Jülich - Führung durch die „Bergschadens-Hauptstadt Jülich“

Führung durch die „Bergschadens-Hauptstadt Jülich“

Von: ptj
Letzte Aktualisierung:
5471197.jpg
Peter Immekus zeigt einen offensichtlichen Versatz am Mauerwerk der Zitadelle. Foto: Jagodzinska

Jülich. Der Fachmann hatte einen überdimensional großen Zollstock dabei. Mit diesem Gerät machte der Fachmann Diplom-Ingenieur Peter Immekus Fingerzeige und verdeutlichte die Dimension von Bergschäden in Jülich.

Auf Einladung von Bündnis 90/Die Grünen führte der Vertreter des Netzwerks Bergbaugeschädigter eine etwa 50-köpfige Gruppe Interessierter durch die Zitadellenfestung und anschließend durch die Stadt Jülich. Ziel der Begehung entlang der tektonischen Störungslinie war, das Bewusstsein für durch den Braunkohlentagebau verursachte Bergschäden zu schärfen.

Laut Oliver Krischer, MdB und Sprecher für Energiewirtschaft der Grünen Bundestagsfraktion, handelt es sich bei Bergbauschäden „keineswegs um Einzelphänomene. Sie treten nicht unbedingt flächendeckend, aber in allen Orten im ganzen Kreis, teilweise sogar 20 Kilometer vom Tagebau entfernt auf“.

Gudrun Zantis, MdL und Sprecherin für Bergbausicherheit der Grünen Landtagsfraktion, empfahl Betroffenen, das Netzwerk für Bergbaugeschädigte oder bei fortdauernder Problematik die Anrufungsstelle bei der Bezirksregierung Köln zu kontaktieren. Ein Zuhörer betonte sogleich die Notwendigkeit zur Beweislastumkehr, was die Grünen bereits fordern: „Der Bergbautreibende RWE sollte nachweisen müssen, dass angezeigte Schadensfälle nicht auf bergbaubedingte Senkungen zurückzuführen sind.“

Zudem formulierte Krischer die bereits im Bundestag beantragte Forderung zur Tranzparenz von Geodaten. Bisher müssen Betroffene, die ihre Ansprüche gegenüber RWE nur zivilrechtlich geltend machen können, beweisen, dass etwa Risse in der Hauswand auf eine Bodensenkung infolge des Grundwasserentzugs durch den Tagebau entstanden sind, jedoch ohne über die notwendigen Messdaten zu verfügen. Jülich sei im rheinischen Revier das am stärksten von geologischen Verwerfungen betroffene Siedlungsgebiet.

Erste Station der Begehung war das von der tektonischen Verwerfung besonders stark geschädigte Gebäude des Gymnasiums Zitadelle. Dort wurde der linke Teil des inzwischen versetzt erscheinenden Schulgebäudes mit gewölbter Fassade vom rechten Gebäudeteil entkoppelt und mit Stempeln unterfüttert, die regelmäßig nachjustiert werden. Ein offizieller Messpunkt in einem Meter Tiefe befindet sich direkt vor dem Gebäude. In diesem Zusammenhang warnte Immekus: „Die Datengrundlage von RWE beinhaltet auch Messpunkte unterfütterter Objekte.“ Erwähnenswert ist auch seine Bemerkung: „RWE und die Kommunen sind verfilzt.“

Weiter ging es entlang der Störungslinie zum würfelförmigen Sandsteinbau in der Nordwestecke des Zitadellenhofes, wo besonders an der Rückseite des Gebäudes ein eindeutiger Versatz im Mauerwerk zu sehen ist. Zwei gleich an der Störungsstelle angebrachte Messmonitore verdeutlichen das. „Die Störung arbeitet, die Pflaster sacken“, kommentierte Immekus. „Man muss investigativ arbeiten, mal dahinter gucken. Hier, wo das unstrittig ist, wird das (von RWE) auch immer sofort gemacht“, setzte er nach.

Ebenso eindeutig war im Anschluss vom Wallgraben aus eine Setzung an der Zitadellenmauer zu sehen. Außerhalb der Stadtmauern folgte die Gruppe der Störungslinie, wo Bergbauschäden allerdings weniger offensichtlich sind. Es ging über Kurfürstenstraße, Wilhelmstraße, Dr. Weyerstraße und entlang der verlängerten Linie hinter Sparkasse und Kaiserhof. Resümee der mehr als zweistündigen Begehung: „Störungsdaten gehören in die Öffentlichkeit“.

Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert