Europatag: „Vereintes Europa ist schon eine tolle Sache”

Von: hfs.
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Der 50-jährige selbstständig
Der 50-jährige selbstständige Kfz-Meister Salvatore Carciotto steht dem europäischen Gedanken positiv gegenüber. So denkt er denn am Europatag an seinen nicht leichten Start in Deutschland. „der heutezutage ungleich leichter verlaufen wäre.” Foto: hfs.

Jülich. Nein, frei macht Salvatore Carciotto am Donnerstag nicht. Seine Kfz-Werkstatt im Jülicher Gewerbegebiet Königskamp wird der gebürtige Sizilianer geöffnet halten. Wie immer an einem normalen Donnerstag. Der für ihn persönlich jedoch etwas besonders ist.

Denn es ist Europatag. Und den europäischen Gedanken, den hat der 50-Jährige verinnerlicht.

„Wenn ich damals solche Möglichkeiten gehabt hätte wie heute?” Carciotto kommt ins Grübeln. Denn als er als Siebenjähriger mit seinen Eltern nach Jülich kam - dies ist mittlerweile schon 43 Jahre her - da war Deutschland für ihn vollkommendes Neuland. Auch für die Eltern, die, zusammen mit den Geschwistern, in der hiesigen Papierindustrie Arbeit fanden. „Allein an die benötigten Papiere kommen, sich mit der fremden Währung auseinandersetzen, die andere Mentalität kennenlernen, zur Schule gehen.”

Carciotto nennt unzählige Beispiele, die damals seinen Aufenthalt in Deutschland zu eienr wahren Herausforderung machten. „Und heute? Man setzt sich ins Fluzeug, in die Bahn, fährt nach Italien, irgendwo hin nach Europa, und hat die gleiche Währung in der Tasche wie diejenigen, die man besucht.” Der Italiener, der Jülich nun als seine Heimat bezeichnet, denkt an Visa-Anträge, Benzingutscheine und an Geldtransaktionen. „Heute alles kein Problem, was kann es Besseres geben als ein vereintes Europa.”

Dies wurde vor 62 Jahren auf dem Weg gebracht, denn am 5. Mai gründete sich der Europarat, dem gehören heute 47 Staaten an. Sitz dieser ältesten politischen Organisation Europas ist Straßburg, wo kräftig gefeiert wird. Als Zentralaufgabe wurde damals in der Satzung dem Europarat als Artikel 1 mit auf dem Weg gegeben, „einen engeren Zusammenschluss unter seinen Mitgliedern zu verwirklichen”, was in den Augen von Salvatore Carciotto geschehen ist. „Ich durfte damals als kleiner Sizilianer direkt in die deutsche Schule. Als Note bekam ich immer nur anwesend mitgeteilt, es war schwer, aber ich habe es geschafft.”

Was der Kfz-Meister hervorhebt, ist die Leichtigkeit, mit der heute die europäische Integration möglich ist. „Egal in welchem Land.” Doch damals wie heute gelte, so betont der Handwerker, „dass man sich auf die Hinterbeine setzt, etwas für sein Leben tut.” So plädiert er auch für einen Auslandsaufenthalt während der Schulzeit, was doch heutzutage kein Problem sei. Dank des europäischen Gedankens. Der erlaubt Salvatore Carciotto im gewissen Sinne auch, dass er sich als EU-Autohändler betätigen darf. Genauso gut kann er sich als Kfz-Meister in Italien oder anderswo selbstständig machen. „Im Grunde genommen ist dies doch eine tolle Idee”, unterstreicht der 50-jährige Jülicher, macht aber auch deutlich, dass er ein wenig skeptisch ist, was die freie Berufsausübung in Europa anbelangt.

„Die Qualität, mit der hier in Deutschland ausgebildet wird, macht es jedem anderen aber ungleich schwer, sich hier zu beweisen.” Wie er am eigenen Leib erfahren hat. Was als Schulpraktikum in der damaligen Kfz-Werkstatt von Ferdinand Schauff begann, setzte sich mit einem Lehrvertrag fort.

Aus dem Gesellen wurde der Meister, aus dem später der Firmeninhaber. „Ja, ich habe eine kleine Karriere hingelegt, dank deutscher Gründlichkeit.” Carciotto lacht. Er blickt in diesen Tagen auf ein 20-jähriges Firmenjubiläum zurück. Und er wird sich am Europatag an die anfänglichen Schwierigkeiten in Deutschland erinnern, „über die ich jetzt im vereinten Europa nur lachen kann”.
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