Forschungszentrum: Mit Fünfklang gegen den Tinnitus

Von: hfs.
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Ludger Kommescher kann wieder lachen. Das ständige Klingeln in seinem Ohr ist vorbei, er wurde vom Tinnitus geheilt - dank FZJ-Therapie. Foto: hfs.

Jülich. In Jülich kennen ihn viele. Seit 26 Jahren ist der Mönchengladbacher selbstständiger Fahrradhändler mit Geschäft an der Großen Rurstraße. Doch seit Donnerstagabend kennt ihn fast ganz Deutschland, jedenfalls die Fernsehzuschauer, die die „Große Show der Naturwunder” verfolgt haben. Dort war Ludger Kommescher einer der prominenten Gäste.

„Ein Naturwunder bin ich nicht. Aber ich bezeichne es als Wunder, dass ich geheilt bin.” Plötzlich fing es in seinem linken Ohr an zu pfeifen, es klingelte und rasselte. „Natürlich bin ich zu meinem Ohrenarzt”, sagt Kommescher rückblickend auf seine fast zwei Jahre dauernde Tortur.

Man konnte ihm nicht helfen. Alle Mittel, seinen Tinnitus zu lindern, schlugen fehl. Er hörte von einer Therapie im Forschungszentrum, wo sich Professor Peter Tass mit Tinnitus-Erkrankungen befasst und Probanden für eine Studie suchte. Ludger Kommescher wurde genommen. „Ich musste in einer Voruntersuchung meinen Ton bestimmen. Der lag bei 7200 Hertz.” Für Wissenschaftler um Professor Tass unvorstellbar, denn dies war die bisher höchste Anzahl von Schwingungen pro Sekunde, die je registriert worden waren.

Fehlsteuerung im Gehirn

Ursache für das permanente Ohrgeräusch sind Fehlsteuerungen im Gehirn, bei denen Nervenzellen übermäßig und gleichzeitig Signale abfeuern, statt gezielt und nacheinander. „Aufgrund von Stress oder aber dem Ehrgeiz, ständig Überperfektionismus an den Tag zu legen”, weiß Kommmescher heute.

Ursachen, die auch bei ihm die Krankheit auslösten. Die in Jülich entwickelte Therapie - mittels eines mathematischen Stimulationsalgorithmus wird der ungewollte Gleichtakt der Nervenzellen gezielt gestört - machte es notwendig, dass die Wissenschaftler über die Hertz-Frequenz des Jülichers zwei noch hellere, aber auch zwei niedrige Töne legten. „So hatte ich einen Fünfklang im Ohr, den musste ich mir jeden Tag sechs Stunden lang anhören.”

Neun Monate dauerte die Behandlung, wobei der Jülicher einmal im Monat ins Forschungszentrum musste, um einen neuen „Fünfklang” festzulegen. „Ich wurde sehr gut betreut”, sagt Ludger Kommescher, der heute keine Geräusche mehr hört. Und wenn doch? „Ich bin gewappnet, mein Neurostimulator liegt in der Schublade, aber ich habe ihn seit drei Monaten nicht benutzt.”
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