatssekretär Thomas Rachel M.) bei Werksleiter Oberstleutnant Johann Schnell (l.) und Hauptmann Manfred Schwade. Foto: hfs.

Jülich. Was Ende dieser Woche öffentlich wurde, ist einem Teil der rund 300 Mitarbeitern des Mechatronikzentrums am Bundeswehrstandort Jülich teilweise schon seit Monaten bekannt. Doch sie hielten dicht, ließen nichts darüber verlauten, dass das Instandsetzungswerk einen Großauftrag der Bundeswehr erhielt.

Denn in wenigen Wochen werden sukzessive rund 1800 geschützte und gepanzerte Radfahrzeuge, die in Afghanistan im Einsatz waren, nach Jülich transportiert, doch aufgearbeitet und instand gesetzt. Hinzu kommen noch über 5000 Container, die den deutschen Soldaten als Büro-, Arbeits- oder auch Schlafstatt dienten, ertüchtigt, wie es im Sprachgebrauch der Soldaten heißt.

„Mit diesem Auftrag sind wir mindestens drei Jahre beschäftigt“, meinte Oberstleutnant Johann Schnell, Dienststellenleiter des Jülicher Bunderwehrstandortes, als nun offiziell mitgeteilt wurde, dass der Großauftrag ins Haus steht. Denn der Abzug der Bundeswehr aus Afghanistan – der Einsatz der internationalen Afghanistantruppe Isaf läuft Ende 2014 aus – nimmt Gestalt an.

Anfang der Woche hat im türkischen Hafen Trabzon ein erstes von mehreren Schiffen, voll beladen mit deutschem Kriegsgerät, Kurs auf das ostfriesische Emden genommen. An Bord sind rund 200 Panzer und andere Fahrzeuge, die auf dem Seeweg zurück an ihre Standorte gebracht werden. Doch zuerst einmal werden leicht geschützte Patrouillenfahrzeuge, Truppenfahrzeuge und gepanzerte Radfahrzeuge vom Typ „Dingo“ oder „Eagle IV“ auf dem Schienenweg nach Jülich gebracht.

„Hier werden sie dann gewartet, aufgearbeitet und instand gesetzt“, erläuterte der Parlamentarische Staatssekretär im Bundesministerium für Bildung und Forschung, Thomas Rachel (CDU) aus Düren. Die Aktion erfolgte in enger Abstimmung mit Rachels Kollegen aus dem Bundesverteidigungsministerium, Christian Schmidt (CSU) aus Bayern.

Rund anderthalb Jahre vor Ablauf des Mandats zum Kampfeinsatz in Afghanistan beginnt die Bundeswehr mit dem Rückzug der ersten Fahrzeuge, die in einem Zwischendepot gelagert, sukzessive zum Jülicher Mechatronikzentrum gebracht werden. Seit April werden sie vom Feldlager im nordafghanischen Masar-i-Scharif aus nach Trabzon ausgeflogen. Von dort geht es mit angemieteten dänischen Fähren vom Schwarzen Meer aus an die deutsche Nordseeküste. Waffen und anderes sicherheitsempfindliche Material fliegt die Bundeswehr mit gecharterten russischen Antonow-Transportflugzeugen über rund 5000 Kilometer Luftlinie direkt in die Heimat.

Die Radfahrzeuge landen in Jülich. Damit auch vor Ort die reibungslose Übergabe gelingt, werden rund 900 000 Euro zur Ausbesserung und Reparatur in die rund 2,5 Kilometer lange Doppelgleisanlage gesteckt. Die endet direkt vor einer der großen Werkshallen, beginnt am öffentlichen Gleisnetz der Rurtalbahn. „Die gesamte Strecke wird eine neuen Entwässerungsanlage erhalten, der Schienenstrang wird ebenso erneuert wie der Unterbau“, erläuterten Rachel und Schnell, denn schließlich müssten ja noch über 5000, teilweise bis zu 25 Tonnen schwere Container, per Bahn angeliefert werden.

„Dies ist schon eine Riesennummer“, hob auch Hauptmann Manfred Schwade die Bedeutung des Auftrags hervor. Er ist sozusagen für die Logistik zuständig, ist auch federführend für die umfangreichen Sanierungsmaßnahmen innerhalb des Mechatronikzentrums verantwortlich. Dazu zählt der Neubau einer großen Reinigungshalle. Dort werden die Getriebe- und Motorblöcke, die jeweils etwas mehr als eine Tonne wiegen, in einem neuartigen Schnellverfahren gereinigt. „Und dann fast klinisch rein den Mitarbeitern zur Inspektion und Wartung übergeben“, so Schwade.

Dass der Großauftrag für die Arbeiter und Angestellten eine zusätzliche Motivation sei, wieder an der neusten Technik der Bundeswehr zu arbeiten, dies verstehe sich von selbst, hob Johann Schnell hervor. Bereits seit September des vergangenen Jahres wurden die damit betrauten Kräfte besonders geschult, weilten teilweise in der Schweiz, in Aachen oder Stuttgart und wurden von der Herstellern der Fahrzeuge, wie zum Beispiel Mercedes, auf die kommenden Aufgaben vorbereitet.

Die werden das Mechatronikzentrum noch Jahre beschäftigen. „Wir blicken mehr als zuversichtlich in die Zukunft“, unterstrich denn Oberstleutnant Johann Schnell, ehe er seinem Besuch aus Berlin die bisherigen Sanierungsmaßnahmen innerhalb des Zentrums zeigte und erläuterte.

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