Ex-Landrat Adi Retz zeigt seine „vierte Phase“ in Jülich

Von: ptj
Letzte Aktualisierung:
8836760.jpg
Adi Retz mit einer Besucherin vor seinem ersten Werk aus der Malschule Bad Reichenhall. Unten die Skulptur „Turmbau zu Babel“, die das Zeitalter neuer Technologien reflektiert. Foto: Jagodzinska

Jülich. „Ich wollte mal was Konkretes gestalten, was man anfassen kann, was fertig wird...“ Das sagte Adi Retz nach seiner politischen Laufbahn als SPD-Politiker auf kommunaler und Landesebene und als ehemaliger Landrat des Kreises Düren, über „die vierte Phase seines Lebens“.

Deshalb trägt die am Sonntag eröffnete Ausstellung mit abstrakten Werken im Technologiezentrum Jülich auch den Titel „Phase 4“. Damit hatte er den passenden Ort für seine Vernissage gewählt, gilt Retz doch als „Bauherr des Technologiezentrums“, wie Geschäftsführer Carlo Aretz leicht überzeichnet betonte. „Ohne seine Initiative wäre der Bau nicht möglich gewesen“, den Retz zudem sieben Jahre lang als erster Aufsichtsratvorsitzender begleitet hatte.

Natürlich kannte Aretz wie große Teile der Bevölkerung zuvor die „vielen Talente“ des Ausstellers. Mit einem „Kunst-Gen“ hatte er indes nicht gerechnet. Wie kam es dazu? Wie Retz vor vielen geladenen Gästen zusammenfasste, fiel ihm ein Hobby aus seiner frühen Jugend ein, als er mit 68 Jahren „stufenweise seinen Ruhestand vorbereiten konnte“, nämlich die Malerei.

Nachdem er in seinen beruflichen und politischen Arbeitsbereichen seine Gesprächspartner „zum Teil in mühseligen Diskussionen von seinen Ideen und den erforderlichen Entscheidungen überzeugen musste“, sollte es etwas Handfestes sein.

Als Autodidakt besuchte er zunächst Malschulen in Deutschland, Österreich und der Schweiz, um „seine Kenntnisse in aktuellen Maltechniken und neuen Materialien aufzufrischen“. Nach Fertigstellung landeten seine Bilder direkt bei Familienmitgliedern, Freunden und Bekannten.

Aus ihren Reihen entstand schließlich der Vorschlag, in einer Ausstellung einen wirklichen Überblick seiner Kunstwerke von den Anfängen bis hin zu ganz aktuellen Bildern zu zeigen, der zeitnah umgesetzt wurde. Die Schau im Palmengarten des TZJ zeigt 39 abstrakte, zumeist farbenfrohe Bilder. Einem konkreten Stil ist Retz‘ malerisches Schaffen nicht zuzuordnen.

So finden sich beispielsweise Elemente des Abstraktivismus ebenso wie expressionistische Farbexperimente. Beim Betrachter verdichtet sich der Eindruck, der Kunstschaffende sei auf dem Weg, möglichst vielfältig etwas bisher Versäumtes nachholen zu wollen. Ein äußerst spannender und sehenswerter Versuch.

Deutlich vor Snowden...

Ferner zählt eine Skuptur zur Ausstellung, die den Titel „Turmbau zu Babel“ trägt. Sie ist umso erwähnenswerter, als dass sie aus 84 Handyplatinen, 27 Videokameras, 74 Mikrofonen und einer Festplatte entstanden ist, und zwar, „bevor Edward Snowden die Öffentlichkeit über die Datensammlung der USA informierte“.

Um zu verdeutlichen, was die Nutzung moderner Technik bedeutet, unterschrieb Retz sein Werk folgendermaßen: „Im 21. Jahrhundert hat die Menschheit sich ein neues Babylon, einen neuen Gott geschaffen! Der alles sieht, der alles hört, der alles weiß und nichts vergisst“.

Der „technikverliebte“ Künstler verwendet auch technische Bauteile als Strukturmittel in einigen seiner Werke, um eine Dreidimensionalität zu erreichen. Ferner sind sehr stark abstrahierte Fotoserien zu sehen, aufgenommen mit seiner Olympus Spiegelreflexkamera 2006 im Hafen von Melbourne und auf dem Aachener Bend.

Ferner dienten 2012 die Jülicher Lichter als Motiv. Die Inspiration, Kunstwerke mit der Kamera zu schaffen, entstand in Melbourne nach einem verwackelten Bild. Bei der Bildbetrachtung entdeckte er Farben, die er mit bloßem Auge niemals gesehen hätte.

Erwähnenswert ist auch sein erstes Werk, ein Ausschnitt aus einem ursprünglich zwei mal drei Meter großen Bild, entstanden in der Malschule Bad Reichenhall. Der Auftrag an die Malschüler war jeden Tag ein anderer. Am ersten Tag sollte es ein Schwarz-Weiß-Werk sein, am nächsten Tag durfte eine Farbe hinzugenommen werden. Die Auswahl des Sozialdemokraten lag auf der Hand: „Natürlich habe ich Rot dazugenommen“.

Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert