Jülich - Für den Jülicher Verein Bolivien-Brücke ein Jahr lang in El Alto

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Für den Jülicher Verein Bolivien-Brücke ein Jahr lang in El Alto

Von: Dorothée Schenk
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Jülich. Tief bewegt ist Frauke Heinemann. Selbst das trifft es nicht ganz, eher: im Innersten berührt. Die 21 Jahre alte Mönchengladbacherin war für ein Freiwilliges Soziales Jahr vom Jülicher Verein Bolivien-Brücke nach Südamerika entsandt worden.

Allein die Frage „Wie war es?” bringt die junge Frau über 10.000 Kilometer um den Erdball: „Es geht ein ganzer Film ab”, erklärt sie. Ihre Gedanken wandern zu Magale, dem sechsjährigen Mädchen, das mit seinen zwölf Geschwistern in einer Ein-Zimmer-Hütte wohnt, in der auf 15 Quadratmetern zwei Betten stehen, ein Fernseher, ein DVD-Player und eine Kochstelle die Grundausstattung bedeuten.

Auch das Leben in Kurmi, der Kindertagesstätte, ist wieder greifbar nah. Hier werden Kinder nicht nur betreut und ihre Hausaufgaben überwacht, sie lernen die Grundzüge der Hygiene kennen, erhalten warmes Essen und können spielen. Das ist der wahre Schatz: einfach einmal Kind sein.

Die Augen werden feucht, wenn Frauke Heinemann von ihrem Leben in Bolivien spricht, von ihrer Sehnsucht nach den Menschen, die weder Festnetz- noch InternetAnschluss im Haus haben, die im wahrsten Sinne von der Hand in den Mund leben, aber geprägt sind von einer Großzügigkeit und Menschlichkeit, die der jungen Frau auch nach einigen Monaten immer noch fehlen. „Egal, wie arm oder reich ein Mensch ist, es zählt nur, dass er da ist.”

Dabei waren die ersten Monate in El Alto, der Millionenstadt auf dem Hochplateau von La Paz gelegen, keineswegs unbeschwert. Die Erkenntnis, dass sie erst einmal aus Mangel an Sprach- und Ortskenntnis den Arbeitsauftrag der Bolivien-Brücke in den Sozialprojekten gar nicht erfüllen konnte, führte zu tiefen Selbstzweifeln und einem seelischen Einbruch. Da half auch das Vorbereitungsseminar in Deutschland nicht: „Man kann sich noch so gut vorbereiten, es kommt immer alles anders.”

Schließlich platzte der Knoten und Frauke Heinemann verschrieb sich mit Leib und Herz dem Leben in Bolivien. „Ich wollte nicht einfach mein soziales Jahr dort ableisten, sondern eintauchen in das Leben.” Das Leben mit den Menschen in El Alto lassen Frauke Heinemann nach ihrer Rückkehr den Reichtum und die Selbstverständlichkeit des Luxus in der Heimat absurd erscheinen.

Jetzt geht es ans Studieren: Grundschullehrerin für katholische Religion will sie werden: „Als Lehrer hat man viele Ferien, da könnte ich jedes Jahr sechs Wochen nach Bolivien fahren.”
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