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Finanzspritze für Jülicher Demenzforschung

Von: hfs.
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Doktorantin Katja Kühbach untersucht im Forschungszentrum am Mikroskop den Krankheitsverlauf der Alzheimerschen Demenz. Foto: hfs.

Jülich. Die Krankheitszahlen sind alarmierend, die Heilungschancen gleich Null – noch. Zurzeit sind in Deutschland rund eine Million Menschen an der Alzheimerschen Demenz (AD) erkrankt. Bis 2030 sind es geschätzt rund 1,2 Millionen. Weltweit, so die Prognosen, werden dann 44 Millionen Menschen von der am meisten verbreiteten Form der Demenz betroffen sein.

Noch gibt es keine Therapie, die in irgendeiner Form helfen könnte. Doch nun haben Jülicher Forscher eine Methode entwickelt, mit der sich die Krankheit frühzeitig nachweisen lassen könnte.

Professor Sebastian Schmidt, Vorstandsmitglied des Forschungszentrums, begrüßte im Institut für Strukturbiologie Thomas Rachel, Parlamentarischer Staatssekretär im Bundesforschungsministerium. Der kam nicht mit leeren Händen und hatte vom Bund 1,5 Millionen Euro dabei, die für eine Projektförderung gedacht sind. „Dies dürfte ein Projekt sein, das sicherlich die meiste öffentliche Wahrnehmung erfährt“, meinte Rachel mit Blick auf die alarmierenden Zahlen von Erkrankten. Er gratulierte gleichzeitig Professor Dieter Willbold als Institutsleiter, dass er es sich mit seinen Mitarbeiter zutraut, einen Schritt zu machen, damit eine medikamentöse Therapie so früh wie möglich eingeleitet werden kann.

Warum ein Mensch an Alzheimer erkrankt, weiß die Wissenschaft noch nicht ganz genau. Denn die Auslöser, eine bestimmte Form von Eiweißstoffen, hat jeder Mensch von Geburt an im Blut, in der Rückenmarks- beziehungsweise in der Gehirnflüssigkeit.

Wenn diese harmlosen Eiweißstoffe in einem bestimmten Alter verklumpen, bösartig werden und sich dann explosionsartig vermehren, ist der Krankheitsverlauf nicht mehr zu stoppen. Jetzt, so Dieter Willbold, ist es den Forschern gelungen, mittels eines Biomarkers schon frühzeitig den Nachweis zu erbringen, ob ein Mensch eine gut- oder eine bösartige Form in sich trägt, durch die später Nervenzellen geschädigt werden, was dann die Alzheimer Demenz auslöst. Dieser Prozess scheint bislang unumkehrbar.

Erste Studien mit dem neu entwickelten Biomarker, den die Jülicher Forscher in enger Zusammenarbeit mit dem Institut für Physikalische Biologie der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf entwickelten, haben nun eine Unterscheidbarkeit von gesunden Probanden und AD-Patienten ergeben. Professor Willbold: „Außerdem konnten wir einen eindeutigen Zusammenhang zwischen der gemessenen Konzentration unseres Biomarkers und der Bewusstseins-Beeinträchtigung der Patienten feststellen.“ Mit der 1,5 Millionen Euro schweren Projektförderung soll nun die neu entwickelte Methode aus dem Labormaßstab weiterentwickelt werden und die Anforderung an eine klinische Studie erfüllen. „Denn das ist ein erfolgsversprechender Ansatz“, sagte der Forschungs-Staatssekretär.

Willbold machte deutlich, dass es heute „keine Therapie der Alzheimer Demenz gibt“ und die Hälfte des menschlichen Gehirns durch den Krankheitsverlauf degeneriert, also verloren geht. Nun hofft er aber, dass es durch die neue Messmethode möglich sein wird, frühzeitig mit einer Medikamentierung bei Betroffenen zu beginnen. Es ist zwar noch nicht möglich, den Verlauf der Krankheit zu beeinflussen, aufzuhalten oder gar umzukehren. Die derzeit auf dem Markt befindlichen Medikamente könnten für begrenzte Zeit einige Symptome der Alzheimerschen Demenz leicht abschwächen. Allerdings testen die Jülicher Wissenschaftler derzeit einen potenziellen neuen Arzneistoff, dessen Wirkweise sich völlig von anderen klinisch getesteten Substanzen unterscheidet. Der Wirkstoff „D3“ soll die Moleküle stabilisieren, die verklumpen. In Versuchen haben sich erfolgversprechende erste Ergebnisse eingestellt.

Wunschdenken der Mediziner: So wie der Zuckerwert für Diabetiker gemessen werden kann, könnte es gelingen, auch den bösartigen Zustand der krankheitsauslösenden Eiweißstoffe zu messen. Und wenn die Tests von „D3“ am Menschen erfolgreich sein sollten, könnte dies erstmals Wege einer Behandlung aufzeigen. Aber bis dahin ist es ein langer Weg, dessen Ende nicht absehbar ist.

Die Demenzforschung am FZJ ist heute eines von drei Themen bei der „Kleinen Nacht der Wissenschaft“ im Kulturbahnhof am 18 Uhr – bei freiem Eintritt.

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