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Flüchtlinge und Industrie auf Merscher Höhe?

Von: Volker Uerlings
Letzte Aktualisierung:
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Grund und Boden werden landwirtschaftlich genutzt, die Gebäude befinden sich im Dornröschenschlaf. Die alte Rundfunksendeanlage Merscher Höhe soll nun verkauft werden. Foto: Guido Jansen

Jülich. Die Merscher Höhe hatte einmal den Stellenwert eines neueren Jülicher Wahrzeichens, als die Sendemasten der Rundfunksendeanlage noch standen. Die Fläche wurde aber bekanntlich von einem Metallverwerter aus dem Ruhrgebiet gekauft und regelrecht „ausgeschlachtet“.

Der Besitzer, der seit Mitte der 90er Jahre auch Liegenschaften erwirbt und vermarktet, hat nun neue Pläne. Er möchte wieder verkaufen. Nicht nur für die Stadt Jülich ist das Areal von großer Bedeutung, denn hier soll ein großes neues Gewerbegebiet entstehen, das als interkommunales Projekt gemeinsam mit den Gemeinden Niederzier und Titz geplant ist. Der Eigentümer hat indes verlauten lassen, dass er sich vorstellen könnte, die alten Gebäude und das Grundstück abzugeben, damit dort das Land eine weitere zentrale Aufnahmestelle für Flüchtlinge errichten kann. Doch auch eine Veräußerung an die Stadt Jülich ist möglich.

Das erfuhr unsere Redaktion aus sicherer Quelle, der Eigentümer war bis gestern Abend nicht zu erreichen. Die Absicht ist aber schon daran zu erkennen, dass sich der Stadtrat Jülich in einer weiteren Sondersitzung am Montagabend mit dem Thema auseinandersetzen wird. Einziger und nichtöffentlicher Tagesordnungspunkt: „Merscher Höhe – hier: Grundstücksoptionen für die Stadt Jülich“. Dahinter verbirgt sich ein möglicher Kauf durch die Stadt Jülich.

Es geht sicher um eine Investition in Millionenhöhe, die auch abseits der Jülicher Haushaltslage wohl nur durch eine Finanzierung möglich ist.

Steht denn tatsächlich die Merscher Höhe im Fokus der Düsseldorfer Landesregierung, um eine weitere Flüchtlingssammelunterkunft hier zu errichten? Unsere Redaktion hat bei den entscheidenden Stellen nachgefragt. Die Antwort: Konkrete Pläne für die Merscher Höhe gibt es nicht, aber Vorgespräche. Durch die hohe Zahl an Flüchtlingen und Asylsuchenden „sind wir ständig dabei, die Kapazitäten zu erweitern. Das wird mit Nachdruck betrieben. Wir sind mit zahlreichen Kommunen im Gespräch“, sagte Birgit Axler, Pressesprecherin des Düsseldorfer Innenministeriums. Mit konkretem Blick auf Jülich erklärte sie: „Hier liegen keine Erkenntnisse vor, dass in der Region Jülich eine Einrichtung zur Unterbringung spruchreif sei.“

Freia Johannsen, Sprecherin der Bezirksregierung Köln, bestätigte auf Anfrage der Redaktion, ob Flächen in der Stadt angeboten worden sind: „In Jülich ist etwas ganz frisch an uns herangetragen worden – von privater Seite. Das ist nichts Konkretes. Es wird geprüft wie viele andere Objekte auch.“

Der RP in Köln ist bei der Suche der verlängerte Arm der Landesregierung. Eigentlich liegt die zentrale Zuständigkeit für Flüchtlingsunterkünfte im Bereich der Bezirksregierung Arnsberg. Durch die starke Zunahme an Menschen in Not, die in Deutschland eine Zuflucht suchen, helfen nun die anderen Behörden wie Köln aus. Der Sprecher des RP Arnsberg, Christian Chmel-Menges: „Vor drei Jahren hatten wir drei Einrichtungen zu managen, jetzt sind es 20.“

Wie unsere Zeitung erfuhr, gibt es im Jülicher Rathaus keine grundlegenden Bedenken, zumal die Stadt selbst Probleme hat, Wohnraum für Flüchtlinge zu finden. Im Bereich Merscher Höhe wollen Politik und Verwaltung aber das Heft des Handelns in der Hand behalten, da dort die auf absehbare Zeit einzige große Fläche für Gewerbeansiedlungen entstehen soll – aktuell gibt es so gut wie keine mehr in der Stadt, die mit ihren Forschungseinrichtungen so viele Gründer hervorbringt wie kaum eine andere.

Würde hier eine Landeseinrichtung angesiedelt, könnte das zumindest die Planungen des interkommunalen Gewerbegebietes beeinträchtigen. Daher wird sich der Stadtrat mit den Konditionen eines Kaufs der Fläche auseinandersetzen.

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