Europas größtes Meerwasserbecken ist „made in Jülich”

Von: hfs.
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In den Werkshallen der Jülich
In den Werkshallen der Jülicher Firma Schuran entstand Europas größtes Meerwasser-Aquarium in Rundform. Die Nähte der verklebten Plexiglasplatten sind nicht zu sehen. Foto: hfs.

Jülich. In einer Einkaufsmeile im slowakischen Zilina werden Besucher schon in wenigen Tagen einen besonderen Anblick erleben: Sie stehen vor einem riesigen runden Meerwasser-Aquarium. Große Lederkorallen wiegen sich in der Strömung des Wassers, unsichtbar verrichten Filter und Pumpen ihre Arbeit.

Die schönsten Fische in Form und Farbe bewegen sich lautlos vor dem staunenden Betrachter. Den zieht jedoch nicht nur das Korallenriff in den Bann, sondern auch die Dimension des Aquariums. Es ist „made in Jülich” und wurde von der hiesigen Firma Schuran gefertigt, die weltweites Ansehen genießt, wenn es um Sonderanfertiguungen aus Acrylglas geht.

Auch Eigentümer Hermann Schuran gibt frank und frei zu, dass ihn die Dimensionen des Kundenwunsches erstaunt haben. „Aber das war auch eine Herausforderung, denn noch nie in unserer 25-jährigen Firmengeschichte haben wir ein Aquarium mit solchen Ausmaßen gefertigt.”

Gut zwei Tonnen wiegt der Koloss, hat einen Durchmesser von 4,40 Meter, ist 1,50 Meter hoch. „Da werden nach der Aufstellung in Zilina 20.000 Liter Meerwasser eingefüllt.” Doch bevor der Jülicher Firmenchef das vor Ort erleben kann, bedurfte es einer Menge an Arbeit, Zeit und vor allem Handfertigkeit. Schließlich baut niemand im „Vorbeigehen” ein solches Becken, das von der Größe her in Europa wohl einmalig ist.

Zuerst einmal gingen die Jülicher Fachleute daran, sich eine Statik anfertigen zu lassen. Denn das runde Aquarium ist freistehend, wird durch keinerlei Streben oder Stützen gehalten. „Das war Kundenwunsch”, sagt Schuran und erwähnt beiläufig, dass ein derartiges transportables Vollplexiglasbecken „in dieser Größe in Deutschland noch nie hergestellt wurde.” Entsprechend gestaltete sich auch die Materialsuche aufwendig. Auch wenn ein Spezialhersteller Plexiglas in einer Größe von acht mal drei Meter pro Platte mit bis zu 80 Millimetern Stärke anbietet, kamen die nicht in Frage.

Plexiglas im Spezialofen

„Wir brauchten Platten, die halb so dick waren”, erklärt Schuran, der die horrenden Kosten einer Sonderproduktion umgehen wollte. So entschieden sich die Jülicher für ihr bewährtes Knowhow, bauten das Rundbecken aus fünf Bogenelementen zusammen, die zuvor thermisch verformt wurden. Soll heißen: Das Plexiglas wurde in einem Spezialofen auf dem Firmengelände 24 Stunden lang einer Wärme von exakt 70 Grad ausgesetzt. „Wir haben Nachtschicht gemacht, damit bei diesem Vorgang auch ja nichts schief lief”, erinnert sich Schuran an einen aufregenden Tag.

Nach dem Abkühlen wurden die Bogenelemente mit einem Polymerisationskleber auf Kunststoffbasis zusammengefügt, dessen eigentliche Zusammensetzung in den letzten 25 Jahren immer wieder verfeinert wurde und ein strenges Familiengeheimnis ist. So dürften auch Sohn Florian und Tochter Julia über das Wissen verfügen. Sie befinden sich zur Zeit auf einer Fachmesse in Orlando, wo sie zeigen, was alles aus Plexiglas in Jülich angefertigt wird.

Haifischbecken im Kinderzimmer

Das ist zum Beispiel das Gegenstück des Riesenaquariums. Dies fasst „nur” 4000 Liter Meerwasser und steht als Repräsentationsbecken in den Firmenräumen an der Margaretenstraße in Jülich. Es ist ebenfalls transportabel, wurde schon in mancher Fernsehproduktion als „Hingucker” eingebaut oder diente zum Beispiel einem bekannten Modeschöpfer als Kulisse. „Der hat seine Models unter Wasser neue Abendkleidung vorführen lassen”, sagt Schuran schmunzelnd. Er denkt dabei an einen besonderen Kundenwunsch. „Ein identisches Modell steht in einem Kinderzimmer, ebenfalls gefüllt mit Meerwasser - für zwei Haifische.” Natürlich verrät er sonst nichts über den Vater, der sich das Überraschungsgeschenk zum 8. Geburtstag seines Sohns einfallen ließ.

Bevor am Freitag das Rundbecken mittels Spezialkran auf einen Tieflader gehoben wurde - der darf nur nachts mit Polizeieskorte in die Slowakei fahren - mussten neben den 800 Arbeitsstunden für die Beckenherstellung weitere Stunden geopfert werden. „Damit wir das Becken aus unserer Halle bekommen, müssen wir zuerst einmal innen Platz machen.” So wurden Regalaufbauten und Treppen entfernt, zudem war es erforderlich, das große Firmentor zu entfernen. „Leider ist das Becken einen Zentimeter breiter als unser größtes Tor”, lächelt Hermann Schuran, diesmal allerdings etwas gequält.
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