Jülich - Fledermausnacht: Auf Safari nach den kleinen Flugsäugern

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Fledermausnacht: Auf Safari nach den kleinen Flugsäugern

Von: Gerda Kròl
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Und endlich bekamen die Teilnehmer des Rundganges auch eine echte Fledermaus, in diesem Fall eine Zwergfledermaus zu sehen. Foto: Kròl
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Harald Körber vom AK Fledermausschutz erklärte, wie bei der Registrierung der Tiere vorgegangen wird. Foto: Kròl

Jülich. Das Image der Fledermaus hat sich in den vergangenen Jahren grundlegend gewandelt. An die Gruselgeschichten vom Vampir oder Blutsauger glaubt schon lange keiner mehr, und jeder weiß auch, dass sie sich nicht in den Haaren ihrer Opfer festkrallen.

Heute leben sie im Bewusstsein der Menschen als niedliche Säugetiere, die es als einzige ihrer Art verstehen zu fliegen. Sie sind nützlich, denn Unmengen, bis zu 1000 Mücken, verzehren sie auf ihren nächtlichen Flügen. Es gilt, sie zu schützen, denn auch ihre Lebensräume werden immer enger.

Mit dazu beigetragen, dass sich das Bild dieser kleinen Lebewesen so grundlegend geändert hat, hat sicherlich auch die internationale Fledermausnacht, die nun bereits zum 17. Mal begangen wurde und an der sich rund 30 Länder beteiligen. Zum 5. Mal hatten auch das Museum Zitadelle Jülich und der Arbeitskreis Fledermausschutz in Zusammenarbeit mit den Naturschutzorganisationen der Region zur Fledermausnacht in der Zitadelle eingeladen.

Die alte Festung ist in der Region eine der Hochburgen für Fledermäuse. In den Gängen der Kasematten finden sie sowohl im Sommer als auch vor allem im Winter ausreichend Schutz und Unterkunft. Von der Zwergfledermaus bis zur seltenen Bechsteinfledermaus sind hier acht Arten vertreten. Zählungen die im Winter vorgenommen werden, lassen vermuten, dass rund 400 Tiere hier leben.

„Die Zitadelle ist ein gutes Beispiel dafür, dass Denkmalschutz und Naturschutz gut zusammenpassen“, erklärt Dr. Christoph Fischer, Biologe und langjähriger Mitarbeiter des Museums. Er war es auch, der vor einigen Jahren, als man ihm eine verletzte Fledermaus aus den Katakomben brachte, den Kontakt zum Arbeitskreis herstellt. Seither ist er von diesen Tieren fasziniert. „Sie haben eine ökologische Nische besetzt und sich perfekt an die Begebenheiten der Nacht angepasst“, erklärt er.

In Doppelfunktion ist Fischer bei der Organisation der 5. Fledermaus Nacht in der Zitadelle dabei und freut sich stets über die große Resonanz, die diese Veranstaltung findet. Schon früh am Abend waren der Renaissancegarten und der Schulhof bevölkert und viele Menschen nutzten die Gelegenheit sich an den Infoständen von NABU, BUND, der Biologischen Station des Kreises Düren, des Fördervereins Festung Zitadelle und Vogelsang IP zu informieren. Dabei ging es nicht nur um die Fledermaus, sondern auch um andere bedrohte Tierarten. Es gab eine kleine Ausstellung sowie Filme und Vorträge zum Fledermausschutz.

Auch für die jüngsten Gäste war für Unterhaltung gesorgt. Sie konnten sich als Fledermäuse schminken lassen, eine Zauberin modellierte lustige Fledermausballons, und sie durften mit der Laubsäge Fledermaus Silhouetten aussägen. Außerdem gab es eine Fledermaus-Rallye mit vielen kniffligen Fragen. Natürlich war auch für das leibliche Wohl gesorgt.

Doch das Wichtigste waren die Führungen zu den Lebensräumen in der Zitadelle oder zu den Jagdgebieten an der Rur. Die Lokalredaktion, die diese Fledermausnacht unterstützte, hatte außerdem ein besonderes Angebot für ihre Leser. 25 Abonnenten erhielten im Rahmen der Abo-plus-Aktion eine ganz besondere Führung.

Ausgerüstete mit Taschenlampen machten sie sich, angeführt von Dr. Christoph Fischer und Annette Koslowski, auf die Suche nach den kleinen Säugern. In den dunklen unterirdischen Gängen der Festungsanlage zeigte Fischer ihnen die Stellen, in denen sich die Fledermäuse oft verstecken, und gab eine Menge Erläuterungen zu ihrer Lebensweise. Da man zunächst keine Tier sichtete mussten sich die Teilnehmer des Rundgangs mit Fotografien zufrieden geben. Dennoch war es eine interessante Exkursion in die Jülicher Unterwelt.

Fischer berichtete beispielsweise, dass die Fledermaus in der Jülicher Region keine natürlichen Behausungen findet. Es gibt schließlich keine Felsen, Grotten und Höhlen, wo sie sich verstecken kann. Daher ist sie auf vom Menschen geschaffene Behausungen angewiesen. Er erzählte auch, dass die Fledermäuse durch lautes Schreien Ultraschallwellen erzeugen, an deren Echo sie sich geradezu perfekt orientieren.

„Wir können froh sein, dass wir diese Wellen nicht hören können. Sie sind so laut wie beispielsweise ein Presslufthammer“, erklärt er. Viel Energie verbrauchen die Tiere allerdings auf diese Weise. und so müssen sie auch sehr viel Nahrung aufnehmen. Ein Drittel ihres Körpergewichst an Insekten kann eine Fledermaus in einer Nacht verspeisen.

Und dann kam man zum Höhepunkt dieser Führung. Dr. Fischer brachte seine Gäste bei einer Fangstation vorbei. Hier saß Holger Körber, vom AK Fledermausschutz in der Dunkelheit und hatte seine Netze ausgespannt. Anhand einer Stoff-Fledermaus demonstrierte er nun, wie er und seine Mitarbeiter bei der Registrierung der Tiere vorgehen. Sie werden gemessen, gewogen, je nach Art mit einem Ring versehen und mit Nagellack markiert, damit das Tier nicht mehrmals gezählt wird.

Und dann bekamen die Besucher endlich doch noch eine echte Zwergfledermaus zu sehen. Sie hatte man am Tag zuvor verletzt gefunden. Viele Ahs und Ohs rief das niedliche kleine Tier hervor. Körber nutzte die Gelegenheit, um für den Schutz der kleinen Säugetiere zu werben. „Hängen Sie Fledermauskästen an ihre Häuser. Lassen sie Spalten im Dach offen und lassen Sie ihnen Nischen im Mauerwerk. Sie haben es verdient, dass man ihnen hilft , denn sie haben es sehr schwer“, betonte er. Dabei erklärte er auch, dass eine der größten Gefahren für die Tiere die Windräder darstellen. „Es muss noch sehr viel zu ihrem Schutz passieren“, gab er seinen Zuhörern mit auf den Weg.

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