Für den Minerva-Preis: Zusammenarbeit über Grenzen hinweg

Von: ptj
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Zum 11. Mal zeichnet der Förderverein Museum Jülich Persönlichkeiten aus, die „auf der Grenzlinie zwischen Kultur, Wissenschaft und Wirtschaft stehen: (V.l.) Fördervereinsvorsitzender Prof. Wolfgang Marquardt, Museumsdirektor Marcell Perse, die geehrten Professoren Chevalier Paul Vandenplas, Marnix van der Wiel, Gerd Wolf, Laudator Prof. Hardo Bruhns und Bürgermeister Heinrich Stommel, der in seinem Grußwort den internationalen Charakter der Via Belgica mit der euregionalen Zusammenarbeit in einen Kontext setzte. Foto: Jagodzinska

Jülich. Zum 11. Mal trafen bei der Verleihung des Minerva-Preises des Fördervereins Museum Jülich „Tradition, Mission, Geschichte und Zukunft“ aufeinander. So formulierte es Prof. Wolfgang Marquardt, Vorstandsvorsitzender des Forschungszentrums Jülich (FZJ) und damit traditionsgemäß auch Vorsitzender des Fördervereins Museum Jülich.

In der voll besetzten Schlosskapelle saß ein internationales Publikum. Nicht ohne Grund, denn drei Plasmaphysiker aus der Euregio wurden mit dem Symbol der antiken Göttin der Wissenschaft und Technik geehrt. Gemeinsam und grenzüberschreitend haben sich die Professoren Chevalier Paul Vandenplas (Ecole Royale Militaire/Belgien) Marnix van der Wiel (Fom-Institute for Plasma Physics/Niederlande) und Gerd Wolf (FZJ) im Fusionsforschungsprojekt „Trilateral Euregio Cluster“ (TEC) große Verdienste erworben.

Wie seine Vorredner betonte Laudator Professor Hardo Bruhns, Vorsitzender des Arbeitskreises Energie in der Deutschen Physikalischen Gesellschaft, die Weitsicht und das herausragende Engagement der Preisträger bei der Gründung dieses neuartigen Modells einer wissenschaftlichen Zusammenarbeit innerhalb der EU. „Ihr Drang nach Erkenntnis in der äußerst spannenden Physik verbindet sich mit einer Zielsetzung, die der Minerva würdig ist, der Verwirklichung der Kernfusion.“ Die trilaterale Kooperation führte zu zukunftsweisenden Ergebnissen des TEC und machte die Forschungsstadt Jülich wie die gesamte Euregio weltweit bekannt.

Gebündelte Forschung

Durch die koordinierten Arbeiten zur Plasma-Wand-Wechselwirkung bündelten die in Eurofusion koordinierten Forschungsinstitutionen nachbarschaftlich ihre Forschungsarbeiten. Sie entwickelten und nutzen experimentelle Einrichtungen und bündelten finanzielle und personelle Ressourcen. Wolf, bekannt durch „herausragende Arbeiten zur Stellaratorphysik und Hydrodynamik“, entwickelte 1975 als Direktor am Jülicher Institut für Plasmaphysik die Großforschungsanlage Textor, die 1977 gebaut wurde.

Bei der schwierigen physikalisch-technischen Umsetzung der Ionenzyklotronheizung, die Radiowellen in das Plasma einstrahlen soll, um den Einfluss eines Millionen Grad heißen Plasmas auf die Wand zu untersuchen, begegnete er Paul Vandenplas aus Brüssel. Dieser hatte 1959 in Kalifornien mit Forschungen zur Wellenheizung von Fusionsplasmen begonnen und sie in Brüssel weiterverfolgt. In der belgischen Hauptstadt baute er ein Institut für Plasmaphysik auf. 1970 installierte das Brüsseler Labor als erste europäische Universität einen Tokamak für relevante Studien zur Wellenheizung. 1981 ging das Großexperiment Textor gemeinsam mit einem Tokamak in Betrieb.

Kontakte nach Jülich führten dazu, dass die Brüsseler Gruppe für die Ionenzyklotronheizung des Textor-Plasmas gewonnen wurde. Nicht viel später bezog man auch das führende niederländische Fusionsforschungsinstitut in Nieuwegein mit ein. Dort widmete sich Marnix van der Wiel dem Bau hochintensiver Strahlungsquellen und förderte Arbeiten zu neuartigen Messverfahren von Plasmaeigenschaften. Obwohl „Jülicher Diagnostik weltberühmt war, war sie durch Mittel und Hände begrenzt“.

Anfang der 1990er Jahre entwickelten die drei Preisträger das Konzept einer vertieften Zusammenarbeit zur wissenschaftliche Nutzung und Weiterentwicklung von Textor. In einem Lenkungsgremium waren die drei Partner gleichberechtigt mit je einem Direktor vertreten und waren alle in das Europäische Fusionsprogramm eingebunden. Die TEC-Übereinkunft wurde 1996 in Jülich unterzeichnet. Nach Auslaufen des Textor-Projektes wurde TEC zum Erfolg, da es „eine Forscherkapazität bereitgestellt hat, die für Jülich alleine nicht zu erreichen gewesen wäre“.

Das Thema Plasma-Wandwechselwirkung ist weiterhin gemeinsamer Forschungsgegenstand an anderen Anlagen in Jülich und den Niederlanden. Die belgische Gruppe hat weltweite Reputation als Ansprechpartner für Ionenzyklotronheizung erworben, den Niederlanden ist Erfolg in der Diagnostik beschieden. Das deutsche Textor-Team hat eine wichtige Rolle bei dem neuen Stellarator Wendelstein 7-X im Max-Planck-Institut übernommen.

Im Geiste der Freundschaft

Neben etlichen Worten des Dankes und der Anerkennung betonten die Geehrten zumeist in englischer Sprache, dass viele Namen, die an diesem großartigen Unternehmen mitgewirkt haben, es verdient gehabt hätten, an ihrer Statt geehrt zu werden. Wolf nannte das trilaterale Motto: „Zusammenarbeit ist ein Gewinn an Leistungsvermögen, aber ein Verlust an Souveränität“, um sogleich in Englisch fortzufahren: „It was only possible with the spirit of trust, friendship an honesty.“ (Es war nur möglich mit dem Geist des Vertrauens, der Freundschaft und Ehrlichkeit).

Für das musikalische Rahmenprogramm der Feierstunde sorgten die Musikschüler Katharina Rings und Annette Grooß (beide Violine), Madita Rathmann (Viola) und Jochen Grooß (Cello) mit Werken von Bach.

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